Gemeinschaft

Bayram in Sri Lanka – Opfertierkampagne Sri Lanka V

12. Januar 2007

Am Morgen des Opfertierfestes sind wir wieder in Puttalam. Hier werden wir mit dem Opfern anfangen, doch zuvor muss natürlich das Festtagsgebet durchgeführt werden. In Puttalam gibt es an die 40 Moscheen, doch die Menschen kommen auf öffentlichen Plätzen zum Festtagsgebet zusammen. Wir sind an diesem Morgen im recht geräumigen Innenhof einer Schule. Die Srilanker kommen mit der gesamten Familie zum Festtagsgebet. Die Sonne ist gerade aufgegangen und scheint uns auf den Rücken. Mit Lobpreisungen warten wir auf den Beginn des Gebetes. Nach dem Gebet folgen die obligatorischen Beglückwünschungen, auch wir als „Fremde“ werden davon nicht ausgeschlossen – im Gegenteil. Auch hier werden wir sehr herzlich aufgenommen.

Nach dem Festtagsgebet geht es dann an die Schächtung und Verteilung der Opfertiere. Puttalam ist eine Gegend mit einem sehr hohen Anteil an Bürgerkriegsflüchtlingen. Aus diesem Grund werden in dieser Gegend sehr viele Opfertiere verteilt. Dazu haben die Muslime vor Ort bereits im Vorfeld die Bedürftigsten gesucht und Marken an diese verteilt. Das Verteilen geschieht nun am Festtag in den Moscheen in Puttalam. Das Fleisch geht jedoch nicht nur an Muslime, auch Nichtmuslime sind unter den Empfängern.

Wir fahren auch in das Umland von Puttalam. Eines unserer Ziele ist ein Dorf, in dem fast ausschließlich Konvertiten leben. Konvertierten haben es nicht leicht in dem immer noch vom Kastensystem geprägten Sri Lanka. Oftmals werden sie von ihrer Sippe enteignet und ausgestoßen. So auch die über 100 Familien in diesem Dorf. Viele sind ehemalige Buddhisten, auch einige ehemalige Christen sind dabei. Viele hatten nach ihrem Übertritt zum Islam nichts mehr. Ihre Familien setzten sie auf die Straße, alles Hab und Gut wurde ihnen abgenommen. Andere Muslime waren es, die das Stück Land, auf dem sie heute leben gekauft und an diese Konvertiten weitergegeben haben. Etwas Land für ein Zuhause und etwas Land, um einiges für den Lebensunterhalt anzubauen, viel ist es nicht.

Auch der 32jährige Bilal ist unter den Bewohnern dieser Siedlung. Er war Christ, bevor er sich vor zwei Jahren für den Islam entschied. Nur noch seine Mutter lebt von seiner Familie bei ihm. Bilal kümmert sich um sie. Der Rest der Familie will keinen Kontakt mehr zu ihm haben. Auf meine Frage, was sie denn noch alles brauchen, lächelt er nur. „Der Prediger könnte häufiger vorbeikommen“, sagt er. Eine Antwort, die ich nicht erwartet habe, denn die finanzielle Not der Dorfbewohner ist offensichtlich. „Wir möchten unseren Glauben besser lernen“, sagt er nur. „Es kommt zwar regelmäßig ein Imam her, aber wenn er häufiger herkommen könnte, würde uns das noch mehr freuen.“ Geld oder Forderungen nach materiellen Gütern kommen nicht zur Sprache. Wir besuchen noch einige andere Verteilstationen, um dann Richtung Osten aufzubrechen.

Unsere Arbeit beginnt in Valaichchenai im Batticaloa-Distrikt. Die Menschen hier leiden wie in den anderen östlichen Distrikten auch einerseits unter dem erneut anschwellenden Konflikt zwischen der LTTE und der Zentralregierung. Hinzukommt, dass auch noch eine Chikingunya-Epidemie unter der Bevölkerung grassiert. Die Krankheit ist zwar in den seltensten Fällen tödlich, doch schon in diesem Städtchen hätte es in 2006 über 20 Todesfälle gegeben. Außerdem lähmt schon die Angst vor einer Ansteckung das öffentliche Leben. Hinzu kommt dann noch der Mangel an Arbeitsmöglichkeiten. Die meisten Familien im Ort leben von der Fischerei und der Landwirtschaft. Doch auf beide Arbeitsfelder ist hier kein Verlass. „Mal sind es die Soldaten, die uns nicht auf die Felder oder auf das Wasser lassen, mal ist es die LTTE“, sagt der mittlerweile greise Raschid. „Seit 22 Jahren dauern die Kämpfe nun schon an und machen alles kaputt“, klagt der alte Mann. Viel Arbeit gibt es hier schon lange nicht mehr. Selbst Raschid musste 10 Jahre lang in Saudi Arabien arbeiten, um sich eine Existenz aufzubauen. „Gereicht hat es trotzdem nicht“, sagt er. Und die Not ist fast überall zu sehen. Fast Zehntausend Familien sind es hier, an die das Opfertierfleisch verteilt wird. Relativ zur Bevölkerungszahl wird diese Bedürftigenzahl wohl nur in der Region Puttalam mit ihren fast Hunderttausend Flüchtlingen übertroffen.

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