Freitagspredigt

Erlaubt, aber unliebsam: die Scheidung

04. Mai 2012

Verehrte Muslime,

Allah hat die Frau und den Mann erschaffen, damit sie gemeinsam ihr Leben teilen. Der Koran sagt dazu: „Und unter seinen Wundern ist dies: Er erschafft für euch Partnerwesen aus eurer eigenen Art, auf dass ihr ihnen zuneigen möget, und er ruft Liebe und Zärtlichkeit zwischen euch hervor: hierin, siehe, sind fürwahr Botschaften für Leute, die denken!“ (Sure Rûm, [30:21]) Aus diesem und auch anderen Gründen ermutigt der Islam zur Eheschließung und verbietet unerlaubte, also uneheliche Beziehungen.

Liebe Geschwister,

viele Familien werden heutzutage mit unterschiedlichen Problemen konfrontiert. Schauen wir uns einmal die Scheidungsgründe von Ehepaaren an, bemerken wir schnell, dass kulturelle Unterschiede, Egoismus, Respektlosigkeit, Verantwortungslosigkeit, familiäre Gewalt, Kommunikationsschwierigkeiten und ein Hang zum Luxus und zur Verschwendung sowie finanzielle Probleme eine große Rolle spielen. Dazu kommt noch, dass das Familienleben auch durch die Medien beeinflusst wird. Scheidungen und das Leben als Single werden hier oft als etwas ganz Normales dargestellt.

Unser Prophet beschreibt die Scheidung als das Unliebsamste unter den erlaubten Dingen .“ (Abû Dawûd, Talak, 3) Trotzdem steigt die Scheidungsrate. Finanzielle und seelische Probleme bei den betroffenen Familien und vor allem bei den Kindern sind Folgen von Scheidungen. Dann sehen wir auch noch, wie soziale Netzwerke vor allem Jugendliche dazu treiben, Dinge von sich preiszugeben, die sie sonst nicht preisgeben würden. Dadurch legen sie ihre Privatsphäre offen und betrachten ihr Handeln als Freiheit.

Verehrte Muslime,

das alles kann dazu führen, dass viele junge Menschen mit entsprechenden, teils naiven Vorstellungen auf das Eheleben blicken. Sie erwarten ein problem- und verantwortungsloses Leben, ohne viel Aufwand und Anstrengung. Oder genau andersrum: Sie sehen die Ehe als eine Bindung, die nur aus Verantwortungen und Aufgaben besteht und möchten erst gar nicht heiraten. Doch so, wie es auch in anderen Bereichen des Leben ist, birgt die Ehe sowohl Verantwortung als auch Erleichertung. Nur wenn das beherzigt wird, kann folgender Vers verstanden werden, der die Beziehung zwischen Ehepartnern beschreibt: Sie sind euch ein Gewand (Geborgenheit) und ihr seid ihnen ein Gewand.“ (Sure Bakara, [2:187])

Die beste Möglichkeit, Scheidungen zu verhindern ist erst einmal ein gutes familiäres Umfeld. Zudem muss den jungen Menschen eine realistische Vorstellungen von der Ehe gegeben werden. Sie müssen verstehen, dass eine glückliche Ehe nur durch Tugenden wie Opferbereitschaft, Geduld, Dankbarkeit, Verantwortungsbewusstsein, Genügsamkeit, Respekt und Nachsicht und einen guten Charakter aufrechterhalten und gepflegt werden kann. Deshalb sollten Möglichkeiten geschaffen werden, um die Fragezeichen in den Köpfen unserer Jugendlichen zu beseitigen. Wir müssen ihnen ihre Sorgen mit Rat und Tat nehmen, um so die Gründung gesunder Ehen zu ermöglichen.

IGMG-Irschadabteilung

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