Donnerstag 31. Dezember 2009

Gemeinschaft, KurbanKampagne
IGMG in Darfur

Zum Opferfest reisten Gruppen im Auftrag der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs in die ärmeren Regionen der Welt, um die Spenden der Muslime Europas an die Bedürftigen zu überbringen. Murat Ileri, der im Auftrag der IGMG nach Darfur reiste, berichtete von seinen Erlebnissen.

Opferfest in Darfur

 

Eine Woche vor dem Opferfest machten wir uns im Auftrag von IGMG und IHH auf den Weg, um die Nachfahren von Bilal zu besuchen und das Fleisch von 3031 Opfertieren sowie verschiedene Geschenke an die Bedürftigen zu verteilen. Nach einer langen Reise kamen wir in Khartum, der Hauptstadt des Sudan an. Dort wurden wir von den Vertretern der jeweiligen Organisationen empfangen und zu unserem Hotel gebracht. Nachdem wir uns ausgeruht hatten, planten wir unseren zehntägigen Aufenthalt und  besprachen die Besonderheiten des Landes.

 

Am Tag des Opferfestes begaben mein Weggefährte Yusuf aus Köln und ich uns in die Stadt Niyala, die Hauptstadt Darfurs. Am nächsten Tag stieß auch Yunus Güngör von der Medienagentur „Renklam Medya“ zu uns.

 

Darfur grenzt an den Tschad an und ist in drei Regionen unterteilt. Der Großteil der dort lebenden Muslime sind Sunniten. Zudem ist Darfur dafür bekannt, dass dort die gläubigsten Menschen Sudans leben.               

 

Internationale Politik und Darfur

 

Der Völkermord in Ruanda im Jahre 1994, bei dem fast 1 Million Menschen starben, ging als eines der größten Völkermorde in die Geschichte ein. Angesichts der vielen Kriege, Massenmorde, vielerorts, kommt die Frage auf, wieso dem Völkermord in Ruanda weltweit größere Aufmerksamkeit zuteil wurde als den restlichen Krisengebieten.

 

Die Informationen und Erkenntnisse, die ich während meines Aufenthalts in Darfur gewann, ermöglichen eine differenzierte Sichtweise auf die Geschehnisse.

 

Die Tatsache, dass unmittelbar nach dem Friedensabkommen der Regierung mit den Familienclans im Süden, das nach einem 21 Jahre andauernden Krieg erfolgte, eine Krise in Darfur ausbrach, legt Nahe, dass das Interesse der internationalen Mächte an dem Erdöl und dem Uran im Land eine Rolle spielte. Darfur wird als Tor zu Mittel- und Nordafrika betrachtet. Es wird behauptet, es bestehe der Wunsch, Darfur vom Sudan zu trennen und das Land zu einem Handlanger der imperialen Mächte zu machen.

 

Kurzum, es besteht die Befürchtung, dass Darfur nach der Kolonisation nun erneut zum Spielball internationaler Interessen wird.

 

Doch die Gründe für die Darfur-Krise ausländischen Kräften zuzuschreiben ist eine klassische Vorgehensweise, mit der wir die tatsächlichen Hintergründe nicht ausfindig machen können.

 

Der Darfur-Krise liegen die Ausschreitungen zwischen Bauern und Hirten zugrunde, die sich wegen der Nutzungsvorrechte von Wasserquellen nicht einigen konnten. Unstimmigkeiten, die durch Dialog und Bruderschaftsrecht hätten gelöst werden können, entwickelten sich aufgrund diverser Interessen zu einer großen Krise, die nach und nach die ganze Region destabilisierte. Doch unabhängig von den Gründen ist ein Bürgerkrieg damit nicht recht zu fertigen. Unsere Bittgebete gelten den Flüchtlingen, die ein Leben unter den schlechtesten Bedingungen fristen und hoffen, dass sie sehr bald in ihre Dörfer und Häuser zurückkehren können, um ein friedliches Leben in Sicherheit führen zu können.

 

Am ersten Festtag verrichten wir zunächst das Opferfestgebet auf dem größten Platz der Stadt Niyala. Auch Frauen und Kinder nehmen an dem Gebet teil. Anschließend begeben wir uns in die Flüchtlingsviertel und schächten dort die ersten fünf Opfertiere, um sie an die örtliche Bevölkerung zu verteilen. Später besuchen wir Christen und Muslime, die aus dem Süden Sudans stammen. Denn 1983 zog erst Sultan Muhammed nach Niyala. Ihm folgten 474 Familien. Wir überbringen diesen Christen und Muslimen, die friedlich zusammen leben, die Grüße der Muslime Europas und schächten hier stellvertretend für sie 35 Opfertiere.

 

Ungläubige in Darfur

 

Während wir durch Nebenstraßen spazieren, laufen uns Kinder hinterher und rufen „Havace“. Von unserem Übersetzer erfahren wir, dass das Ungläubiger heißt. Als ich das erfahre, stimmt mich das traurig und bringt mich zum Nachdenken. Der Übersetzer fügt hinzu: „Leider brachte uns der Weiße Mann mit der Hilfe, die er uns brachte, auch Tränen, Waffen, Streit und Unruhe. Er verbreitete hier seinen Glauben, seine Ideologie und beraubte uns unserer Reichtümer. Früher verfügten wir zwar über kein Geld, kein Erdöl, keine Feldmaschinen, aber wir waren glücklich und lebten in Frieden. Als der Weiße Mann Afrika betrat, begann das Leid des Schwarzen Mannes. Daher trifft die Kinder, die euch Ungläubige nennen, keine Schuld. Denn sie halten euch für solche. Ihr müsst häufiger kommen, um euch hier bekannt zu machen. Ihr müsst euch noch mehr anstrengen.“

 

 

Wir besuchen auch das Waisenhaus der IHH e.V. in Nyala. In dem Waisenhaus leben 50 Waisen, die von der IHH versorgt werden. Neben dem Waisenhaus hilft die IHH zudem 100 Waisen und ihren Familien mit einer Spende von 25 Euro.

 

Ich frage die Waisenkinder, was sie mit dem Geld, das sie von uns bekommen, machen werden. Was ich von ihnen höre versetzt mich ins Staunen und wieder bin ich von dem ehrenhaften Charakter und der Güte dieses Volkes überzeugt. So wollen sie einen Teil des Geldes ihren Geschwistern und Müttern schicken, die bei ihren Verwandten leben, und nur einen kleinen Teil für sich behalten.  

 

Zum Opferfest reisten Gruppen im Auftrag der Islamische Gemeinschaft Milli Görüs in die ärmeren Regionen der Welt, um die Spenden der Muslime Europas an die Bedürftigen zu überbringen. Murat Ileri, der im Auftrag der IGMG nach Darfur reiste, berichtete von seinen Erlebnissen.

 

 

 

 

Für den zweiten Festtag ist ein Besuch in den Flüchtlingscamps vorgesehen, wo die Opfer des Bürgerkrieges leben. In dem Flüchtlingscamp Bileyl wohnen etwa 4032 Familien. Gemeinsam mit den Vertretern der Hilfsorganisation IHH e. V. verteilen wir die zuvor vorbereiteten Hilfspakete, Geschenke und das Fleisch der Opfertiere. Dabei bekommen wir die Gelegenheit, uns ein Bild von der Lebenssituation dieser Menschen zu machen. In einem 3 m² großen Zelt leben Witwen mit ihren 3-5 Kindern, kranke, unterernährte Babys und verzweifelte Väter. Sie danken uns und bieten uns trotz ihrer Armut trockene Datteln, Wasser oder Festtagssüßspeisen an.

 

Mitunter erfahren wir von dem Aufseher des Flüchtlingscamp, M. Adem, dass die Bedingungen im Winter sehr schlecht sind. Er fragt uns, ob wir gegebenenfalls mit Decken oder ähnlichem aushelfen können.


Camia Ausgabe 51

Perspektif Dezember 2014

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