Pressemitteilung

Ücüncü: „Umfassende gesellschaftspolitische Aufarbeitung des islamfeindlichen Mordes an Marwa El-Sharbini steht noch aus.“

30. Juni 2010

Anlässlich des Jahrestages der Ermordung der Muslima Marwa El-Sharbini in einem Sitzungszimmer des Dresdener Landgerichts äußerte sich der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs, Oguz Ücüncü, kritisch zur fehlenden Aufarbeitung des islamfeindlichen Mordes und dessen Hintergründe: „Der Täter ist zum Glück gefasst und verurteilt worden. Aber eine Aufarbeitung des Mordes in all seinen Facetten steht noch immer aus. Was den Täter zu seinem Hass getrieben hat, woher dieser Hass kommt, all dies wurde noch nicht ausreichend diskutiert. Somit steht eine umfassende Aufarbeitung des islamfeindlichen Mordes noch aus.“

„Die notwendige gesellschaftspolitische Debatte im Kontext des alltäglichen Rassismus gegenüber Muslimen ist ausgeblieben. So gehört das, was die Ermordete im Vorfeld der Tat erlebt hat, zu den Alltagserfahrungen vieler Muslime in diesem Land. Vorurteile und Stereotype werden auch unter dem Deckmantel der Islamkritik bemüht und kultiviert. Damit wird immer mehr der Boden für Hass und Ausgrenzung, der nicht in der Mitte der Gesellschaft ankommen darf, bereitet“, sagte Ücüncü.

„So tragisch dieser Vorfall ist, so wichtig ist es einen intensiven Blick hinter die Mechanismen von Islamfeindlichkeit und einer neuen Qualität von Rassismus zu werfen. Nur so kann das Andenken an den Tod von Frau El-Sherbini und an ihr ungeborenes Kind gewahrt werden.“

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