Dienstag 10. Mai 2011

Deutschland, KRM
Löhrmann: „Wir wollen einen modernen, schülerorientierten Islamischen Religionsunterricht“

„Wir werden den Islamischen Religionsunterricht Schritt für Schritt einführen“, erklärte die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann bei einer Tagung zur Zukunft des Islamischen Religionsunterrichts in Münster. Dieser soll modern und schülerorientiert gestaltet werden. Prof. Dr. Ursula Nelles, Rektorin der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) erklärte hierzu: „Es ist notwendig, daran zu arbeiten, dass sich so etwas wie ein europäisches Verständnis des Islam entwickelt.“ Das Fach soll zunächst an rund 130 Schulen beginnen, an denen bereits das Fach Islamkunde angeboten wird.

Unterzeichnung der Erklärung zum
Islamunterricht

Hier unterrichten etwa 80 Islamkundelehrkräfte. Darüber hinaus werden ca. 60 weitere Lehrerinnen und Lehrer in Nordrhein-Westfalen im Sommer 2011 einen Zertifikatskurs Islamkunde abschließen. Darauf aufbauend kann der Islamische Religionsunterricht schrittweise landesweit ausgeweitet werden.

 

„Wir werden nicht sofort hunderte oder gar tausende Lehrerstellen benötigen. Denn wir können heute noch gar nicht exakt sagen, wie viele der über 320.000 muslimischen Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen tatsächlich am Islamischen Religionsunterricht teilnehmen wollen. Die Eltern werden gegenüber der Schule erklären, ob ihr Kind am Unterricht teilnimmt“, betonte die Schulministerin.

 

Die Landesregierung und die Universität Münster streben gemeinsam an, islamische Religionslehrerinnen und Religionslehrer auszubilden, die dann ihren Dienst an den Schulen in Nordrhein-Westfalen aufnehmen. Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Professor für islamische Religionspädagogik hob auf der Tagung in Münster hervor: „Das im Februar 2011 erzielte Einvernehmen über die Einführung des bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts in NRW stellt einen Meilenstein in dieser Frage dar.“ Am 22. Februar hatten der Koordinationsrat der Muslime (KRM) und die nordrhein-westfälische Schulministerin eine Gemeinsame Erklärung zur Einführung eines Islamischen Religionsunterrichts unterzeichnet. „Seit Mitte der achtziger Jahre gibt es Bemühungen, einen bekenntnisorientierten Islamunterricht einzuführen. Mit der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung haben wir nach jahrelangen Gesprächen einen Durchbruch erzielt“, erklärte Schulministerin Löhrmann.

 

Beirat als Ansprechpartner

 

Die Erklärung sieht unter anderem vor, dass dem Land Nordrhein-Westfalen ein Beirat als Ansprechpartner für die Einführung des Islamischen Religionsunterrichts zur Seite steht. Er vertritt die religiösen Grundsätze der Muslime gegenüber dem Land. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Mitwirkung bei der Lehrplanentwicklung und die Bestätigung der Lehrkräfte für den Islamischen Religionsunterricht. Die Mitglieder des Beirats werden vom Schulministerium im Einvernehmen mit dem Koordinationsrat benannt. Alle Mitglieder sind muslimischen Glaubens.

 

Zur Einführung des Islamischen Religionsunterrichts und zur rechtlichen Absicherung des Beiratsmodells ist zunächst eine Änderung des Schulgesetzes notwendig. Ministerin Löhrmann: „Es wäre ein wichtiges Signal an die Muslime, wenn der Gesetzentwurf aus der Mitte des Parlaments käme. Damit wird die Einführung des Faches von einer breiten Mehrheit der Gesellschaft getragen.“ Sobald der Gesetzentwurf vorliegt, werde das Schulministerium eine Lehrplankommission einberufen.

 

„Religionsunterricht in den Moscheen wird nicht durch den schulischen ersetzt“

 

Mit der schrittweisen Einführung des islamischen Religionsunterrichts verbindet der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) die Hoffnung auf mehr gesellschaftliche Anerkennung. „Wir sind zuversichtlich, dass der Islam ganz selbstverständlich von der Politik und Gesellschaft als Religionsgemeinschaft angesehen wird“, sagte KRM-Sprecher Aiman Mazyek in Münster. Khorchide erklärte, der Religionsunterricht in den Moscheen solle nicht durch den schulischen ersetzt werden. Beide sollen nebeneinander existieren können. „Für uns ist es wichtig, Vertrauen zu den Verbänden zu bilden“, unterstrich Khorchide. (sa)


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