Pressemitteilung

22 Jahre Mölln: Eine gemeinsame Verantwortung

21. November 2014

„Die Verbrechen in Mölln, Solingen oder Rostock-Lichtenhagen sind Angriffe auf unsere Gesamtgesellschaft und unsere freiheitlich demokratische Grundordnung“, so Mustafa Yeneroğlu, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş, anlässlich des 22. Jahrestages der rechtsextremistisch motivierten Brandanschläge in Mölln, bei denen am 23. November 1992 neun Menschen verletzt und drei getötet wurden. Yeneroğlu weiter:

„Die Erinnerung an die grausamen Brandanschläge in Mölln sind nach wie vor gegenwärtig. Neonazis töteten zwei junge Mädchen sowie ihre Großmutter, neun weitere Personen wurden verletzt. Diese Anschläge werden in einem Atemzug genannt mit den Brandanschlägen in Solingen oder dem Pogrom in Rostock-Lichtenhagen. Seit 2011 gehört zweifelsohne der NSU Skandal dazu.

Alle diese Verbrechen haben eins gemeinsam: Sie richteten sich gegen vermeintlich Fremde und damit gegen unsere freiheitlich demokratische Grundordnung, ein Angriff auf unsere Gesamtgesellschaft. Insofern ist niemand frei von der Verantwortung – auch und insbesondere die Politik nicht. Sie gestalten und lenken öffentliche Debatten wie niemand sonst und können den geistigen Unterbau für solche Verbrechen pflanzen oder eben im Keim ersticken.

In diesem Lichte sind politische Debatten über sogenannte Armutszuwanderer oder über nützliche Fachkräfte und weniger nützliche Flüchtlinge zu betrachten. Was wir teilweise zu hören und zu lesen bekommen, gibt Anlass zur Sorge, ganz zu schweigen von dem immer wieder an die Wand gemalten Schreckgespenst „šIslamist‘ – ein Begriff, der ausgrenzender und stigmatisierender nicht sein kann und schon seit Jahren Wasser auf die Mühlen von Rechtsextremisten gießt. Hier Verantwortung zu übernehmen bedeutet, aufzuhören mit einem von Ausgrenzung und Pauschalverurteilungen dominierten Diskurs. Gefordert sind hier aber nicht nur die Politik und der Sicherheitsapparat, sondern auch Medien und Gesamtgesellschaft.

Wie groß der Schmerz der Hinterbliebenen der Opfer an diesen Tagen sein muss, lässt sich nur erahnen. Möge Gott ihnen Kraft und Geduld geben. Ihnen gehört unser Mitgefühl.“

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