Gemeinschaft

5. KFÖ-Treffen: „Europa und die Religionen“

24. Juli 2011

Vor dem Einstieg in das Schwerpunktthema „Europa und die Religionen“ wurden die Teilnehmer über die Vorbereitungen zum Tag der offenen Moschee 2011 informiert. Die Kursteilnehmer wurden dazu angehalten, sich aktiv an den regionalen und lokalen Vorbereitungen sowie an der Durchführung des TOM 2011 zu beteiligen. Dabei sollen sie vor allem auf die in den Workshops vermittelten Kenntnisse zurückgreifen und diese zur Anwendung bringen.

Der Information folgte der Vortrag von Engin Karahan. Er begann mit der Entstehung und Entwicklung der Kirche in der Antike. Zunächst wurden mit der Entwicklung der Kirche selbst die unterschiedlichen Ämter in der Kirche vorgestellt. Hier ging er auf die Urgemeinde und ihre besondere Autorität ein. „Dies lag an ihrem persönlichen Zugang zu Jesus“, erklärte Karahan. Daraufhin hin wurden die Kirche und ihre Stellung während des römischen Imperiums beschrieben: „Während noch vor 311 die Christen eine Minderheit darstellten und im römischen Imperium verfolgt wurden, wurde unter Kaiser Konstantin das Christentum um 380 zur Staatsreligion. Dies war eine vor allem identitäts- und einheitsstiftende Entscheidung.“

Dem ließ Karahan einen Abriss der Entwicklung der Kirche im Mittelalter folgen. So ging er kurz auf das Eigenkirchenwesen, das Reichskirchenwesen, den Investiturstreit und die Krise des Papsttums und den Konziliarismus im 14. und 15. Jahrhundert ein. Einleitend in die Reformation und das konfessionelle Zeitalter gab es zunächst eine Beschreibung der reformatorischen Zeit: „Die Reformation bedeutete politischen, sozialen, technischen, gesellschaftlichen und geistigen Umbrüchen ins Auge zu sehen. Damit ging ein Bevölkerungszuwachs, eine Zunahme der Bedeutung der Städte einher. Besonders wichtig war der Beginn des Buchdrucks“, hieß es. „Dies hieß aber auch, dass es zu Religionskonflikten und Kriegen kommen sollte. Diese wurden Großteils letztendlich durch den Augsburger Religionsfrieden und den Westfälischen Frieden beendet. Die Stufen der Religionsfreiheit sind noch heute an der Formulierung des Art. 4 Abs. 1 des Grundgesetztes erkennbar“, so Karahan.

Nach einer kurzen Beschreibung der Kirche im 19. Jahrhundert, beendete der Referent seinen Vortrag mit der Darstellung der Verhältnisse im 20. Jahrhundert. Aspekte der Darstellung waren die Weimarer Republik, in der Kirche und Staat erstmals voneinander getrennt wurden, was „Selbstbestimmungsrecht für die Religionsgemeinschaften bedeutete“, die Kirche unter dem Nationalsozialismus und der Kirche in der BRD sowie das 2. Vatikanische Konzil.

Nach einer Mittagspause referierte Dr. Thomas Lemmen, Mitarbeiter des REFIDI (Referat für Dialog und Verkündigung) im Erzbistum Köln und Geschäftsführer der CIG (Christlich-islamische Gesellschaft e.V.), über „Die Geschichte und Rolle des interreligiösen Dialogs/Trialogs“. Lemmen begann mit der Feststellung, dass der Begriff „Dialog“ inflationär gebraucht werde. Er wies darauf hin, dass es verschiedene Arten des Dialogs gebe: „Es gibt den Dialog, bei dem es um ein praktisches Miteinander geht. Dann den Dialog mit den Vertretern von Migranten und leider wird der interreligiöse Dialog fälschlicherweise hier verortet. Islam hat nichts mehr mit dem Thema Ausländer-Sein zu tun.“ Denn die Zielsetzung und Grundlage des interreligiösen Dialogs sei eine andere. Lemmen betonte während seines Vortrags vielmals die Gemeinsamkeiten der drei monotheistischen Religionen und bemerkte: „Im Dialog der Religionen geht es um eine Grundlage, die über das gesellschaftliche hinaus eine Relevanz hat.“ Dr. Thomas Lemmen kam auf diese Weise auch auf den Schluss, dass diese Form des Miteinanders nicht kleingeredet werden dürfe und dass man dabei nicht unbedingt messbare Ergebnisse erreichen könne, da es im Grunde nur um das menschliche Miteinander gehe. „Ich würde sagen, dass der Dialog einen Sinn und Zweck hat, ohne dass er gleich gesellschaftlich vermarktet wird“, so Lemmen.

Weiter ging es im Vortrag um den Islam in Deutschland und die christliche Wahrnehmung des Islams. „Theologisch gesehen ist der Islam für das Christentum eine Neuerscheinung, während der Islam sich ja bereits im Koran mit dem Christentum auseinandersetzt. D. h., während der Islam bereits ein bestimmtes Verständnis von dem Christentum hat, muss sich das Christentum erst noch eins erschließen. Hier ist die Rede von einem asymmetrischen Konkurrenzverhältnis“, stellte der Referent aus Köln fest.

Lemmen beendete seinen Vortrag mit dem Wunsch, dass nicht nur Einzelpersonen am Dialog arbeiten dürfen: „Wir müssen die Vergangenheit überwinden. Natürlich gab es auch schlechte Zeiten, aber heute müssen wir uns bemühen, uns gegenseitig zu verstehen, uns gemeinsam für den Schutz des Gegenübers einsetzen und für ein besseres Miteinander eintreten“, waren seine abschließenden Worte an die KFÖ-Teilnehmer. Abgerundet wurde der Samstag von einer längeren Fragerunde im Kreis, bei der die Teilnehmer mit beiden Referenten ins Gespräch kamen.

Am Sonntag folgten erneut die unterschiedlichen Workshops. Der Workshop „Öffentlichkeitsarbeit in den Medien“ machte ein Praxis-Training in Fotografie. Später ging es um Bildbearbeitung am PC. Außerdem wurden den Teilnehmern Ratschläge zum Fotografieren am Tag der offenen Moschee gegeben. Beim Workshop „Öffentlichkeitsarbeit in der Moschee“ drehte sich der Sonntag ebenfalls um den Tag der offenen Moschee, sprich die Planung, Organisation und Arbeitsteilung sowie den TOM als besonders wichtiges Mittel, um unterschiedlichste Zielgruppen zu erreichen. Der Workshop „Texte in der Öffentlichkeitsarbeit“ schließlich besprach die von den Teilnehmern erstellten Nachrichten. Später erlernten die Teilnehmer, worauf bei einem Interview zu achten ist.

Zum Abschluss des Wochenendes sprach die neue Leiterin der Frauen-Jugendorganisation, Fatma Gündüz, zu den Teilnehmern des Kurses. Sie lobte die Organisation und Ausdauer der Teilnehmer und motivierte dazu, das Gelernte in den Gemeinden und Regionalverbänden fruchten zu lassen. (sk)

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