Ein 45-jähriger Arzt wurde wegen eines Moscheeanschlags auf die Osmanli-Moschee in Wien verurteilt. Dr. S. hatte am 16. November 2005 einen Sprengsatz vor der Osmanli Moschee gezündet. Glücklicherweise entstand nur ein Sachschaden. Der Fall hatte vor drei Jahren besonders für Aufmerksamkeit gesorgt, weil zur gleichen Zeit eine internationale Konferenz zum „Islam in einer pluralistischen Welt“ in Wien tagte. Der Moscheeanschlag konnte erst nach einem missglückten Selbstmordversuch des Täters aufgeklärt werden.
Der 45-jährige war bereits im Januar dieses Jahres verurteilt worden, weil er im August 2007 einem 18-jährigen Jugendlichen mit Migrationshintergrund in den Bauch geschossen hatte. Das Opfer war dem Arzt zu laut gewesen. Die Tat hat der Jugendliche zwar überlebt, sitzt aber seitdem querschnittsgelähmt in einem Rollstuhl.
Nach seiner Verurteilung wegen des Mordversuchs zu zwölf Jahren Haft unternahm der Täter einen Selbstmordversuch. In seinem Abschiedsbrief gestand er neben dem versuchten Mord an dem Jugendlichen auch den weiter zurückliegenden Anschlag mit einem selbst gebauten Sprengsatz auf die Moschee.
Als Beweggrund für seine Tat führte der Arzt an, er habe zeigen wollen, „dass man fremde Kulturen in einem Maß importiert, das ungesund für die Bevölkerung ist“. Der „Europagedanke, so wie er damals propagiert wurde“, sei „eher nicht zum Nutzen der Gesellschaft“. Der Islam stelle „eine Art Bedrohung des sozialen Gefüges dar“. Nach Angaben von S. soll mit ihm hinter dem Anschlag die Organisation „Neues Europa“ stehen. Die Staatsanwaltschaft hat jedoch bisher keine Hinweise auf eine Komplizenschaft entdecken können.
Seit dem Selbstmordversuch wird der Arzt in einem psychiatrischen Krankenhaus in Niederösterreich stationär behandelt. Er soll nach wie vor suizidgefährdet sein. Der "Abschiedbrief", in dem er seine Lebensbeichte ablegte und unter anderem den Moscheeanschlag gestand, soll Polizei und Justiz schon seit Februar bekannt sein. Ohne das Geständnis wären die Anschlagsuntersuchungen mangels Hinweisen auf den Täter fast schon eingestellt worden.
Das Wiener Gericht sprach ihn nun am Dienstag für den Anschlag wegen Sachbeschädigung schuldig. Am Strafmaß wird sich jedoch nichts ändern. Richter Thomas Schrammel befand, dass S. mit den bereits erhaltenen zwölf Jahren ausreichend bestraft war. Staatsanwalt Hans-Peter Kronawetter will jedoch in die nächste Instanz gehen. (aek)
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