Gemeinschaft

Aus dem gepriesenen Land – Briefe aus Mekka und Medina (II)

07. Januar 2006

Gegen elf Uhr erreichten wir unser Hotel in Medina. Wir waren zwar müde, dies konnte uns aber nicht die Freude vertreiben. Denn wir waren in Medina angekommen, in der Stadt des Propheten. Besonders die Aufregung der jungen Pilger war auf dem Höhepunkt. Einige von ihnen hatten es sehr eilig, unseren geliebten Propheten (Friede sei mit ihm) an seinem Grab zu besuchen.

Die Stadt Medina ist ungefähr 440 km von Mekka und 200 km vom Roten Meer entfernt. Der im Norden der Stadt liegende Berg Uhud ist ca. 4 km vom Stadtzentrum entfernt. Im Gegensatz zum steinigen Norden hat der Süden der Stadt einen sehr fruchtbaren Boden.

Medina war von der Zeit der Hidschra (der Auswanderung unseres Propheten von Mekka nach Medina) bis zu Alis (Friede sei mit ihm) Ernennung zum Kalifen, die Hauptstadt des islamischen Staates. Wegen innerer Unruhen verlegte Ali dann die Hauptstadt von Medina nach Kufa. Von nun an wurde Medina nie mehr zum Staatszentrum. Aber sie war und bleibt ein Zufluchtsort für diejenigen, die die geistige Luft der Stadt des geliebten Propheten einatmen und die Sunna aus seiner Quelle lernen wollen.

Medina ist für die Muslime nach Mekka die wichtigste Stadt, denn Muhammad (saw) meinte: „Ich spreche die Stadt Medina heilig, wie Abraham Mekka heilig gesprochen hat. Von nun an darf man in Medina weder Bäume fällen noch Wild jagen“. Eine Strafe gibt es zwar nicht für die Missachtung dieser Gebote, man läuft aber Gefahr, eine Sünde zu begehen.

Nachdem wir uns im Hotel eingerichtet haben, bereiten wir uns für das Mittagsgebet vor. Um das erste Gebet in der Rawza-i mutahhara zu verrichten, macht sich sodann unsere Gruppe auf den Weg. Unser Hotel liegt unmittelbar neben der Mascid-i Nabawi, sodass es kein Problem ist nach dem Gebet das Grab unseres geliebten Propheten zu besuchen. Heute werden wir ihn besuchen. Denn wer ihn an seinem Grab besucht, ist so, als ob er oder sie ihn zu Lebzeiten besucht hätte.

In der Masdschid-i Nabawi haben die Frauen gesonderte Bereiche. Beim Mittagsgebet sieht man erneut, dass die jungen Pilger sehr aufgeregt sind. Nach dem Gebet kommt die Gruppe zusammen, um vor das Grab unseres Propheten zu treten. Die Männer betreten die Moschee durch die Tür, die `Bab-i Salam` genannt wird. So besuchen wir neben dem Grab unseres Propheten auch die von seinen Freunden Abu Bakr und Omar (Friede sei mit ihnen). Diesen Besuch werden die Frauen am nächsten Morgen nach dem Morgengebet durchführen, denn jeden Tag um acht Uhr besuchen nur Frauen den geliebten Propheten.

Unseren Propheten gebührend zu besuchen erfordert ein ordentliches Benehmen. In den Koranversen steht, dass wir in seiner Gegenwart nicht laut sein dürfen. Auch die Begrüßungen sollten mit niedriger Stimme ausgesprochen werden, als ob er lebend vor uns stehen würde. Manche achten aber nicht auf diese Höflichkeit und schreien sehr laut ihre Liebe zum Propheten heraus. Der Anblick des 100 Meter langen Korridors ist aber großartig; viele Menschen versammelt an einem kleinen Platz, um ihre große Liebe zum Propheten zu beteuern. Was für ein gefühlvoller Augenblick!! O du Erhabener, lass diesen Augenblick allen Muslimen zuteil werden.

Nach diesem unbeschreibbaren Genuss ruhen sich die Pilger bis zum Nachmittagsgebet aus. In der Prophetenmoschee zu beten wird auch viel mehr belohnt als an einem anderen Ort. Das Gebet an der Kaaba und in der Masdschid-i Nabawi wird mehr belohnt, als das Gebet irgendwo anders. Das ist natürlich ein besonderer Segen für jeden Muslim.

In Medina werden wir acht Tage lang verweilen und während dieser Zeit vierzig Mal das gemeinsame Gebet in der Prophetenmoschee verrichten. Der Besuch in Medina gehört zwar nicht zu den Pflichten der Hadsch. Dennoch bestehen besonders die türkischen Pilger auf diesen Aufenthalt von acht Tagen in Medina. Sie sind der Meinung, dass ihre Hadsch oder Umra sonst nicht vollständig sein würde. Obwohl es keine Pflicht ist, ist der Aufenthalt in Medina natürlich nicht umsonst. Denn unser Prophet meinte: „Wer in meiner Moschee vierzig Mal hintereinander betet, wird vom Feuer und der Qual befreit und kann von der Heuchelei sicher sein“.

Wir erinnern unsere Pilger an einen bestimmten Platz in der Masdschid-i Nabawi. Hier zu beten wird besonders belohnt. Das ist die ursprüngliche Stelle der ersten Moschee zu Muhammads(saw) Zeiten. Denn er sagte dazu: „Der Platz zwischen meiner Wohnung und der Kanzel der Moschee ist ein Garten aus dem Paradies„. Der Pilger hat hier dann die Möglichkeit, sein tägliches Gebet zu verrichten. Manche sind aber leider rücksichtslos gegenüber den anderen Muslimen, da sie hier sehr viel Zeit verbringen und nicht an die Wartenden denken. Das ist nicht sehr empfehlenswert. Denn man sollte auch den anderen Muslimen Platz machen, damit sie auch hier beten können. Wir raten dringend von solch einer Gier ab.

Am nächsten Tag werden wir zu unserem ersten Ausflug in Medina starten und dem Pfad des Lebens und Wirkens des Propheten in Medina folgen.

M.Hulusi Ünye

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