Freitagspredigt

Über die Familie und den Familien-Tag – Hutba

28. Mai 2004

Verehrte Muslime,

So wie der Herr alles in einer hervorragenden Eintracht und Harmonie paarweise erschuf, so erschuf er auch die Menschen als Mann und Frau paarweise und lies sie untereinander auf Basis von Liebe und Barmherzigkeit die Familie gestalten, die die Grundlage einjeder Gesellschaft ist. Unser Schöpfer zeigt uns dies als eines der Zeichen der Schöpfung und erklärt im Koran eines der Sinne hinter der Erschaffung des Menschen folgendermaßen:  ‚Ebenso zu Seinen Zeichen zählt, dass Er für euch von eurem Wesen Partnerwesen erschuf, damit ihr bei ihnen Geborgenheit findet. Und Er setzt zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit. Gewiß, darin sind fürwahr Zeichen für nachdenkliche Leute.‚ (Ar-Rum 30, 21)

Die Institution Familie wird als die Grundlage einjeder menschlichen Gemeinschaft angesehen. Aus diesem Grund legt der Islam sehr viel Wert darauf, gestörte familiäre Verhältnisse wieder aufzubauen, die zumeist unterdrückten Frauen zu schützen und weggenommene Rechte wieder ihrem ursprünglichen Inhaber zu übergeben. In der letzten Zeit sind jedoch, sowohl unter muslimischen, als auch nicht-muslimischen Gemeinschaften, in dieser Sache vermehrt Unzulänglichkeiten aufgetaucht. Jahrzehnte andauernde Kriege und Konflikte, aus diesen Konflikten resultierende Massaker und Ungerechtigkeiten, das vermehrte Auftreten von Prostitution, Unzucht, Alkohol, Drogen, Glücksspiel und moralische und ethische Degenerationen zeigen uns, dass vermehrt Maßnahmen dagegen eingeleitet werden müssen.

Liebe Brüder und Schwestern,

Eines der wichtigsten Aufgaben der Menschheit ist es heute, die immer mehr degenerierende und sich auflösende Einrichtung der Familie wieder zu beleben und ihr wieder ihre alte Stärke zu geben.  Aus diesem Grund haben die Vereinten Nationen in den letzten zehn Jahren den 15. Mai zum Tag der Familie erklärt und diesen Tag jedes Jahr unter einer anderen Überschrift begangen und auch ihre Mitglieder dazu aufgefordert, diesen Tag zu beachten. Denn keine Gesellschaft, deren familiäres Fundament am Wackeln ist, kann weiter bestehen. Obwohl die Vereinten Nationen sehr viele Projekte zur Stärkung der Familie vorantreiben, so sind die Menschen und die Muslime in einem Dilemma. Während auf der einen Seite beschlossen wird, den Familien-Tag international zu feiern, findet man auf der anderen Seite keine Instanz, die verhindert, dass durch Kriege und Konflikte Familien auseinander gerissen, ganze Generationen vernichtet und Frauen und Kinder Opfer von Folter und Misshandlungen werden. Dem sich täglich ausbreitenden moralischen Verfall wird gar nicht mehr entgegengetreten. Zur Eindämmung des „Frauen“- oder Drogenhandels wird von den Staaten nicht energisch genug eingeschritten. Und die Menschen stellen sich die Frage, was diese Diskrepanz zwischen öffentlichen Verlautbarungen und der fehlenden Aktionen eigentlich soll. Aus diesem Grund rufen wir die Menschen, die noch in einer Ecke ihres Herzens Menschlichkeit und Barmherzigkeit tragen und die Möglichkeit in der Hand halten, diesem ein Ende zu setzen auf, „das vergossene Blut und vergossene Tränen auf der Welt endlich zu stillen, der Misshandlung von Vätern, Müttern und Kindern ein Ende zu setzen und zu verhindern, dass Familien weiter zerstört werden. Macht keinen Unterschied zwischen den Menschen und stoppt den moralischen Verfall.“

Verehrte Muslime,

Unsere Gemeinschaft, die in vielen Bereichen des menschlichen Lebens und insbesondere bei allem, was dem Guten dienlich ist, eine Vorreiterrolle einnimmt, hat um die Familienbande wieder zu stärken, mögliche Probleme zu beheben und um ein Zusammenkommen von Muslimen mit der gesamten Familie zu ermöglichen unter dem Motto „Wir sind eine Familie“ einen „Familien-Tag“ vorbereitet.

Wie sie wissen, hat unser Verband jedes Jahr eine große Veranstaltung abgehalten und über ihre Aktivitäten informiert. Dies wird dieses Jahr mit einer 2-tägigen Veranstaltung auf dem Gelände der Zentrale am 29. und 30. Mai geschehen. In verschiedenen Festzelten stehen Veranstaltungen und Programmpunkte für jedes Alter für Sie bereit.
 
Unter diesen Punkten sind Podiumsdiskussionen, Ausstellungen, Spiele für unsere Kinder und Stände zu den diversen Angeboten unserer Zentrale. Wir laden alle Brüder und Schwestern ein, gemeinsam mit der gesamten Familie an diesem Programm teilzunehmen.
Meine Hutba will ich mit einem Hadith des Propheten (saw) beenden: ‚Eines der Anrechte, die ein Muslim über den anderen Muslim hat, ist, dass er seine berechtigte Einladung annimmt und ihr Folge leistet.‘ (et-Tac 5/16)

IGMG Seelsorge – Öffentlichkeitsarbeit