Freitagspredigt
Charakterbildung im Koran
02. April 2026
Verehrte Muslime!
Der Koran ist wie ein göttliches Lexikon. Er macht Glauben und Moral zum Fundament unseres Lebens. Durch das Lesen des Korans sollen wir uns zu Menschen entwickeln, die bewusst glauben, bewusst denken und bewusst leben. Und aus diesen bewussten Menschen entsteht eine bewusste Gemeinschaft.
Ein Pfeiler dieser bewussten Gemeinschaft ist der Tawhîd. Das ist der Glaube an die Einheit, also dass Allah einer ist und dass es keine anbetungswürdige Gottheit außer ihm gibt. Es geht darum, Schöpfer und Geschöpf ins angemessene Verhältnis zu setzen. Wenn ein Mensch wirklich verinnerlicht, dass er Allahs Diener ist und dass alle Macht und Herrschaft allein Allah gehört, dann wird er zu einem wahrhaft gläubigen Menschen. Wer Allah zum Mittelpunkt seines Herzens macht, überwindet seinen Hochmut und spürt, dass er Verantwortung trägt, sowohl vor Allah und auch den Menschen.
Der zweite Pfeiler ist der Glaube an das Jenseits. Wer weiß, dass dieses Leben vergeht und dass jedes Wort und jede Tat auf die Waagschale gelegt wird, der lebt bewusster und maßvoller. Allah selbst beschreibt solche Menschen im Koran: „Die Gläubigen wissen, dass sie ihrem Herrn begegnen und dass sie zu ihm heimkehren werden.“[1] Und als Gläubige wissen wir: An jenem Tag wird das, was wir tun, vollständig entlohnt. Allah weiß genau, was wir alle tun.
Liebe Geschwister!
Im Koran wird uns Moral nicht nur durch Worte und Gebote vermittelt, sondern durch lebendige Menschen vor Augen geführt; dies sind die Propheten. Sie sind die schönsten Vorbilder für uns, weil sie Menschen waren wie wir. Über seinen letzten Propheten sagt Allah: „Und du bist fürwahr von edler Natur.“[2] Selbst sagte unser Prophet (s), dass er gesandt wurde, um das Wissen über „den schönen Charakter vollkommen zu machen.“[3]
Verehrte Gläubige!
Allah hat die schönsten Namen! Er ist der Barmherzige, der Gerechte, der Sanftmütige, der Vergebende. Sie sind ein Maßstab, an dem wir uns orientieren sollen. Denn je mehr wir Allah kennenlernen, desto mehr verändert uns dieses Wissen: Wir werden nachsichtiger, barmherziger, gerechter. Wir nehmen, wie es im Koran heißt, die Farbe Allahs an. Im Tasawwuf heißt es: „Schmücke dich mit dem Charakter Allahs.“ Die koranische Moral hört nicht beim Einzelnen auf. Sie geht weiter – vom Individuum zur Gesellschaft, von der Gemeinde zur gesamten Umma. Wer ein Mensch sein will, mit dem Allah zufrieden ist, der will auch Teil einer Gemeinschaft sein, mit der Allah zufrieden ist.
Geboten ist uns: das Gute zu fördern und vom Schlechten abzuhalten, niemanden zu verdächtigen, keinen Schaden anzurichten, einander als Geschwister zu begegnen und bei Streit auf gerechten Ausgleich hinzuwirken. Verboten ist uns: andere zu verspotten, Unfrieden zu säen, den Glauben anderer zu beschimpfen und einer Mehrheit zu folgen, die nicht dem Wahren folgt. Wer das beherzigt, trägt zu einer Gesellschaft bei, in der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit gelebt werden. Beenden wir unsere Hutba mit einem Duâ: O Allah! Mache uns zu Menschen, die sich mit dem koranischen Charakter schmücken und mit denen du zufrieden bist. Âmîn.
[1] Sure Bakara, 2:46
[2] Sure Kalam, 68:4
[3] Buhârî, Adab al-Mufrad, 273






