Gemeindeentwicklung

„Muslimsein in Europa“

10. Mai 2011

Die Begrüßungsrede hielt der Vorsitzende des NSV Selcuk Cicek. Darin kam er auf die gegenwärtige Identitätskrise der Muslime in Europa zu sprechen und betonte, dass diese Krise überwunden und zu einer Chance verwandelt werden könne. „Es entsteht eine neue muslimische Identität, die von der Kunst, Musik und Literatur zwei verschiedener Kulturen beeinflusst ist“, sagte Cicek. „Wir befinden uns in einer wichtigen Phase. Nicht nur müssen wir der nächsten Generation Grundwerte unserer muslimischen Identität vermitteln, wir müssen uns auch im Bereich Lehre und Kultur profilieren und in jedem Bereich der Gesellschaft präsent sein“, fügte Cicek hinzu.

Anschließend bekam Yasemin Ciftci von der NSV das Wort. Sie verwies auf die steigende Zahl der Muslime in Europa, die seit Mitte des letzten Jahrhunderts 20 Millionen erreicht habe. „Muslime und Nichtmuslime leben nun bereits seit mehr als fünfzig Jahren zusammen. Dennoch ist eine Unwissenheit, über die Heterogenität der Muslime in Europa zu beobachten“, sagte Ciftci.

Der Gastreferent Dr. Ali Özgür Özdil machte zu Beginn seines Vortrages allgemeine Ausführungen zum gesellschaftlichen Leben der Muslime in Europa. Anschließend erklärte er die Zwei-Welten-Theorie Platons und das der
Säkularismus aus dem Widerstand gegen die Autorität der Kirche
hervorgegangen sei. Den Islam als „Religion“ als säkular zu bezeichnen
sei jedoch nicht möglich. Z.B. sei das diesseitige Leben im Islam
verbunden mit dem Jenseits und auch Wissenschaft und Glaube seien
keine Gegensätze. Aus diesem Grunde könne das religiöse Leben nicht
vom gesellschaftlichen Leben getrennt werden.

Özdil deutete anschließend Werner Schiffauers Beobachtungen unter Muslimen der zweiten Generation. Z.B. gäbe es viele Muslime, die nicht als solche ausffallen wollen und das „Gleich-Sein-Wollen“ in den Vordergrund stellen, und Muslime, die sowohl das „Gleich-Sein-Wollen“ im Sinne von gleichberechtigt werden und als auch das „Anders-Sein-Wollen“ im Sinne von in ihrer Andersartigkeit akzeptiert sein wollen gibt. Und es gäbe eine Minderheit von Muslimen, die nur das „Anders-Sein-Wollen“ betonten und das politische System und das gesellschaftliche Leben in Deutschland ablehnten. Anschließend eröffnete Özdil dieFrage -Antwort-Runde. Auf die Frage, ob das Kopftuch ein Symbol sei, antwortete der Islamwissenschaftler: „Es ist lediglich in der
individuellen Auslegung ein Symbol. Ansonsten ist es weder ein relgiöses noch ein islamisches Symbol.“

Zum Schluss bedankte sich Yusuf Uygur, der durch Programm führte im Namen der NSV e.V. und kündigte weitere Veranstaltungen an.

Weitere Informationen zum Niedersächsischen Studentenverein e.V. sind unter

zu finden. (fy)