Mittwoch 03. August 2011

Islam, Glaubenspraxis, Ramadan
Traditionen im Ramadan – Sahûr und Iftâr

Zu den aufregensten Zeiten des Monats Ramadan gehören das Sahûr- und das Iftâr-Essen. Unser Prophet hat diese Aufregung selbst gelebt und sie auch seinen Gefährten (Pl. Ashâb) nahegelegt. Er riet der muslimischen Gemeinschaft (Umma) vom Fasten ohne Sahûr und Iftâr ab.

Eines der wichtigen Gepflogenheiten beim Iftâr ist, vor dem Essen Allah zu danken und ein Bitt-gebet (Duâ) zu sprechen. Der Gesandte Gottes sagte, dass die Bittgebete des Muslims während dem Iftâr angenommen werden, da er seine Bedürfnisse und Wünsche, die an sich nicht verboten sind, während des Fastens, um Allahs Willen hinten anstellt. Unser Prophet empfahl den Muslimen vor dem Iftâr zu beten: Das Bittgebet des Fastenden während dem Iftâr wird nicht abgewiesen.“ (Ibni Mâd­scha, Siyâm, 48) Je nach Situation verlängerte er das Iftâr-Bittgebet oder verkürzte manchmal auf „Bismillâh! Alhamdulillâh“ (Im Namen Allahs! Dank sei Allah!). Ein weiteres seiner Bittgebete lau­tete: Allahumme laka sumnâ wa alâ rizkika aftarnâ. Fa takabbal minnâ. Innaka antas samîul alîm.“ („O Allah! Wir haben für Dich gefastet und haben mit den Gaben, die Du uns gegeben hast, unser Fasten beendet. Nehme dieses Fasten und dieses Bittgebet von uns an! Denn Du bist es, der alles hört und weiß!”). (Abû Dâwûd, Sawm, 22)

 

Muhammad (saw) hat im Gegensatz zu den heutigen Muslimen sein Fasten gleich zu Beginn des Iftârs gebrochen und den Sahûr soweit es geht herausgezögert. Er sagte: Mein Umma wird im Guten bleiben, solange sie den Sahûr bis zum Endzeitpunkt herauszögert und sich beim Iftâr beeilt.Dies wurde somit zu einer Regel für die Muslime. Bei einer bekannten Überlieferung wird dies fol­gendermaßen erläutert: Der Prophet hatte zwei Gebetsrufer (Sing. Muazzin). Bilâl (ra) und Abdullâh bin Ummu Maktûm. Bilâl (ra) rief den Gebetsruf (Azan) kurz vor der Morgenröte, aber Abdullâh bin Ummu Maktûm rief ihn genau während dem Morgengrauen. Der Gesandte Gottes sagte diesbe­züglich: Bilâl ruft den Azan, wenn es Nacht ist. Esst und trinkt - bis Abdullâh den Azan ruft.

 

Unser Prophet riet den Muslimen zum Iftâr und ebenso zum Sahûr. Er sagte Steht zum Sahûr auf und esst (etwas). Denn wahrlich, beim Sahûr gibt es eine Bereicherung für euch(Nasâî, Siyâm, 18, 19) und wies auf den Segen (Baraka) des Sahûrs hin. Also ist es nicht richtig zu denken, dass man nicht zum Sahûr aufzustehen braucht, weil das Fasten ohnehin daraus bestehe, am Tag nichts zu essen und zu trinken. Der Rat, zum Sahûr aufzustehen, zielt auch darauf ab, die Geschöpfe Allahs vor den natürlichen Folgen von Hunger und Durst zu schützen. Gottesfurcht (Takwâ) bedeutet nicht, zu fasten, weil es so befohlen wurde, sondern der Sunna des Propheten zu folgen und sich in Dank­barkeit (Schukr) für alle Gaben an den Schöpfer zu wenden.

 

Ohnehin geht es beim Fasten nicht darum, den Gläubigen vom Essen und Trinken abzuhalten. Viel­mehr ist es Sinn des Fastens, dass der Fastende sich und seine Triebseele (Nafs) unter Kontrolle zu halten lernt. Zum Beispiel hat unser Prophet gelehrt, dass das Fasten keinen Wert hat, solange man Lug und Betrug nicht unterlässt: Für Allah hat es keine Bedeutung, dass jemand, der das Lügen und den Betrug nicht unterlässt, sich des Essens und Trinkens enthält.(Buchârî, Sawm, 8) Der wahre Sinn des Fastens liegt also in der Kontrolle der Triebseele. Der erste Schritt hierfür ist, wenn es auch schwer zu sein scheint, um Allahs Willen zum Sahûr aufzustehen.

 

Eine der Gepflogenheiten des Iftâr ist die Gastfreundschaft. „Und dient Allah und gesellt ihm nichts bei. Und zu den Eltern sollt ihr gütig sein und zu den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem ver­wandten Nachbarn, dem fremden Nachbarn, dem Gefährten zur Seite, dem Sohn des Weges und denen, die eure rechte Hand besitzt. Allah liebt nicht, wer eingebildet und prahlerisch ist.“ (Sure Nisâ, [4:36]). Die Güte, auf die in diesem Vers hingewiesen wird, gilt sich auch für den Iftâr. Deswegen lud unser Prophet selbst die Armen seiner Gemeinschaft, seine Verwandten und Gefährten zum Iftâr ein und nahm auch Einladungen an. Er riet den wohlhabenden unter seinen Gefährten, sich jeden Tag um die Ärmsten in der Gemeinschaft, nämlich die Ashab-i Suffa, zu kümmern. Er sagte in einem Hadith: „Wer an Allah und an den Tag der Abrechnung glaubt, soll seinen Nachbarn nicht stören. Wer an Allah und an den Tag der Abrechnung glaubt, soll seinen Gast bewirten. Wer an Allah und an den Tag der Abrechnung glaubt, soll entweder Nützliches sagen oder schweigen!“ (Buchârî, Adab, 29­31) Er zählte die gute Nachbarschaft, Gastfreundschaft und das sinnvolle Gespräch zusammen mit dem Glauben (Îmân) an Allah auf. Der Gesandte Allahs wies darauf hin, dass die vollkommene Kon­trolle des Egos nur auf diese Weise möglich ist. In einem anderen Hadith sagte er: „Ein Muslim, der einen Muslim bewirtet, bekommt die gleiche Belohnung wie die des Fastenden, wobei die Beloh­nung des Fastenden gleich bleibt”, womit er auf die Belohnung der Freundlichkeit gegenüber Gäs­ten, Freunden und Verwandten aufmerksam macht.

 

Die Bewirtung von Gästen beim Iftâr, welche sogar von nicht zum Fasten verpflichteten Kindern herbeigesehnt wird, fördert den Zusammenhalt und die Geschwisterlichkeit. Eine weitere Eigen­schaft des gemeinsamen Iftârs um Allahs Willen ist die Möglichkeit, gemeinsam seine Dankbarkeit auszudrücken. Dies ist die Absicht, wenn die Muslime das Essen „Bismillâh“ sagend beginnen und es mit „Alhamdulillâh“ beenden. Deswegen gehören gegenseitige Einladungen zum Iftâr. Die Orga­nisation und Finanzierung von Iftâr-Essen in den Moscheen, speziell für jene, die keine Möglichkeit zum richtigen Essen haben, eine schöne Tradition im Ramadan dar.

 

Da das Fasten eine Möglichkeit ist, sein Ego zu zügeln, sollte man während dem Sahûr und Iftâr nicht übermäßig essen und somit verschwenderisch sein. Besonders an warmen Tagen entsteht das Verlangen nach mehr Nahrungsaufnahme. Das kann sogar so weit gehen, dass man glaubt, gar nicht mehr satt zu werden. Wenn man aber mehr als gewöhnlich zu sich nimmt, verfällt man dem Ver­langen der Triebseele, die immer mehr fordert. Das führt zu einem unnötigen Hungergefühl und zu mehr Zeitaufwand für die Essensvorbereitungen. Aufgrund dessen ist die Vorbereitung von zu viel Essen, das nicht benötigt wird, eine Verschwendung. Das ist auch so, wenn man meint, das Essen am nächsten Tag zu servieren. Denn heutzutage ist es nicht üblich, übriggebliebenes Essen aufzu­bewahren. Dies ist Verschwendung und widerspricht dem Sinn des Fastens, das darauf abzielt, sich von Sünden zu entfernen.

 

Übersetzung: Feyzanur Soysal


Camia Ausgabe 47

Perspektif September-Oktober 2014

Sabah Ülkesi Juli 2014

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