Gemeinschaft

Beust nimmt am Iftar-Essen teil und signalisiert Bereitschaft zum Staatsvertrag mit Muslimen

11. Oktober 2006

Am 4. Oktober hat das „Bündnis der Islamischen Gemeinden in Norddeutschland e.V“ (BIG) in der Hamburger Centrums-Moschee ein Iftar-Essen (traditionelles Fastenbrechen) organisiert. An dem Essen nahmen zahlreiche prominente Gäste teil, unter ihnen auch der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust, Islamratsvorsitzender Ali Kizilkaya, IGMG-Generalsekretär Oguz Ücüncü, der Generalkonsul der USA Butcher Duane, Ibrahim Al-Zayat von der Islamischen Religionsgemeinschaft (IR) sowie mehrere SPD- und CDU-Politiker. Der Vorsitzende des BIG, Ramazan Ucar, hielt eine Rede und erklärte darin, dass der Ramadan für die Muslime auch eine Zeit der Nachbarschaft und des Friedens sei und dass die Muslime in Deutschland es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben ansahen, den gesellschaftlichen Frieden zu unterstützen. Ucar rief zur gegenseitigen Toleranz und Respekt auf. Dies funktioniere jedoch nur über Begegnung, Dialog, Austausch und die Bereitschaft einander zuzuhören, sagte er.

In Bezug auf die Prophetenkarikaturen und der aus Angst abgesetzten Oper „Idomeneo“ sagte Ucar, dass Muslime das Recht dazu hätten, ihren Unmut zivilisiert zu äußern. Gleichzeitig stellte er aber klar, dass gewaltsame Ausschreitungen und Androhungen von Gewaltanwendung unentschuldbar und nicht mit dem Islam zu rechtfertigen seien.

Ucar betonte, Muslime lehnten alle Praktiken, darunter auch Ehrenmorde und Zwangsehen, ab, die gegen die Menschenrechte verstoßen. Religionsfreiheit, die körperliche Unversehrtheit des Menschen und die Gleichberechtigung von Mann und Frau seien schon immer ein Teil des Islam gewesen. „Wir Muslime sind Teil der pluralistischen deutschen Gesellschaft, die Prinzipien der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gelten für uns ebenso und stellen keinen Widerspruch zu unserem islamischen Verständnis dar“, sagte der BIG-Vorsitzende.

Ucar äußerte auch seinen Wunsch dem Islam als Religionsgemeinschaft eine rechtlich anerkannte Position zu geben. „Hamburg hat mit den Kirchen Staatsverträge abgeschlossen. Es ist an der Zeit, darüber nachzudenken, die Beziehungen zwischen Stadt und Muslimen auch in dieser Weise verbindlich zu regeln“, sagte er. Daraufhin erklärte der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust: „Für solche Gespräche sind wir sofort zu haben.“ (hv)

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