Ramadan

Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders und für Muslime die segensreichste Zeit des Jahres. Seine besondere Bedeutung erhält er durch die Offenbarung des Korans – deshalb heißt er auch „Monat des Korans“.

9.Monat des Mondkalenders
29–30Fastentage
3Tage Ramadanfest
Aufgeschlagener Koran neben einer Öllampe

Was geschah im Ramadan?

Im Jahr 610 zog sich Muhammad (s) wie gewohnt zur Besinnung in die Höhle Hira bei Mekka zurück. In einer Nacht des Ramadans erschien ihm dort der Engel Gabriel (a) und überbrachte die ersten Verse des Korans (Sure 96). Diese Nacht ist die Kadr-Nacht, die „Nacht der Bestimmung“. Ihr ist eine eigene Sure gewidmet (Sure 97), die sie als „besser als tausend Monate“ beschreibt.

شَهْرُ رَمَضَانَ الَّذِي أُنزِلَ فِيهِ الْقُرْآنُ هُدًى لِّلنَّاسِ

Der Monat Ramadan ist es, in dem der Koran herabgesandt wurde – als Rechtleitung für die Menschen.

Sure 2, Vers 185

Warum fasten Muslime?

Das Fasten im Ramadan ist eine der Fünf Säulen des Islams und im Koran ausdrücklich vorgeschrieben (vgl. 2:183–185). Von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang verzichten Fastende auf Essen, Trinken und andere weltliche Genüsse.

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا كُتِبَ عَلَيْكُمُ الصِّيَامُ كَمَا كُتِبَ عَلَى الَّذِينَ مِن قَبْلِكُمْ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُونَ

Ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, wie es denen vor euch vorgeschrieben war – damit ihr gottesbewusst werdet.

Sure 2, Vers 183

Doch Fasten bedeutet mehr als Verzicht. Wer fastet, soll auch Streit, böse Worte, Lügen und schlechte Gewohnheiten ablegen. Der Prophet (s) machte deutlich, dass ein Fasten ohne diese innere Haltung seinen Sinn verfehlt. Erst beides zusammen macht das Fasten zu einer körperlichen und seelischen Reinigung.

Wer muss nicht fasten?

Gott will es den Menschen leicht machen, nicht schwer (vgl. 2:185). Vom Fasten befreit sind u. a. Kinder, Kranke, ältere und geschwächte Menschen, Schwangere, Stillende und Reisende. Wer es kann, holt versäumte Tage später nach oder leistet einen Ausgleich, etwa durch die Speisung Bedürftiger.

Der Tagesablauf im Ramadan

SahurMahlzeit vor der Morgendämmerung
Fastenbewusst durch den Tag
IftarFastenbrechen bei Sonnenuntergang
TarawihAbendgebet in der Moschee

Die Bedeutung für den Einzelnen

Im Alltag verliert man leicht aus dem Blick, worum es im Leben eigentlich geht. Der Ramadan schärft das „innere Auge“ für das Wesentliche: durch bewusst verrichtete Gottesdienste, intensive Beschäftigung mit dem Koran und die Disziplinierung des eigenen Ichs. Viele erleben, wie viel sie besitzen – und dass ein großer Teil der Menschheit diesen Überfluss nicht kennt. Der Ramadan ist eine Gelegenheit, die Beziehung zu Gott zu erneuern und gute Vorsätze zu fassen, die über den Monat hinaus tragen.

Wer im Ramadan aus Glauben und in der Hoffnung auf Allahs Lohn fastet, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben.

Hadith · Buhari

Die Bedeutung für die Gemeinschaft

Schale mit Datteln zum Fastenbrechen

Die Gemeinschaft ist ein wesentlicher Teil des Ramadans, und ihr Zentrum ist die Moschee:

  • Mukabala – tägliches gemeinsames Koranlesen. Die Tradition geht darauf zurück, dass Gabriel (a) jeden Ramadan mit dem Propheten (s) den bis dahin offenbarten Koran rezitierte.
  • Gemeinsames Fastenbrechen – wer einen Fastenden zum Iftar einlädt, erhält nach einem Prophetenwort den gleichen Lohn wie dieser. Besonders wertvoll ist es, Bedürftige und Alleinstehende einzuladen.
  • Offene Iftar-Abende – viele Gemeinden laden Nachbarn, Freunde und alle Interessierten zum Fastenbrechen ein, unabhängig von Religion und Herkunft. Fragen Sie gern in einer Moschee in Ihrer Nähe nach.
  • Hilfe für andere – Spenden, Besuche bei Kranken und Einsamen, Unterstützung von Hilfsprojekten weltweit.

Wer einen Fastenden zum Fastenbrechen einlädt, erhält denselben Lohn wie dieser – ohne dass dessen Lohn sich verringert.

Hadith · Tirmizi

Zakat und Fitra

Viele Muslime entrichten ihre jährliche Zakat im Ramadan. Zusätzlich gibt jeder Muslim vor dem Festgebet die Fitra, eine kleine Abgabe pro Person, damit auch Bedürftige das Fest feiern können.

Die letzten zehn Tage

Die letzten zehn Tage gelten als die segensreichsten. Dem Vorbild des Propheten (s) folgend ziehen sich manche Gläubige in dieser Zeit ganz in die Moschee zurück (I‘tikaf), um sich ausschließlich Gebet, Koranrezitation und Besinnung zu widmen.

In einer der ungeraden Nächte dieser Tage liegt die Kadr-Nacht. Ihr genaues Datum ist nicht festgelegt; traditionell versammelt sich die Gemeinde vor allem in der 27. Nacht in der Moschee. Gottesdienste in dieser Nacht gelten als besonders verdienstvoll.

Die 30 Nächte des Ramadans

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letzte zehn Nächte27. Nacht – traditionell Kadr-Nacht

لَيْلَةُ الْقَدْرِ خَيْرٌ مِّنْ أَلْفِ شَهْرٍ

Die Nacht der Bestimmung ist besser als tausend Monate.

Sure 97, Vers 3

Das Ramadanfest

Bunte orientalische Lampen

Mit dem 1. Schawwal beginnt das dreitägige Ramadanfest (türk. Ramazan Bayramı, arab. Id al-Fitr). Es beginnt morgens mit dem gemeinsamen Festgebet in der Moschee. Danach gratuliert man einander, besucht Familie und Freunde, beschenkt die Kinder und kümmert sich besonders um die Älteren. Das Fest ist Ausdruck der Dankbarkeit – und für viele auch mit etwas Wehmut verbunden, weil der Ramadan nun vorüber ist.

Wichtige Begriffe

  • Sawm / Siyam – Fasten; wörtlich „sich enthalten, zügeln“
  • Sahur – Mahlzeit vor der Morgendämmerung
  • Iftar – Fastenbrechen nach Sonnenuntergang
  • Tarawih – besonderes Gemeinschaftsgebet an Ramadan-Abenden
  • Mukabala – gemeinsame Koranlesung im Ramadan
  • I‘tikaf – Rückzug in die Moschee in den letzten zehn Tagen
  • Kadr-Nacht – Nacht der Bestimmung, Beginn der Koranoffenbarung
  • Fitra – Abgabe pro Person vor dem Ramadanfest