Pressemitteilung
Armut mit Gerechtigkeit bekämpfen
04. Februar 2026
„Deutschland ist reich. Für mehr als 13 Millionen seiner Bürgerinnen und Bürger gilt das Gegenteil: sie sind arm. Das ist das Ergebnis ungerechter Verteilung – und treibt Menschen in die Hände von Extremisten. Dennoch sucht die Politik die Lösung für dieses Problem bei den Falschen“, erklärt Ali Mete, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Anlass sind aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts, wonach die Armutsgefährdung in Deutschland weiter steigt – so wie in vielen anderen Ländern Europas. Ali Mete weiter:
„Armut beginnt nicht erst dort, wo das Essen fehlt: Sie beginnt dort, wo Teilhabe schwindet – wenn für eine gleichberechtigte Teilhabe das Geld nicht reicht. Davon sind im reichen Deutschland mehr als 13 Millionen Menschen betroffen, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Wenn in einem reichen Land jeder Sechste als armutsgefährdet gilt, dann ist das nicht nur eine Statistik, sondern eine Frage der Würde und der Gerechtigkeit.
Die Zahlen zeigen auch, dass Armut bestimmte Gruppen besonders oft trifft, was auf ein systematisches Versagen deutet: Menschen in Alleinerziehenden-Haushalten, Rentnerinnen und Rentner – und Menschen mit Migrationsgeschichte, wie Studien bereits mehrfach nachgewiesen haben. Am wenigsten haben Menschen, die Schutz und Zuflucht bei uns suchen.
Umso gefährlicher ist es, wenn in öffentlichen Debatten immer wieder die Kosten von Schutzsuchenden ins Schaufenster gestellt werden – als wären sie der Grund für die soziale Not, die Sündenböcke. Solche Rechenübungen erzeugen Neid, lenken vom Kern ab und spalten unsere Gesellschaft.
Europaweit – und insbesondere in Deutschland liegt das Hauptproblem woanders: Der Sozialstaat verteilt ungleich. Wenn Reiche immer reicher werden und gleichzeitig Armut wächst, kippt das Gefühl von Fairness. Und wo Fairness fehlt, wächst die Anfälligkeit für einfache Parolen – bis hin zu Extremismus. Die Politik ist gut beraten, wenn sie ihren Fokus in diese Richtung lenkt, um den zunehmenden Rechtsruck aufzuhalten.
Im Islam gilt der Grundsatz: „Wer satt zu Bett geht, während sein Nachbar hungert, gehört nicht zu uns.“ Wohlstand ist Verantwortung – sowohl für den Einzelnen als auch für den Staat. Das ist kein romantischer Gedanke, sondern ein Stabilitätsanker. Deshalb erwarten wir, dass jede sozialpolitische Reform daran gemessen wird, ob sie Armut senkt – besonders Kinderarmut und die Schwächsten in unserer Gesellschaft. Ein Land, das Zukunft will, muss zuerst die Würde im Alltag sichern: bei Kindern, bei Alleinerziehenden, bei den Älteren – bei allen.“











