Freitagspredigt

Die Persönlichkeit des Propheten Muhammed (saw) – Hutba

30. April 2004

Liebe Brüder,

Wir befinden uns kurz vor dem Abend, der für uns den Geburtstag unseres geliebten Propheten Muhammed (saw) darstellt. Am morgigen Abend wird der Geburtsabend des Propheten begangen. Möge er uns allen ein Segen sein.
Anlässlich dessen wird unsere dieswöchige Hutba von ihm handeln. Dabei sollte er gerade unseren jüngeren Muslimen als ein strahlendes Beispiel und Vorbild dienen. Es ist aber natürlich unmöglich, dies sei vorneweg angemerkt, auch nur eine Facette aus dem Leben des Propheten in eine Hutba zu zwängen.

Die hohen Charaktereigenschaften des Propheten und seine von diesem Charakter geprägte Persönlichkeit waren zweiffellos mit eines der Gründe für den großen Erfolg der ersten Gemeinschaft. Sein Charakter und seine Persönlichkeit war zweifellos von der göttlichen Erziehung geprägt. So heißt es in der Sure Kalem: „Und du bist führwar von edler Natur.„(Al-Kalam 68, 4) In Hadithen des Propheten sagt er selbst über sich: „Mich hat mein Herr erzogen und er hat mich gut erzogen.„( El-Camiu’s Sagir, 25, H.N. 310) Und in einem weiteren Vers: „Und dank der Barmherzigkeit Allahs warst du gütig zu ihnen. Wärst du aber grob und hartherzig gewesen, so wären sie von dir davonlaufen.„(Ali Imran 3, 159) Aufgrund dieser Persönlichkeit versammelten sich auch die Menschen um ihn und es gibt wohl kaum eine andere Person die von seinen Freunden dermaßen geliebt wurde.

Auch vor seiner Prophetie war Muhammed (saw) mit einem vorzüglichen Charakter ausgestattet. Schon in dieser Zeit gab man ihm den Beinamen „sadiq-ul emin„ (aufrichtig und vertrauensvoll). Selbst in seiner Jugend hielt er sich von den schlechten Angewohnheiten und Sitten seiner Altersgenossen fern und beugte sich nie den Götzen seiner Heimatstadt. Nach dem ihm die Aufgabe des Propheten gegeben worden war, gab es welche die dies annahmen, es gab aber auch welche die ihn ablehnten. Aber selbst die, die seine Prophetie leugneten, konnten nicht negatives bezüglich seiner Aufrichtigkeit und seiner Ehrlichkeit sagen.

Verehrte Brüder und Schwestern,

Der Islam breitete sich sehr schnell aus. Der Prophet besaß als religiöser und als weltlicher Führer eine sehr große Macht und Autorität. Doch nie zeigte der Prophet Allüren, wie wir sie von Königen und Fürsten kennen. Er zog es weiterhin vor, seine Angelegenheiten selbst zu regeln, seine Löcher in der Kleidung selbst zu stopfen, seine Schafe selbst zu melken und weiter zusammen mit seinen Bediensteten zu essen. Er war für seine Gefährten sowohl ein Wegweiser, als auch Weggefährte. Wenn er sich zu ihnen gesellte, erwartete er nicht stehend empfangen zu werden, noch dass man ihm einen Platz freihält; er saß sich dorthin wo es Platz gab und unterhielt sich mit ihnen, als wäre er einer von ihnen. Er scherzte mit ihnen, spielte mit ihren Kindern. Er nahm jede Einladung an, unabhängig davon von wem sie kam und besuchte jeden, von dem er hörte, dass er krank sei.

Er war nicht nur respektvoll gegenüber den Muslimen, auch Nicht-Muslime, insbesondere die Angehörigen der Buchreligionen behandelte er mit Respekt. Er nahm ihre Einladungen an und lud auch diese zu sich ein. Ein christliche Gesandtschaft nahm er in seiner Moschee in Empfang und breitete unter dem Leiter der Delegation, einem Priester, sein eigenes Gewand aus.

Er legte nicht viel Wert in irdische Bedürfnisse und zog die Bedürfnisse anderer seiner eigenen vor. Er dachte nicht daran, sich etwas für den Morgen zurückzulegen. Selbst bei seinem Tod war seine Rüstung bei einem jüdischen Händler gegen Verpflegung für seine Familie in Sicherheitsverwahrung. Er lebte ein bescheidenes Leben, fern von Luxus und Pomp.

Der Prophet (asw) besaß eine hohe Intelligenz, eine tiefe Erkenntniskraft und eine schnelle Auffassungsgabe. Auch wenn er mit großen Problemen konfrontiert wurde, ließ ihn das nicht verzweifeln. Zweifellos hat er einen sehr großen Mut gehabt. Selbst in den heißensten Phasen von Schlachten zog er sich nicht zurück und blieb an forderster Front. Während der Schlacht von Handak, die in eine Dürrezeit fiel, band er sich zwei Steine um den Bauch, während bei den anderen ein Stein noch ausreichte.
Er lebte ein offenes Leben, ohne Geheimniskrämereien und ohne jeglichen Makel. Selbst nicht-muslimische Orientalisten konnten in seinem Leben nichts Vorwerfbares ausmachen. Er schlug die Offerte von Geld, Frauen und Macht aus, um seiner Aufgabe weiter nachzugehen. Er rückte keinen Millimeter von dem Einheitsglauben ab und verschloss schon im voraus alle Wege, die zu einer Vergöttlichung des Propheten führen könnte. Auch wenn er als „Barmherzigkeit für die Welten„ gesandt worden ist, so zog er es immer vor, als „dienender Prophet„ gesehen zu werden.

Er ist uns auch ein Beispiel in guten Taten, im Vergeben und in der Barmherzigkeit. An dem Tag seiner größten Macht, zeigte er gegenüber denen, die Vergeltung verdient hatten, Vergebung. Wenn er etwas gutes tun wollte, fing er bei den Schwächsten an. Er zog die „Ashab-i Suffa“ selbst seiner eigenen Tochter vor. Was er sich für seine Gemeinschaft nicht wünschte, das wünschte er auch nicht für sich.

Verehrte Brüder,

Wie schon gesagt, es ist kaum möglich den Propheten, selbst nur eine Facette aus seinem Leben in einer Hutba zu behandeln. Ich will meine Hutba aus diesem Grund mit einem Vers beenden, dass sein Verhalten gegenüber seiner Gemeinschaft erklärt: „Wahrlich, nun kam bereits ein Gesandter aus eurer Mitte zu euch. Schwer liegen eure Missetaten auf ihm. Fürsorglich ist er für euch! Gegenüber den Gläubigen (aber) ist er gütig und barmherzig.„(At-Tauvba 9, 128)
 
IGMG SEELSORGE-ÖFFENTLICHKEITSARBEIT