Von: Bekir Altas

Dienstag 27. Januar 2009

Gemeinschaft, KurbanKampagne
Opfertierkampagne Aserbaidschan II: „Ein Waisenhausbesuch“

Im Rahmen der diesjährigen Opfertierkampagne in Aserbaidschan besuchten wir ein Waisenhaus außerhalb der Stadt.

Überrascht wurden wir bei unserer Ankunft im Waisenhaus von einem Kinderchor, das extra für unsere Ankunft Gebetshymnen vorsang, in der unser Prophet Muhammad (saw) gepriesen wird. Wir überhörten die Ungleichmäßigkeit der Stimmen, die mit viel Liebe den Namen des Propheten aussprachen, der genauso wie sie ein Waise gewesen war.

 

Bereits in Deutschland hatten wir uns Gedanken darüber gemacht, wie wir den Kindern eine Freude machen könnten. Denn wir wollten ihnen nicht nur die mitgebrachten Süßigkeiten und Geschenke verteilen. Wir beschlossen neben Schulartikeln und Spielbällen ihnen eine Freude der besonderen Art zu machen: Wir wollten ihnen das Opfertierfleisch als Dönerfleisch servieren.

 

Doch 200 Kinder gleichzeitig mit Dönertaschen zu versorgen, stellte ihre Geduld regelrecht auf Probe. So überbrückten wir die freudige Wartezeit mit Fußballspielen. Wir lachten, als wir die lachenden Augen der Kinder ohne Eltern sahen. So wurden aus den paar Stunden, die wir für diesen Besuch vorgesehen hatten, mehrere Stunden. Wir konnten erst wieder zurückfahren, als wir die Kinder schlafengelegt hatten. Ich höre immer noch einige Kinderstimmen, die uns als „abi“, als den „großen Bruder“ riefen und von uns umarmt werden wollten.

 

Sehr niedriges Bildungsniveau im Waisenhaus

 

Die Kinder dieses Waisenhauses sind vielen Problemen und Benachteiligungen ausgesetzt. Wie uns unsere Ansprechpartner in Aserbaidschan berichteten, verhungern diese Waisenkinder zwar nicht. Dennoch werden sie nicht bildungstechnisch auf ihr bevorstehendes Leben vorbereitet. Dies liegt vor allem daran, dass sie nicht genügend Bildungsmaterial haben. Sie bekommen zwar einen Abschluss zur mittleren Reife, dennoch haben sie den Stand vom Grundschulabschluss, da im Unterricht nur aus Grundschulbüchern gelehrt wird. Auf die Frage warum dies so ist, bekamen wir die Antwort, dass diese Kinder behindert seien. Zweifellos gibt es welche unter ihnen, doch keineswegs sind sie alle behindert. So wie sie behandelt werden, sehen dementsprechend die Zukunftsperspektiven der Kinder aus: die Jungen möchten später Taxifahrer und die Mädchen Näherinnen werden. Als wir fragen, ob sie denn nicht später mal studieren möchten, antwortete ein junges Mädchen zum Beispiel: „Wir dürfen nicht studieren, da wir wie Geisteskranke behandelt werden.“

 

Es ging mir nicht mehr aus dem Kopf und es stimmte mich traurig, vor allem wenn ich daran denken musste, dass viele Jugendliche in Europa ihre Chancen nicht wahrnehmen. Würden sie auch weiterhin so ziellos bleiben, wenn sie die aussichtslose Lage der Kinder hier sehen könnten und merken, was ihnen entgeht? Während ich in diesen Gedanken vertieft war, kam ein 12-jähriges Mädchen, Telnişan, zu mir und fragte mich, ob ich ihrer Klasse ein Märchen vorlesen würde. Ich erschloss in kurzer Zeit das ein wenig andere aserbaidschanische Alphabet und las ihnen Stück für Stück auf aserbaidschanisch das Märchen vor. Bevor das eine zu Ende war, wollten sie schon das nächste hören, so las ich ihnen anderthalb Stunden lang aus dem Märchenbuch vor.

Hatte ihnen bis dahin keiner Geschichten vorgelesen? Telnişan sagte mir, dass sie zwar ihren Geschwistern vorlese, doch kein anderer Erwachsener hatte ihnen zuvor so geduldig Geschichten vorgelesen.

 

Zum Abschied schenkte sie mir ein Bild, auf das sie eine Moschee für alle Muslime in Europa gemalt hatte. Leider hatte ich kein Geschenk mehr für sie, so gab ich ihr meine Weste mir der IGMG-Aufschrift für die Opfertierkampagne. „Ich kann heute bestimmt nicht einschlafen“, gab sie ihrer Freude Ausdruck. Nach dem gefühlvollen Abschied sprach keiner der Helfer auf der Rückfahrt, so tief waren wir in unsere eigenen Gedanken versunken.

 

Neben unserer ersten Aufgabe der Überbringung der Opfertierspenden an die Bedürftigen machten wir uns zum eigentlichen Ziel auf, Arme und Kinder mit unserer Aufmerksamkeit ein wenig glücklich zu stimmen und mit dem Opfertierfleisch ihr kärgliches Mahl zu verschönern. In diesen acht Tagen, die wir während der Opfertierkampagne in Aserbaidschan verbrachten, machten wir viele unvergleichliche Erfahrungen. Doch mich berührten insbesondere die Erlebnisse in dem Waisenhaus und die Kinder. (ab)


Camia - Ausgabe 43

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