Gemeinschaft

„Wir leben auf fremdem Land“ – Opfertierkampagne in Sri Lanka IV

06. Januar 2007

Der Streifen ist anders als in den anderen Gebieten, so gut wie leer. Am Hafen herrscht Geschäftigkeit, er soll erweitert werden. Hier wohnten hauptsächlich Muslime, die aber nicht mehr zurück dürfen. Buddhistische NGOs aus Thailand und Indien haben neue Siedlungen gebaut, ohne eine einzige Moschee eingeplant zu haben. Ihre traditionelle Lebensweise um die Moschee herum können die Muslime hier nicht mehr weiterführen. Sie werden zumeist isoliert in die mehrheitlich buddhistischen Siedlungen einquartiert. Für eigene Quartiere fehlt ihnen das Geld.

Auch hier gibt es sehr viele Witwen und Waisen. Hadidscha ist eine von ihnen. Ihr Mann wollte nur einiges Einkaufen, er kam nicht mehr zurück. Sie blieb mit ihren drei Kindern als Witwe zurück. Heute sind die Kinder zwölf, acht und drei Jahre alt. „Die Kinder fragen immer wieder nach ihrem Vater. Sie fragen immer wieder danach, wann er wiederkommt, obwohl sie wissen, dass er tot ist. “ Ihre Stimme zittert, als sie von ihm spricht. „Die Kleine kann sich gar nicht an ihn erinnern, sie war noch ein Jahr alt, als sie starb. Für sie ist es am schwierigsten.“ Ihr Mann war wie sie Lehrer an einer örtlichen Schule. Nun hat Hadidscha die Familie allein zu ernähren, die Kinder allein zu erziehen. „Mir geht es noch ganz gut, ich verdiene ja zumindest Geld“, sagt Hadidscha. 10000 Rupien bekommt sie, umgerechnet 70 Euro. „Viele Frauen haben überhaupt kein Einkommen, sie können nur auf Spenden hoffen“.

Nachdem wir auch in Hambantota als letzte Station unsere Opfertiere verteilt haben, fahren wir wieder an die Westküste zurück. Wir übernachten in Chilaw und fahren auf die Nehrung an der Puttalam Lagune. Auf diesem schmalen Streifen Leben fast 80000 Bürgerkriegsflüchtlinge und dies seit 16 Jahren. Arbeit gibt es hier kaum, auf Hoffnung trifft man noch seltener. „45 Kilometer mussten wir um unser Leben fürchtend, zu Fuß flüchten“, klagt eine alte Frau. „Erst dann haben wir ein Fahrzeug gefunden, dass uns hierher gebracht hat. Wir leben hier auf Land das uns nicht gehört, unser Zuhause haben wir seit 16 Jahren nicht gesehen. Es fehlt uns an Allem, Essen, Wasser, Feuerzeug. Wir wissen nicht wie es weitergeht.“ Unterschwellig gibt es auch Konflikte mit den Einwohnern der umliegenden Dörfer. Dorfbewohner und Flüchtlinge konkurrieren um die selben wenigen Arbeitsplätze.

In der Flüchtlingssiedlung die wir am Arafa-Tag, am Tag vor dem Kurban-Fest, besuchen, leben 250 Flüchtlingsfamilien. Viele Kinder sind in dem Dorf. Wir haben Nahrungspakete für die Familien mitgebracht. Genug Essen für zwei Wochen, nicht mehr für die Zeit danach. Die Bewohner bekommen Essensrationen vom Staat, manchmal reicht es nicht einmal für das Essen. Doch selbst damit sind sie zufrieden. Uns treibt die Situation Tränen in die Augen. 80000 Flüchtlinge und wir konnten nur 250 Familien etwas helfen. Wir wissen nicht, ob wir uns über diesen Tropfen auf dem heißen Stein freuen sollen oder weinen. Für die Kinder haben wir noch Süßigkeiten und Schokolade mitgebracht. Trotz aller Not haben ihre Augen auch davor gestrahlt, doch das Strahlen über das bisschen Schokolade überdeckt sogar unsere Sorgen. Was mir aber die ganze Zeit nicht aus dem Kopf geht, ist die Sura Mâûn: „Hast du den gesehen, der das (Letzte) Gericht leugnet? Er ist es, der die Waise wegstößt und nicht zur Speisung des Armen anspornt.

Mittlerweile haben wir auch alle Opfertiere verteilt. Geplant waren 1200, doch wir konnten 1750 verteilen. Zumeist werden es wieder Flüchtlinge sein, an die das Fleisch verteilt werden. Morgen werden wir in der Großen Moschee Puttalams das Festtagsgebet beten um dann an der Schlachtung in Puttalam teilzunehmen. Am zweiten Festtag fahren wir inschallah weiter an die Ostküste, um die dort geopferten Spenden zu verteilen. Für den dritten Festtag wollen wir in einem der Flüchtlingssiedlungen eine Feier und ein Essen organisieren. Davon später inschallah mehr.

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