Gemeinschaft

Der Zakât-Fond

01. März 2007

Die Zakât ist einer der fünf Grundpfeiler der islamischen Glaubenspraxis und ist durch den Koran und die Sunna des Propheten festgelegt worden.

 

„Nimm von ihrem Vermögen eine Spende, um sie dadurch zu reinigen und zu läutern.“ [9:103]

Wie alle Gottesdienste, hat auch die Zakât einen Sinn und Zweck. Es ist eine Art sich bei Allah für seine Gaben zu bedanken. Die Zakâtabgabe mindert nicht das Vermögen, im Gegenteil, sie vermehrt es. Denn Allah sagt im Koran:

„Wahrlich, wenn ihr dankbar seid, will ich euch (noch) mehr geben.“ [14:7]

Die Zakât schützt den Menschen vor Geiz und Habgier und leitet zur Großzügigkeit und Barmherzigkeit an. Es stärkt die Solidarität zwischen den Armen und den Wohlhabenden. Es befreit die Bedürftigen von ihren Leiden und schützt die Gesellschaft vor Armut. Die Zakâtabgabe fördert die Liebe und den Respekt zwischen den Bedürftigen und den Wohlhabenden; stärkt die Nächstenliebe und schließt die Distanz zwischen ihnen. Es behindert Neid, Missgunst und Eifersucht zwischen den Bedürftigen und den Begünstigten. Ein anderer Name für die Zakât ist die „Sadaka“.

Sadaka bedeutet, innere Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Die Sadaka soll dazu beitragen, dass die Gläubigen sich in ihrem Glauben festigen und ihre Aufrichtigkeit im Glauben bewahren. Deshalb sagt unser Prophet auch in einem Hadîth: „Die Sadaka ist der Beweis des Glaubens“ (Muslim)

Kein Wohlhabender wird ärmer, wenn er von seinem Vermögen zweieinhalb Prozent den Bedürftigen spendet. Aber generell befreit dieser Anteil den Bedürftigen von dem Armutstand. Aber leider verrichten heute viele Wohlhabende diese Pflichtabgabe nicht und die Schere zwischen Arm und Reich wächst an. Über solche, die ihre Zakâtsteuer nicht zahlen sagt Allah im Koran:

„“¦ Aber wer da Gold und Silber hortet, statt es auf Allahs Weg auszugeben Ihnen verheiße schmerzliche Strafe. An einem Tage, da das (Edelmetall) im Höllenfeuer glühend gemacht wird: Gebrandmarkt werden sollen damit ihre Stirnen, Seiten und Rücken. »Das ist es, was ihr für euch gehortet hattet; so kostet, was ihr gehortet habt!“ [9:34] [9:35]

Da die Zakât ein Gottesdienst ist, die man nur mit seinem Vermögen verrichten kann, ist sie auch nur für diejenigen auferlegt worden, die die finanziellen Mittel dazu haben. Außerdem muss diese Person auch frei, bei Verstand und die körperliche Reife erlangt haben. Auch muss diese Person dem islamischen Glauben angehören. Die Zakâtsteuer wird auf drei Arten von Vermögen erhoben. Diese sind Handelsgüter, Ersparnisse von Geld, Gold, Silber und auf den Wiesen weidende Viehherden. Wenn ein Muslim also außer seinem grundlegenden Bedürfnissen und Schulden noch 80gr. Gold, 560gr. Silber, 40 Schafe oder Ziegen, 30 Viehe oder 5 Kamele besitzt, ist er dazu verpflichtet die Zakatabgabe zu zahlen.

Laut dem Koran, haben auf die Zakât acht Gruppen von Menschen Anspruch:

„Die Almosen sind nur für die Armen und Bedürftigen und die, welche sich um die Verwaltung (der Almosen) bemühen, und die, deren Herzen gewonnen werden sollen, und für die Gefangenen und die Schuldner und die Sache Allahs und den Reisenden. (Das ist) eine Vorschrift von Allah. Siehe, Allah ist wissend und weise.“[9:60]

Es ist auch angemessen heutzutage diejenigen mit dem Zakât zu unterstützen, die auf dem Wege Allahs sich bemühen und sich anstrengen Allah zu dienen, dafür aber keine finanziellen Möglichkeiten zur Verfügung haben. Es ist äußerst wichtig die Zakâtabgaben einzunehmen und diese gerecht zu verteilen. Zur Zeit des Propheten wurde die Zakât direkt durch seine Anordnungen eingezogen. Der Prophet bestimmte damals auch über die Art und Höhe des Zakâts. Danach bestimmte er die Zakâtbeamten; lehrte ihnen, wie man die Zakat einzieht und gab ihnen schriftliche Anordnungen. Denn damals gab es in der muslimischen Gemeinde keine anderen Abgaben.

„Der Islam ist auf fünf grundlegende Pfeiler aufgebaut worden, einer dieser Pfeiler ist die Zakât.“ (Buchârî, İmân, 19-22; Tirmizî, İmân,3; Nasâî, İmân, 13)

Also wurde die Zakateinnahme die Aufgabe des Staates, von dort wurde über die Verteilung je nach Bedarf geregelt. Also trafen sich die Bedürftigen mit den Begünstigten nicht direkt, sondern die Abgaben wurden durch den Staat verteilt.

Deshalb ist es heute auch effektiver und durchgreifender, dass man die Zakât über Hilfsorganisationen und Vereine verrichtet. Allerdings ist es hierbei sehr wichtig, dass diese Organisation oder Verein von Muslimen gegründet und Muslimen geleitet wird. Außerdem müssen diese sich in den Zakât-Angelegenheit auskennen und sich dessen Verantwortung bewusst sein. Denn die Zakât ist ein Gottesdienst und es ist wichtig, dass es den Vorraussetzungen und Regeln gemäß vollzogen wird.

In diesem Bereich ist die islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) europaweit gut organisiert und verfügt über ein Zakât- und Fitra-Fond. In fast allen armen Ländern unterstützt sie mit diesem Fond die Bedürftigen, Armen, Benachteiligten, muslimische Bildungseinrichtungen und muslimische Studenten. Sie versucht in allen Gebieten und Bereichen, in denen für Allah gedient wird, ihre Hilfen zu vermitteln und ihre helfende Hand zu reichen. Die Zakât ist ein Gottesdienst, mit der die soziale Gerechtigkeit gewährleistet und gesichert werden kann.

„Verrichtet das Gebet und zahlt die Zakât“ [2:110]

Neben der Zakât und Sadakaabgabe gibt es noch die „Zakâtul-Fitr“, die Fitra. Die Fitra ist eine Abgabe an Bedürftige zum Ramadanfest, welche auch vor dem Fest im Verlauf des Ramadanmonats abgegeben werden kann. Die Höhe der Zakâtul-Fitr wird jedes Jahr für jedes Land entsprechend der Kaufkraft der jeweiligen Landeswährung neu festgelegt. Sie richtet sich nicht nach den persönlichen Vermögensverhältnissen, sondern entspricht etwa dem Gegenwert für eine einfache Mahlzeit im jeweiligen Land.

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