Die nordrhein-westfälische Staatssekretärin für Integration, Zülfiye Kaykin (SPD), kritisierte im Interview mit der Westdeutschen Allgemeine Zeitung (WAZ) Pauschalisierungen in der Integrationsdebatte, die sie als „einseitig und zum Teil alarmistisch“ bezeichnet. Die Debatte, die seit Sarrazin über Integration geführt wird, habe „viel Positives zunichte gemacht. Da wurden Ängste vor Migranten geschürt, da wurde polarisiert“, sagte Kaykin.
Staatssekretärin für Integration beim Minister für Arbeit, Integration
und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (Foto: SPD NRW)
Die Staatssekretärin kritisierte in dem Interview auch die anhaltende Diskriminierung von Migranten beispielsweise auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt. „Fakt ist: Menschen mit Migrationshintergrund werden bei den Bewerbungen diskriminiert. Das belegen diverse Studien“, sagte Kaykin und sprach über die Chancen von anonymisierten Bewerbungen. Sie sollen ein erster Schritt zu mehr Chancengleichheit sein, sagte sie und kündigte die interkulturelle Öffnung der Landesverwaltung in Nordrhein-Westfalen an. Zudem forderte Kaykin in diesem Zusammenhang das kommunale Wahlrecht ab 16 für Nicht-EU-Bürger. „Wer kein Wähler ist, der ist für die Politik schnell uninteressant“, befürchtet Kaykin.
Nach Ansicht der Staatssekretärin ist die Reduzierung der Migranten auf ihre Religionszugehörigkeit ein weiteres Problem der Integrationsdebatte. Da würden unbescholtene Muslime mit Extremisten in einen Topf geworfen. Die dritte Generation spüre dies und reagiere mit Ablehnung, glaubt Kaykin. Gleichwohl warnt sie, dass gerade junge Menschen, die mit ihren Lebensumständen nicht zufrieden sind, empfänglich dafür sind.
Die dauernden Warnungen der Familienministerin Kristina Schröder (CDU) vor angeblich verbreiteter „Deutschenfeindlichkeit“ findet Kaykin hingegen für nicht begründet. „Es gibt keine Deutschenfeindlichkeit als eigenständiges Phänomen“, stellte sie im Gespräch mit der WAZ klar. „Es ist die allgemeine soziale Schieflage und die daraus resultierende Cliquenbildung, die zu Mobbing führt. Das ist keinesfalls eine Entschuldigung, aber eine Präzisierung. Dieses Verhalten dürfen wir natürlich nicht tolerieren. Aber wenn wir es ändern wollen, sollten wir es vernünftig analysieren und nicht vorschnell etikettieren“, forderte die SPD-Politikerin. (sa)
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