Freitagspredigt

Der Umgang mit unseren Mitmenschen

31. Juli 2015 Koran Tasbih Rot
Koran Tasbih Rot

Verehrte Muslime!
Der Umgang mit unseren Mitmenschen bestimmt ihre Sichtweise uns gegenüber – und zwar gegenüber unserer Person und gegenüber unserer der Gemeinschaft. Als Person kann ich Ich sein, aber meine Verhaltensweisen können Grund für Hass oder Sympathie gegenüber meiner Religion sein.

Liebe Geschwister!
Unser Verhalten sollte immer vorbildlich sein. Das Gute beseitigt Feindschaften und wird von Allah reichlich belohnt. Im Koran lesen wir dazu folgendes:„Das Gute und das Böse sind fürwahr nicht gleich. Wehre (das Böse) mit Besserem ab, und wer mit Bösem kommt – jene die Böses tun, belohnen wir nur nach ihren Taten.“[1] „Und Allah liebt die Gutes Tuenden.”[2] Ob ihr Gutes zeigt oder verbergt oder Böses vergebt, siehe, Allah ist nachsichtig und mächtig.“[3] „Wer mit Gutem kommt, soll Besseres dafür erhalten.“[4]

Verehrte Muslime!
Diese und viele andere Koranverse zeigen, dass ein Muslim ein beispielhaftes Verhalten im Umgang mit seinen Mitmenschen zeigen sollte. Ein Muslim ist jemand, dessen Charakter und Lebenseinstellung positiv hervorsticht.

Doch welche Eigenschaften hierfür? Die erste Eigenschaft ist „Hayâ“, das Schamgefühl. „Hayâ“ ist eine geistig-seelische Versicherung gegen jede Art von Schlechtem. Unser Prophet sagte: „Das Schamgefühl kommt vom Glauben.“[5] und fasste die Ethik des Islams wie folgt zusammen: „Jede Religion hat ihre eigene Ethik. Die Ethik des Islams ist die Schamhaftigkeit.“[6] „Hikma“ (Weisheit) ist die zweite Eigenschaft. Der Begriff steht im Spannungsfeld von persönlichem Vorteil und allgemeinem Interesse.[7] Wessen Handlungen von „Hikma“ gekennzeichnet sein sollen, muss sich so verhalten, das jeder ihn nachahmen möchte.

Die dritte Eigenschaft für ein gutes Verhältnis zu unseren Mitmenschen ist „Muhabba“ (Liebe). Die wertvollste Liebe ist gewiss die gegenüber Allah und dem Propheten. Wie erkennt man, ob jemand Allah und den Propheten liebt? Die kurze Antwort hierauf lautet: Wenn sich jemand Allah und dem Propheten verbunden fühlt und ihren Befehlen ohne Zögern folgt. Wichtig ist: Allah und den Propheten zu lieben geschieht nicht mit Worten, sondern mit Taten.

Die vierte Eigenschaft ist „Zarafa“, das heißt, Taktgefühl im Umgang mit unseren Mitmenschen. Jemand, der „Zarafa“ besitzt, sucht Wege, die in die Herzen der Menschen führen. Die Herzen für sich zu gewinnen ist der wichtigste Aspekt im zwischenmenschlichen Umgang. Denn niemals erreichen wir den Intellekt eines Menschen, dessen Herz wir nicht erreichen können.

Die fünfte Eigenschaft ist „Ziyâfa“, die Gastfreundschaft, das heißt, Gäste zu empfangen und sie zu bewirten. Das gemeinsame Essen mit Bekannten schafft eine freundschaftliche Vertrautheit. Solche Gelegenheiten sind zugleich wichtige Momente für die Entstehung von Geschwisterlichkeit.

Die sechste und letzte Eigenschaft ist „Ziyâra“, der Besuch. Der Besuch öffnet die Tür zur Freundschaft. Auf diesem Wege werden Distanzen aufgehoben, man steht sich Auge in Auge gegenüber. Dies ist vor allem in schweren Zeiten wichtig. So werden wir jemanden, der uns besucht hat, als wir krank oder traurig waren, niemals vergessen.

Allah möge uns zu seinen Dienern zählen, die sich diese Eigenschaften zu eigen machen!

[1] Sure Fussilat, 41:34, Sure Mu’minûn, 23:96
[2] Sure Âli İmrân, 3:148
[3] Sure Nisâ, 4:149
[4] Sure Kasas, 28:84
[5] Buhârî, Adab, 77
[6] Ibn Mâdscha, Zuhd, 17
[7] Elmalılı Hamdi Yazır, Hak Dini, Kur’an Dili, Bd. II, S. 925

pdf: Hutba: Der Umgang mit unseren Mitmenschen

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