Pressemitteilung

Botschaft des IGMG-Vorsitzenden zum islamischen Neujahr

29. Dezember 2008

„Die Hidschra stellt einen bedeutenden Wendepunkt in der Geschichte des Islams dar –  einen so wichtigen, dass dieser Tag zum Beginn der islamischen Zeitrechnung wurde. Denn durch die Auswanderung konnte der Unterdrückung, der die Muslime in Mekka ausgeliefert waren, ein Ende gesetzt werden. Gleichzeitig kann die Hidschra als eine Auferstehung des Islams angesehen werden. Denn durch dieses Ereignis konnte verhindert werden, dass der Islam in Mekka im Keim erstickt wurde, noch bevor er seine Botschaft der Welt verkünden konnte. Insoweit ist es nachvollziehbar, dass siebzehn Jahre nach der Hidschra beschlossen wurde, diesen Tag zum Beginn des „Hidschri-Kalenders“ zu machen.

Wenn wir die dreizehnjährige Periode des Gesandten Gottes in Mekka als Reifungsstadium des Islams sehen, ist die Hidschra die wahre Geburtsstunde unserer Religion. Dieses Ereignis war zugleich auch der Anfang einiger besonderer Regelungen, die unser Prophet in Medina einführte: Da wäre zum einen der Vertrag von Medina, den der Gesandte Gottes mit den verschiedenen Stämmen Medinas schloss. Ein vergleichbares Abkommen war bis dahin nicht bekannt. Die wichtigste Erkenntnis, die wir aus diesem Vertrag ziehen können, ist, welche Bedeutung der Islam dem friedlichen Zusammenleben verschiedener Religionen beimisst. Des Weiteren muss das Band der Brüderlichkeit zwischen den aus Mekka eingewanderten Muslimen (Muhâdschirûn) und den in Medina lebenden Helfern (Ansâr) genannt werden, dass der Prophet nach der Hidchra knüpfte. Eines der bedeutensten Bestimmungen dieses Bandes war, dass jeder Ansâr seinen Besitze mit seinem mekkanischen Bruder teilte. Schon diese beiden Regelungen sind ausreichend, um zu zeigen, weshalb es durchaus treffend war, die Hidschra zum Beginn der islamischen Zeitrechnung zu machen.  Noch in unserer Zeit, müssen wir uns fragen: Bedürfen wir nicht auch heute dieser beiden Regelungen des Gesandten Gottes?

Stattdessen machen die unverhältnismäßigen und vernichtenden Angriffe des israelischen Staates, das ohnehin beschwerliche Leben der palästinensischen Muslime zu einer Qual, so dass sie stetig um ihr Leben fürchten müssen. Erschreckend ist vor allem, dass die Menschheit diese Attacken stillschweigend beobachtet, die Verteidiger der Menschenrechte, die sich ansonsten zu allererst zu Wort melden, schweigen und parteiische Regierungsoberhäupter mit Gleichgültigkeit darauf reagieren.
Jedoch unterscheidet sich die Reaktion der muslimischen Welt davon kaum. Während in Palästina die Menschlichkeit mit Füßen getreten wird, traut man sich nicht einmal das israelische Vorgehen zu verurteilen oder gar das durch hunderttausende Flüchtliche an der eigenen Grenze verursachte menschliche Drama zumindest durch humanitäre Hilfe etwas zu stillen.

Aber nur wenn wir uns unserem Band der Geschwisterlichkeit erneut bewusst werden, kann der Tag der Hidschra wieder seine eigentliche Bedeutung für uns erfüllen. In diesem Sinne möchte ich allen meinen Brüdern und Schwestern zu diesem traurigen islamischen Neujahr gratulieren. Möge Allah die Unterdrückten in der islamischen Welt und insbesondere in Palästina befreien.“

Voritzender der IGMG
Yavuz Çelik Karahan

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