Glauben

Der Islam ist die jüngste der drei großen monotheistischen Weltreligionen. Sein Fundament ist der Glaube an den einen Gott und an die Prophetenschaft Muhammads (s). Das Wort „Islam“ bedeutet Hingabe an Gott – und trägt die Bedeutung von Frieden und Heil in sich.

Die sechs Glaubensgrundsätze

Was ein Muslim glaubt, wird in sechs Grundsätzen zusammengefasst (arab. Akida, von „fest verknüpfen“ – ein Glaube ohne Zweifel):

1Allahder eine, barmherzige und gerechte Schöpfer
2Die Engelunsichtbare Geschöpfe Gottes, z. B. Gabriel
3Die SchriftenThora, Psalmen, Evangelium und Koran
4Die Prophetenvon Adam bis Muhammad (s)
5Der Jüngste TagLeben nach dem Tod und Rechenschaft
6Die VorherbestimmungGottes Wissen und die Verantwortung des Menschen
Steinrelief mit arabischer Kalligrafie

Allah – der Eine, der Barmherzige

„Allah“ ist das arabische Wort für Gott; auch arabischsprachige Christen und Juden verwenden es. Grundlage aller Glaubensinhalte ist der Tawhid: Gott allein ist Schöpfer und Erhalter allen Seins, ihm wird nichts und niemand zur Seite gestellt. Zwischen Gott und Mensch braucht es keinen Vermittler – jeder kann sich unmittelbar an ihn wenden.

هُوَ اللَّهُ الَّذِي لَا إِلَٰهَ إِلَّا هُوَ عَالِمُ الْغَيْبِ وَالشَّهَادَةِ هُوَ الرَّحْمَٰنُ الرَّحِيمُ

Er ist Allah, außer dem es keinen Gott gibt, der das Verborgene und das Offenbare kennt. Er ist der Allerbarmer, der Barmherzige.

Sure 59, Vers 22

Gottes Eigenschaften kommen in den „99 schönsten Namen“ zum Ausdruck. Am häufigsten nennt der Koran ihn ar-Rahman (der Allerbarmer) und ar-Rahim (der Barmherzige). Das islamische Gottesbild ist vor allem von dieser Barmherzigkeit geprägt: Der Mensch soll an Gottes Vergebung nie verzweifeln (vgl. 39:53).

Allah ist zu Seinen Geschöpfen barmherziger als eine Mutter zu ihrem Kind.

Hadith · Buhari, Muslim

Die Propheten

Seit Beginn der Menschheit hat Gott Propheten gesandt – Menschen von vorbildlichem Charakter, die seine Botschaft zuerst selbst verinnerlichten und dann weitergaben. Der Koran nennt mehr als zwanzig von ihnen namentlich, darunter Adam, Noah, Abraham, Moses, David und Jesus (a). Ihre Botschaft war im Kern stets dieselbe: der Glaube an den einen Gott, an das Jenseits, an Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.

Grüne Kuppel der Prophetenmoschee in Medina

Muhammad (s) – der Gesandte Gottes

571Geburt in Mekka
610erste Offenbarung in der Höhle Hira
622Hidschra nach Medina
632Tod in Medina

Früh verwaist, wuchs Muhammad (s) bei seinem Großvater und später bei seinem Onkel auf. Schon in jungen Jahren galt er als aufrichtig und vertrauenswürdig (al-Amin). Mit der Hidschra 622 beginnt die islamische Zeitrechnung; sein Grab liegt in der Prophetenmoschee in Medina.

Muhammad (s) lebte in einer Zeit von Vielgötterei, Stammesfehden und Ausbeutung der Schwachen. Er trat für Waisen, Frauen, Sklaven und Schuldner ein, gegen Zinswucher und Ungerechtigkeit. Für Muslime ist er das „Siegel der Propheten“ und ein Vorbild in allen Lebensbereichen.

Sunna und Hadith – die zweite Quelle

Neben dem Koran sind die Überlieferungen (Hadithe) über Worte und Taten des Propheten die zweite Quelle des Islams. Zusammen bilden sie seine Sunna, seine beispielhafte Lebensweise. Ab dem 8. Jahrhundert entstand eine eigene Wissenschaft zur Prüfung der Überlieferungen. Als besonders zuverlässig gelten die „Sechs Bücher“ (Kutub as-Sitta) von Buhari, Muslim, Tirmizi, Abu Dawud, Nasai und Ibn Madscha. Die älteste Prophetenbiografie (Sira) verfasste Ibn Ishak im 8. Jahrhundert.

Das Jenseits

Für Muslime ist der Tod kein Ende, sondern ein Übergang in ein ewiges Leben. Jeder Mensch wird für sein Handeln Rechenschaft ablegen – auch für Unrecht, das im Diesseits verborgen blieb. Spätestens im Jenseits wird Gerechtigkeit hergestellt. Diese Gewissheit prägt den Umgang mit dem Tod und damit auch mit dem Leben.

فَمَن يَعْمَلْ مِثْقَالَ ذَرَّةٍ خَيْرًا يَرَهُ ﴿٧﴾ وَمَن يَعْمَلْ مِثْقَالَ ذَرَّةٍ شَرًّا يَرَهُ ﴿٨﴾

Wer auch nur das Gewicht eines Stäubchens an Gutem tut, wird es sehen. Und wer auch nur das Gewicht eines Stäubchens an Bösem tut, wird es sehen.

Sure 99, Verse 7–8

Hände halten eine junge Pflanze

Glaube und Handeln

Ein Glaube ohne Taten ist wie ein Baum ohne Früchte. Werte wie Geduld, Großzügigkeit, Hilfsbereitschaft, Bescheidenheit und Barmherzigkeit gegenüber Mensch und Tier sollen das Leben prägen. Ein Muslim bemüht sich, gottesbewusst zu leben, Verantwortung zu übernehmen und seinen Mitmenschen nützlich zu sein. Dieses umfassende Bemühen um das Gute heißt im Arabischen Dschihad.

Der Beste unter den Menschen ist, wer den Menschen am meisten nützt.

Hadith · al-Dschami‘ as-Saghir

Alle Muslime weltweit bilden eine Gemeinschaft, die Umma – verbunden durch denselben Glauben und die gegenseitige Verantwortung füreinander.

Wichtige Begriffe

  • Tawhid – Einheit und Einzigkeit Gottes
  • Schahada – Glaubensbekenntnis: Es gibt keinen Gott außer Allah, und Muhammad ist sein Gesandter
  • Sunna – die Lebenspraxis des Propheten
  • Hadith – einzelne Überlieferung über Worte oder Taten des Propheten
  • Umma – die weltweite Gemeinschaft der Muslime
  • Ahlak – Charakter, Moral, gutes Benehmen