Praxis

Der Islam ist eine gelebte Religion. Der Glaube zeigt sich im täglichen Gebet, im Fasten, im Teilen mit Bedürftigen und im Miteinander der Gemeinde. Die zentralen Gottesdienste werden als die „Fünf Säulen“ bezeichnet – sie tragen den Glauben wie Säulen ein Haus.

Die Fünf Säulen

1SchahadaGlaubensbekenntnis
2SalahGebet
3ZakatSozialabgabe
4SawmFasten im Ramadan
5HadschPilgerfahrt

Schahada – das Bekenntnis „Es gibt keinen Gott außer Allah, und Muhammad ist sein Diener und Gesandter“. Salah – das Gebet fünfmal täglich. Zakat – ein kleiner Teil des Vermögens jährlich für Bedürftige; sie „reinigt“ das Vermögen. Sawm – das Fasten im Ramadan (mehr zum Ramadan). Hadsch – die Pilgerfahrt nach Mekka, einmal im Leben für alle, die dazu in der Lage sind (mehr zur Pilgerfahrt).

Der Islam ist auf fünf Säulen errichtet.

Hadith · Buhari, Muslim

Zum Bittgebet erhobene Hände mit Gebetskette

Das Gebet

Das Gebet ist die wichtigste Form der Anbetung. Es ist ein Zeichen der Ergebenheit – und eine Gelegenheit, im Alltag für einige Minuten innezuhalten, sich des eigenen Daseins bewusst zu werden und Kraft zu schöpfen. Nicht Gott braucht das Gebet, sondern der Mensch.

إِنَّ الصَّلَاةَ تَنْهَىٰ عَنِ الْفَحْشَاءِ وَالْمُنكَرِ

Das Gebet hält ab von Schändlichem und Verwerflichem.

Sure 29, Vers 45

Die fünf täglichen Gebete

FadschrMorgen­dämmerung
ZuhrMittag
AsrNachmittag
MaghribSonnen­untergang
IschaNacht

Vor dem Gebet wird die rituelle Waschung (Wudu) vorgenommen. Alle Muslime weltweit beten in dieselbe Richtung (Kibla): zur Kaaba in Mekka. Jedes Gebet besteht aus zwei bis vier Einheiten (Rak‘a) mit Stehen, Verbeugen, Niederwerfen und Sitzen, begleitet von Koranrezitation und Lobpreisungen.

Weitere Gebete

  • Freitagsgebet – wöchentlich in der Moschee, mit Predigt (Hutba)
  • Festtagsgebete – am Ramadanfest und am Kurbanfest
  • Tarawih-Gebet – allabendlich im Ramadan
  • Totengebet – gemeinschaftlich vor der Beisetzung eines Verstorbenen

Vom Pflichtgebet zu unterscheiden ist das Bittgebet (Dua): Es ist an keine Zeit, Form oder Sprache gebunden und kann jederzeit gesprochen werden.

Gebetshalle einer Moschee mit verzierten Bögen

Die Moschee

„Moschee“ kommt vom arabischen Masdschid – „Ort der Niederwerfung“. Die erste Gebetsstätte ist nach islamischem Verständnis die Kaaba in Mekka. Vorbild für alle späteren Moscheen wurde die Prophetenmoschee in Medina, an deren Bau Muhammad (s) selbst mitwirkte.

Die meisten Moscheen in Deutschland entstanden ab den 1970er Jahren in umgebauten Wohnungen, Lager- oder Fabrikhallen. Erst in jüngerer Zeit kommen vermehrt repräsentative Neubauten mit Kuppel und Minarett hinzu.

Was man in einer Moschee findet

  • Mihrab – Gebetsnische in Richtung Mekka; hier steht der Imam beim Gemeinschaftsgebet
  • Minbar – Kanzel mit Stufen, von der die Freitags- und Festtagspredigt gehalten wird
  • Kürsü – erhöhter Sitz des Imams für Vorträge außerhalb der Freitagspredigt
  • Waschraum – für die rituelle Waschung vor dem Gebet
  • Teppich – der Gebetsraum wird ohne Schuhe betreten
  • Kalligrafie – statt Bildern schmücken Koranverse und die Namen Allahs und Muhammads die Wände
  • Minarett – Turm, von dem traditionell zum Gebet gerufen wird (Ezan)

Die Moschee ist mehr als ein Gebetsraum: Hier finden Koran- und Religionsunterricht, Jugend- und Frauenarbeit, Nachhilfe, Beratung und soziale Hilfe statt. Der Imam leitet die Gebete, unterrichtet und begleitet die Gemeinde als Seelsorger – auch in Krisen und Trauerfällen. Am Tag der offenen Moschee (3. Oktober) und bei Führungen sind alle Interessierten herzlich willkommen.

Orientalische Lampen mit Lichtmuster

Feste und besondere Tage

Der islamische Kalender richtet sich nach dem Mond. Daher verschieben sich alle Feste jedes Jahr um etwa 10–11 Tage gegenüber dem Sonnenkalender.

Die zwei Festtage

  • Kurbanfest (Opferfest, türk. Kurban Bayramı, arab. Id al-Adha) – das höchste Fest, vier Tage ab dem 10. Zulhidscha, zum Abschluss der Pilgerfahrt. Es erinnert an die Gottergebenheit Abrahams (a) und seines Sohnes Ismael (a). Wer kann, lässt ein Opfertier schlachten und teilt das Fleisch mit Bedürftigen.
  • Ramadanfest (türk. Ramazan Bayramı, arab. Id al-Fitr) – drei Tage zum Ende des Fastenmonats. Nach dem Festgebet besucht man Familie und Freunde, beschenkt die Kinder und ehrt die Älteren.

Das Erste, womit wir an diesem Tag beginnen, ist das Gebet.

Hadith · Buhari

Gesegnete Nächte (türk. Kandil)

In diesen Nächten versammeln sich Muslime abends in der Moschee zu Gebet, Koranlesung und Gottesgedenken (Zikr). Sie liegen in den „Drei Monaten“ Radschab, Schaban und Ramadan:

  • Regaib-Nacht – erste Nacht zum Freitag im Radschab; Beginn der Drei Monate
  • Miradsch-Nacht – 27. Radschab; Nachtreise des Propheten nach Jerusalem und Himmelfahrt
  • Berat-Nacht – 15. Schaban; Nacht der Vergebung und Besinnung
  • Kadr-Nacht – in den letzten zehn Nächten des Ramadans, traditionell die 27.; Beginn der Koranoffenbarung

Gedenktage

  • Mawlid an-Nabi – Geburt des Propheten (12. Rabi al-awwal), gefeiert mit Vorträgen, Rezitationen und Lobliedern
  • Hidschra – islamisches Neujahr, Erinnerung an die Auswanderung nach Medina 622
  • Aschura – 10. Muharram; Fastentag in Erinnerung an Noah und Moses (a) sowie Gedenken an Husayn (r). Traditionell wird die Aschura-Süßspeise gekocht und mit Nachbarn geteilt.

Die aktuellen Termine finden Sie im Gebetskalender der IGMG.