Gemeinschaft

„Bayram Şerif Mübarek Olsun!“ – Grüße aus Bosnien

07. November 2011

Aus allen Regionen Europas sind Jugendliche zusammengekommen, um der Hilfsorganisation Hasene bei ihrer diesjährigen Opfertierkampagne in Bosnien zu helfen. Unter der Leitung von Osman Yusuf (IGMG-Jugendorganisation) sind die ersten Autos bereits um 12 Uhr am vergangenen Freitag losgefahren.

Als erster Treffpunkt wurde Graz ausgemacht. Dort fanden sich die Helfenden zusammen, um eine letzte Einführung in unsere Arbeit vor Ort zu bekommen. Ümit Ocakdan verteilte nach der letzten Einweisung auch das Programm und die Materialien für die Opfertierkampagne. 6 Gruppen wurden gebildet, die allesamt einen Bezirk von Bosnien aufsuchen und dort vor Ort die Opfertierkampagne überwachen und leiten sollen. Es ist besonders erfreulich, dass sich in diesem Jahr fast durchgehend Personen aus der IGMG-Jugend für Bosnien als freiwillige Mitarbeiter gemeldet haben.

Unsere Gruppe fuhr direkt nach Sarajevo, wo wir zunächst eine kleine Stadtrundfahrt unternahmen. Osman Yusuf klärte uns währenddessen über die Geschichte der Stadt auf.

Sarajevo ist eine Weltmetropole wie es sie nur wenige auf der Welt gibt. Noch immer zieren verschiedene Spuren von Munitionen und Schusswaffen die Hauswände zahlreicher Einrichtungen. Der Bosnien-Krieg hat in dieser Stadt seine Spuren hinterlassen. Trotz alledem ist es Sarajevo gelungen, drei Kulturen unter einem Dach zu versammeln. Wer sich heute wünscht, dass Muslime, Juden und Christen miteinander in Frieden leben können, der sollte einmal einen Blick auf Sarajevo werfen. Neben zahlreichen Moscheen und Kirchen gibt es auch repräsentative Synagogen.

Die Menschen sind weltoffen und freundlich, aber die Not lässt sich selbst im Zentrum der Stadt beobachten. Fast an jeder Ecke stehen Bettler. Die große Zahl der tatsächlich bedürftigen Menschen ist nicht zu verleugnen. Diese sitzen still meistens in einer Ecke und hoffen auf ein bisschen Unterstützung, mag sie auch noch so klein sein. Die wahren Bedürftigen in Bosnien können nicht einmal wirklich um Hilfe fragen.

So hat uns gerade in dieser Zeit, wo wir kurz vor dem Opferfest einen Einblick in diese Stadt gewannen, das Bild von Sarajevo allesamt einerseits beeindruckt, andererseits aber auch bedrückt.

Nach der Stadtrundfahrt haben wir uns, weil es ein türkischer Brauch ist, einen Tag vor dem Opferfest die Gräber der Verstorbenen zu besuchen, zum Grab des Staatshelden und ewigen Friedensstifters Alijja Izzetbegovic aufgemacht. An seinem Grab und an dem Grab der zahlreichen Märtyrer Bosniens haben wir aus dem Koran rezitiert und der Opfer des Krieges gedacht.

Izzetbegovics Grab besticht vor allem durch seine Einfachheit. Das Grab von Alija Izzetbegovic wurde auf seinen eigenen Wunsch hin direkt neben seinen Freunden, den bosnischen Märtyrern, errichtet.

Danach erkundeten wir noch ein bisschen weiter die Altstadt und haben die weitere Planung der nächsten Tage intensiv besprochen.

Unser Team übernachtete in einer nahegelegenen Bildungseinrichtung (Medrasa) und erholte sich zunächst von den Strapazen der anstrengenden Hinfahrt. Es wurde geklärt, welche Helfer um wie viel Uhr wo genau sein müssen und wie die Verteilung des Opfertierfleisches von statten gehen soll.

Am nächsten Morgen machten sich alle Gruppen zunächst auf den Weg zu einer nahegelegenen Moschee, um das besondere Gebet anlässlich des Opferfestes zu verrichten.

Unsere Gruppe hatte die Möglichkeit, in der Hauptmoschee Sarajevos hinter dem Groß-Mufti von Bosnien und Herzegowina, Mustafa Ceric, das Gebet zu verrichten.

Das bosnische Gebet zum Opferfest wird allgemein ganz anders begangen. Neben zahlreichen erstklassigen Koranrezitationen wurden vor allem bosnische Nasheeds und ausgiebig lange Predigten gehalten. In Sarajevo ist das Opferfest ein gesetzlicher Feiertag, wodurch sich die Menschen auch der Atmosphäre des Festes hingeben können.

Es ist in Bosnien Sitte, dass man nach den Feiertagsgebeten die Gräber der Verstorbenen aufsucht und um ihr Seelenheil bittet.

Mustafa Ceric, Großmufti von Bosnien und Herzegowina, hat uns in herzlicher Weise in seinem Amtssitz empfangen und uns verköstigt. Wir hatten kurz die Gelegenheit, uns als Vertreter von Hasene vorzustellen. Besuche während des Opferfestes werden, generell, auch bei Familienangehörigen in Bosnien kurz gehalten.

Währenddessen erhielten wir bereits die ersten Meldungen von unseren Geschwistern aus den anderen Gebieten Bosniens, dass die Opfertierschächtungen begonnen haben und erste Lebensmittel an die Bedürftigen verteilt wurden.

Insgesamt werden in Bosnien mehr als 1 000 Opfertiere für die Bedürftigen geschächtet. Möge Allah es von allen Spendern und den Helfern annehmen.

Wir werden inschaallah noch einige Besuche bei geschätzten Gelehrten dieser Stadt und an bestimmten Orten durchführen. Geplant ist, dass die Opfertierkampagne in zwei, höchstens drei Tagen komplett durchgeführt ist.

Darüber hinaus wird es auch einen Besuch in Srebrenica geben, wo wir den Bedürftigen in dieser besonders vom Krieg schwer getroffenen Stadt weitere Opfertiere übergeben werden.

Inschaallah wird es mir und meinen Freunden weiterhin möglich sein, euch weiterhin über die Kampagne hier in Bosnien ausführlicher zu informieren.

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