Pressemitteilung

40 Jahre Türken in Deutschland

06. November 2001

Die Integration der türkischer Arbeitsmigranten und ihrer Nachfahren ist ohne die Integration des Islam nicht möglich, sagte der Vorsitzende der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) Mehmet Sabri Erbakan. „Nach 40 Jahren Aufenthalt in Deutschland ist es Zeit für eine Zäsur. Die Menschen, die ursprünglich nur temporäre Bleibeabsichten gehabt haben, sind mittlerweile ein Teil der deutschen Gesellschaft geworden. Dies trifft auch für ihre Institutionen zu.‘ Dieser Erkenntnis muss auf beiden Seiten Rechnung getragen werden. Eine dauerhafte Integration der türkischen Migranten könne nur unter Beibehaltung der religiösen und kulturellen Identität stattfinden.Die staatliche Seite müsse endlich einsehen, dass eine Integration der türkischen Migranten und ihrer Nachfahren nur mit der politischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Integration möglich ist. Die Erkenntnis, dass Integration nicht Assimilation sein kann, darf nicht -wie die Erkenntnis das Einwanderung stattgefunden hat- 20 Jahre auf sich warten lassen. Die IGMG habe ihrerseits viel für die Integration der türkischen Migranten in Deutschland geleistet. So habe man Sprachkurse, spezifische Weiter- bzw. Fortbildungsseminare für Imame durchgeführt und Staatsbürgerschaftskampagnen gestartet.

Das die Integration noch nicht abgeschlossen ist, sei auf mangelnde Aufnahmebereitschaft, politische Versäumnisse und Defizite zurückzuführen. So fehle es immer noch an der Gleichstellung und Gleichbehandlung des Islam mit anderen Religionsgemeinschaften wie Christentum und Judentum; die Einführung eines deutschsprachigen islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen werde weiterhin behindert; nicht zuletzt werde die Errichtung eines islamischen Lehrstuhl an einer deutschen Hochschule zum Zwecke der Ausbildung von islamischen Religionslehrern und Imamen seitensder Muslime schon seit 20 Jahren vergeblich gefordert.

Die Erfahrung aus der Vergangenheit zeige, dass Integrationskonzepte und -maßnahmen nur Erfolg haben können, wenn diese gemeinsam mit den Betroffenen ausgearbeitet und entwickelt werden. Hier sei die Politik gefragt, nur Appelle an die Integrationsbereitschaft seien nicht ausreichend.