Koran

Für Muslime ist der Koran das Wort Gottes: seine letzte, abschließende Botschaft an alle Menschen. Er ist Grundlage des Glaubens, Wegweiser im Alltag und das am häufigsten auswendig gelernte Buch der Welt.

Was ist der Koran?

Das Wort „Koran“ bedeutet „Lesung“ oder „Vortrag“. Muslime glauben, dass Gott sich mit dem Koran in seiner Barmherzigkeit unmittelbar an die Menschen wendet – unabhängig von Herkunft, Sprache, Geschlecht oder Alter.

Der Koran steht in einer Reihe mit früheren Offenbarungsschriften: der Thora (an Moses), den Psalmen (an David) und dem Evangelium (an Jesus). Er bestätigt deren Kern – den Glauben an den einen Gott, an das Jenseits und an ein gerechtes Leben – und schließt die Reihe der Offenbarungen ab.

Arabische Kalligrafie aus dem Koran

Wie ist der Koran entstanden?

Der Prophet Muhammad (s) wurde 571 n. Chr. in Mekka geboren. Mit 40 Jahren, im Jahr 610, zog er sich wie so oft zur Besinnung in die Höhle Hira bei Mekka zurück. In einer Nacht des Monats Ramadan – der Kadr-Nacht – überbrachte ihm der Engel Gabriel (a) die ersten Verse. Sie beginnen mit der Aufforderung „Lies!“ bzw. „Trag vor!“ (Sure 96).

اقْرَأْ بِاسْمِ رَبِّكَ الَّذِي خَلَقَ

Lies im Namen deines Herrn, der erschaffen hat.

Sure 96, Vers 1 · die ersten offenbarten Worte

Über rund 23 Jahre wurden ihm weitere Verse offenbart. Seine Gefährten lernten sie auswendig und schrieben sie auf. Nach seinem Tod im Jahr 632 wurden alle Verse zu einem Buch zusammengetragen, dem Mushaf. Unter den ersten Kalifen wurde das Schriftbild vereinheitlicht – so, wie der Koran bis heute überliefert ist.

Neben der schriftlichen Überlieferung lebt bis heute die Tradition des Auswendiglernens. Wer den ganzen Koran auswendig kann, wird Hafiz genannt. Rezitiert wird nach festen Leseregeln, dem Tadschwid.

Aufbau

  • 114 Suren (Kapitel) unterschiedlicher Länge
  • über 6.000 Verse (Ayat)
  • Versangaben im Format „Sure:Vers“, z. B. 2:185
  • Fast jede Sure beginnt mit der Basmala: „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“
  • Die erste Sure, al-Fatiha („Die Eröffnende“), wird in jedem Gebet rezitiert
114Suren
6.000+Verse
23Jahre Offenbarung
Verzierter Koran-Einband mit Gebetskette

Was steht im Koran?

Der Koran ist kein reines Gesetzbuch – nur ein kleiner Teil enthält konkrete Vorschriften. Im Mittelpunkt stehen:

  • Tawhid – der Glaube an den einen und einzigen Gott, dem nichts und niemand beigesellt wird
  • Die Schöpfung – und die besondere Würde des Menschen als vernunftbegabtes Geschöpf
  • Das Jenseits – das Leben nach dem Tod und die Verantwortung für das eigene Handeln
  • Ethik – Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Güte gegenüber Eltern, Waisen und Bedürftigen
  • Erzählungen – über frühere Völker und Propheten wie Adam, Noah, Abraham, Moses, Jona, David und Jesus (a)

قُلْ هُوَ اللَّهُ أَحَدٌ ﴿١﴾ اللَّهُ الصَّمَدُ ﴿٢﴾

Sprich: Er ist Allah, der Eine. Allah, der Ewige, auf den alles angewiesen ist.

Sure 112, Verse 1–2 · Sure al-Ichlas

Der Koran spricht in klarer Sprache wie in dichterischer Prosa, in Gleichnissen, Ermahnungen und Verheißungen. Immer wieder ruft er dazu auf, den Verstand zu gebrauchen und das eigene Leben kritisch zu prüfen (vgl. 13:11).

Der Koran im Leben des Propheten (s)

571Geburt in Mekka
610erste Offenbarung
622Hidschra nach Medina
632Offenbarung abgeschlossen
Hände halten einen aufgeschlagenen Koran

Was bedeutet der Koran für uns heute?

Für Muslime ist der Koran ein lebenslanger Begleiter. Er spendet Trost, macht Mut, beantwortet existenzielle Fragen und gibt Anstöße, das eigene Handeln zu überdenken. Wer den Koran liest, tritt in ein Gespräch mit Gott.

Der Beste unter euch ist, wer den Koran lernt und ihn anderen lehrt.

Hadith · Buhari

Ob Muslim oder Nichtmuslim: Niemand sollte sich entmutigen lassen, wenn sich nicht alles sofort erschließt. Der Koran hält für jeden Leser etwas bereit – entscheidend ist, ihm offen zu begegnen.

Wichtige Begriffe

  • Sure / Aya – Kapitel / Vers des Korans
  • Mushaf – die schriftliche Fassung des Korans als Buch
  • Tadschwid – Regeln für die korrekte Rezitation
  • Hafiz – jemand, der den gesamten Koran auswendig kann
  • Wahy – Offenbarung, Herabsendung
  • (s) / (a) – Segenswünsche bei der Nennung des Propheten Muhammad bzw. anderer Propheten