Von: Muhammed Sağlam

Mittwoch 24. Oktober 2007

Kultur, Geschichte, Islam
Muhammad Asad

Es fällt dem Menschen zunehmend schwerer Antworten auf die Fragen zu finden, die sich ihm im Innersten stellen. Wenn er die Antworten auf die Fragen, die seine Persönlichkeit formen, findet, beginnt sein Reifungsprozess

Die Beziehung eines Menschen mit seiner Heimat ist einer der Faktoren, die ihn prägen und sein Schicksal beeinflussen. Das Herauswachsen aus dieser Beziehung kann sowohl zum Guten, als auch zum Schlechten führen. Wenn wir unseren Standpunkt noch nicht ermittelt haben, ist es für uns vielleicht schon zu spät?

Leopold Weiss wurde sich bewusst „wo“ er stand und fand die Antworten auf seine Fragen. Dies ist die Geschichte von seiner Reise.

 

Leopold Weiss kam 1900 in der Stadt Lemberg in Galizien als Sohn einer jüdischen Familie zur Welt. Sein Großvater väterlicherseits war ein Rabbiner, der in der Mathematik und Physik sehr bewandert war und großes Interesse an der Astronomie hatte. Darüber hinaus war er ein begnadeter Schachspieler. Sein Vater, der trotz aller Widerstände aus der Familie, Naturwissenschaften studieren wollte, konnte aus finanziellen Gründen lediglich ein Studium der Rechtswissenschaften absolvieren. Er wurde Anwalt und ließ sich nach seiner Heirat in Lemberg nieder. Weiss lernte hier sowohl das Stadtleben, als auch das ländliche Leben - auf dem Anwesen seines Großvaters mütterlicherseits - kennen und verlebte eine glückliche Kindheit. Sein Vater versuchte seinen Wissensdurst im Bereich der Naturwissenschaften zu stillen, indem er wissenschaftliche Arbeiten las. Zudem erhoffte er von seinem Sohn, dass dieser seinen nicht erfüllten Traum verwirklicht. Dieser wiederum interessierte sich mehr für Geschichte, Dichtung, polnische und deutsche Literatur. Gemäß der Familientradition erhielt Weiss zu Hause Religionsunterricht. Mit 13 Jahren sprach er fließend hebräisch, las die Thora, die Mischna, die Gemara und den Talmud und war des Aramäischen mächtig.

 

Ende 1914 meldete er sich in Wien, wo sie derzeit lebten, ohne die Erlaubnis der Eltern der österreichischen Armee. Er war zwar noch zu jung, aber hatte ein stattliches Äußeres, so dass er sich unter einem anderen Namen anmelden konnte. Seine Familie spürte ihn jedoch auf und brachte ihn zurück. Zwar meldete er sich vier Jahre später wiederholt zum Dienst, doch das österreichische Reich zerbrach bald und der Krieg endete.

 

Nach dem Krieg studierte er zwei Jahre Kunstgeschichte und Philosophie an der Wiener Universität. Jedoch konnte er sich mit diesen Fachrichtungen nicht recht anfreunden und äußerte den Wunsch Journalist zu werden. Es kam zu Unstimmigkeiten zwischen Vater und Sohn. Dies hatte zur Folge, dass Leopold ein Jahr nach dem Tod seiner Mutter Wien verließ und nach Berlin ging. Er lernte die Literaturszene kennen und arbeitete als Regieassistent und Drehbuchautor.

 

Als es ihm im Herbst 1921 gelang ein Interview mit Madame Gorky zu führen, ein Interview das einzig von seiner Nachrichtenagentur veröffentlicht wurde, beförderte man ihn von einem einfachen Telefonisten zum Journalisten.

 

1922 lud ihn sein Onkel Dorian, der als Psychiater tätig war, nach Jerusalem ein, worauf er seine Stellung in der Nachrichtenagentur kündigte und nach Jerusalem reiste. Dort wurde er nach langer Korrespondenz mit der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) zum Nahostkorrespondenten. Später ging er nach Kairo.

 

Im Frühjahr 1924 wurde er von der FAZ unter besseren Bedingungen wiederholt in den Osten gesandt. Über Port Said kam er nach Kairo und lernte dort den Al-Azhar Gelehrten Mustafa Al-Marak kennen und führte lange Gespräche mit ihm. Er verließ Kairo und reiste nach Jordanien. Danach hielt er sich zeitweise in Damaskus, Tripolis und Beirut auf. Auf einer seiner Reisen lernte er seinen späteren Freund und Weggefährten Zajd bin Ganim, einen Angehörigen des Sammar-Stamms in Südarabien kennen und bereiste mit ihm den Iran, den Osten der Türkei und Afghanistan.

 

Im Winter 1926 verließ er die afghanische Provinz Herat und reiste über Merw (Turkmenistan), Damaskus, Buhara (Usbekistan) und Taschkent (Usbekistan) nach Moskau, von wo er nach Europa zurückkehrte. In Deutschland angekommen ging er eine Ehe mit der Malerin Elsa Schiemann ein. Er kündigte seine Stelle bei der FAZ und arbeitete bei anderen Zeitungen. Sie lebten eine Zeitlang in Berlin, wo er Seminare im Fachbereich Geopolitik gab.

 

 

Woher kommst du? Wer bist du?

 

Im Herbst 1926 wurde er während einer U-Bahnfahrt in Berlin auf die Gesichtsausdrücke der Menschen aufmerksam, die Hoffnungslosigkeit und Unzufriedenheit ausdrückten. Er sprach Elsa darauf an, die daraufhin antwortete: „Als ob sie Höllenqualen erleiden würden… Ob sie sich wohl dessen bewusst sind?“ Weiss führte den Seelenschmerz und das Leiden der Menschen auf ihr Streben nach Komfort und Luxus zurück. Zurück zu Hause, sah er den Koran aufgeschlagen auf dem Tisch liegen. Als er danach griff um ihn in den Schrank zu legen, streifte sein Auge über die Sure Takâthur [102:1] [102:2] [102:3] [102:4] [102:5] [102:6] [102:7] [102:8] und er begann sie zu lesen. In diesem Moment begriff er, dass diese Sure eine Erläuterung der Szene in der U-Bahn beinhaltet und dachte sich: „Zu allen Zeiten waren die Menschen gierig gewesen, aber erst in dieser Zeit war ihre Gier über das bloße Verlangen nach Besitz hinausgewachsen und zu einer Besessenheit geworden, die jede andere Wahrnehmung ausschloss; eine unersättliche Begierde, mehr und mehr zu erlangen, zu tun, zu erreichen – heute mehr als gestern, und morgen mehr als heute; ein Dämon, der auf den Nacken der Menschen reitet und ihre Herzen vorwärtspeitschend, Zielen entgegen, die immer lockend aus der Ferne glitzern, sich aber in verächtliches Nichts auflösen, sobald man sie erreicht.“ Für Leopold war dies nicht die Weisheit eines Menschen, denn er hätte kaum die Qual des Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts sehen können. „Aus dem Koran sprach eine Stimme, größer als die Stimme Muhammads ...

 

Kurz nach dieser Begebenheit gab Leopold Weiss kund, dass er und seine Frau Elsa zum Islam übergetreten waren. Er änderte seinen Namen und nannte sich Muhammad Asad.

 

Somit war der Traum, den er mit 19 Jahren hatte, Realität geworden. In diesem Traum befand er sich in einer U-Bahn, die den Tunnel verließ und ein Kamel in weiter ferne sichtbar wurde, von dem er wusste, dass es auf ihn wartete. Er stieg auf das Kamel und ritt eine unbestimmbare Zeit auf ihm bis er ein weißes Licht sah und diese Worte hörte: „Das ist die letzte westliche Stadt“. Jahre später fand er heraus, dass es sich bei der Person um den Gesandten Gottes Muhammad (saw) gehandelt hatte und die gehörten Worte die Bedeutung verbargen, dass sein Leben im Westen bald ein Ende haben würde.


Camia - Ausgabe 37

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