Gemeinschaft

Für unsere Kinder: Die IGMG-Sommerschulen

06. Juli 2009

Für die Muslime in Europa hat die religiöse Erziehung ihrer Kinder einen hohen Stellenwert. Die Moschee ist einer der Orte, an dem diese Erziehung stattfindet. Dort wird der Islam gelehrt und gleichzeitig praktiziert. Viele islamische Gemeinschaften bieten gleich mehrere Projekte für Kinder an. Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs bietet seit geraumer Zeit Kindern und Jugendlichen an, ihre Schulferien für Sommerkurse zu nutzen. Der Bildungsabteilungsleiter der IGMG, Mehmet Gedik, erklärte, dass die Sommerschulen das Ziel haben, den Kindern spielerisch den Islam näher zu bringen.

igmg.de: Herr Gedik, die Sommerschulen stoßen besonders unter den türkischen Muslimen auf Interesse. Können sie kurz erläutern, was die Ziele dieser Kursangebote sind?

Mehmet Gedik: Als islamische Religionsgemeinschaft gehört es zu unseren selbstverständlichen Aufgaben, unseren Kindern eine islamische Identität zu vermitteln. Europaweit haben wir die Sommerschulen in diesem Sinne aufgebaut und von Jahr zu Jahr stetig erweitert.

Was beabsichtigen sie konkret mit diesem Angebot?

Wir wünschen uns, dass die Kinder und Jugendlichen während ihrer Sommerferien an unseren Kursen teilnehmen. Die Kinder erfahren in diesen Kursen insbesondere eine islamische Erziehung und Bildung.

Wird ausschließlich religiöses Wissen vermittelt?

Hier ist es wichtig zu sagen, was wir mit der Vermittlung von religiösem Wissen meinen. Wir sind uns schon bewusst, dass die Kinder in dieser Zeit Ferien haben. Es ist unser Bemühen, das Gleichgewicht zwischen Freizeit und Lernen  zu bewahren. Die Besonderheit des Lehrplans ist, dass Spaß und Wissensvermittlung miteinander verknüpft werden. Neben dem Unterricht bieten unsere Kurse viele andere Aktivitäten an, bei dem der Spaßfaktor im Vordergrund steht; Handarbeit, Ausflüge und Sport sind einige davon. Zusätzlich lernen die Kinder, wie sich die Religion auf das Leben auswirkt.

Das heisst?

Wenn wir uns das Familienleben unserer Kinder anschauen, erkennt man, dass das Bewusstsein für Solidarität und die Erfordernis des Teilens oftmals nicht hinreichend ausgeprägt sind. Die Kinder haben ihre eigenen Sachen, ihre eigenen Zimmer und Computer. Sie verfügen über vielerlei Sachen, doch leider wissen sie oft nicht, wie man teilt. In den Sommerkursen schließen die Kinder und Jugendlichen neue Freundschaften. Unvermeidlich kommt es oft zu Situationen, in denen sie das Teilen lernen. Es wird zusammen gegessen, man besucht die Kurse gemeinsam und macht Ausflüge in Gruppen. All das Erlebte, hilft dem Kind dabei, ein Solidaritätsgefühl zu entwickeln und es zu stärken.

Wie ist das Feedback der Eltern?

Gott sei dank positiv. Generell teilen uns die Eltern bei den Abschussveranstaltungen der Sommerschulen ihre Meinungen mit. Ausgehend davon kann ich sagen, dass die Eltern weitgehend zufrieden sind.

Gibt es überhaupt keine Kritik?

Natürlich gibt es die. Vor allem was die Infrastruktur der Veranstaltungsorte angeht.

Die deutsche Mehrheitsgesellschaft begegnet mit Vorurteilen den Kursen, die die islamischen Gemeinschaften organisieren. Woran liegt das?

Ich hatte schon anfangs etwas kurz über unsere Aufgabe als islamische Gemeinschaft gesagt. Muslime in Deutschland sind eine Realität, wir sind ein Teil dieser Gesellschaft. Alles, was die Muslime betrifft, gehört zu dieser Realität. Als eine islamische Religionsgemeinschaft, ist es unsere natürliche Aufgabe, die umfassende Glaubensverwirklichung  der Muslime in Deutschland und Europa zu gewährleisten. Meiner Ansicht nach sind diese Vorurteile politischer Natur. Es wäre viel vorteilhafter für dieses Land, wenn die deutsche Gesellschaft uns dabei unterstützen würde, bessere Dienstleistungen für muslimische Kinder und Jugendliche anzubieten.

Es gibt aber Befürchtungen hinsichtlich einer Parallelgesellschaft.

Die vorgebrachten Befürchtungen sind nicht begründet. Es wäre wünschenswert, dass die Personen, die das äußern, Fakten vorlegen würden, anstatt Vorurteile zu verbreiten.

Wenn die Sommerschulen nach den von ihnen genannten Erfahrungen ausgewertet würden, was für ein Plus wäre das für die Gesellschaft?

Um diese Frage beantworten zu können, muss erst ein Mal geklärt werden, welche Probleme die Sommerschulen zu bewältigen haben. Wie wir wissen, ist eines der Hauptprobleme der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund die Identitätsfindung. Kinder, die dieses Problem nicht teilweise aus der Welt schaffen, werden später entweder kriminell und schaden der Gesellschaft oder verfremden und entfernen sich von ihr. Wenn wir und dies vor Augen halten, dann erkennen wir, dass die Sommerschulen, die der Identitätsfindung Bedeutendes beisteuern, ein Gewinn für die Gesellschaft sind.

Nehmen wir an, es wird die Frage aufgeworfen, warum der Unterricht auf Türkisch ist?

Dazu gibt es eine klare Antwort: Wir wollen, dass unsere Kinder ihre Muttersprache einwandfrei beherrschen und sie nicht vergessen. Studien belegen, dass das Erlenen der Muttersprache nicht das Erlenen einer zweiten Sprache behindert. Wir unterstützen die Kinder dabei, die deutsche Sprache gut zu sprechen. Unserer Meinung nach sind die Muttersprache und die Landesprache zwei sich ergänzende Teile. Davon abgesehen, haben wir Kurse, in denen auf Deutsch unterrichtet wird.

Können sie darauf näher eingehen?

Wir haben einige Klassen, in denen auf Deutsch oder Französisch gelehrt wird. Weil einige der teilnehmenden Kinder kein Türkisch können oder wir Kinder anderer Herkunft unterrichten. Damit diese Kinder islamisches Wissen vermittelt bekommen, wird auch in der jeweiligen Landessprache unterrichtet.

Letzte Frage: Was muss bei den IGMG-Sommerschulen noch besser werden?

Unsere Bemühungen hinsichtlich des Lehrplans, der Lehrmaterialien und der Veranstaltungsorte müssen zunehmen. In diesen Gebieten bedarf es noch der Verbesserung. Wenn diese Hürden auch geschafft sind, woran ich nicht zweifle, wird die Kapazität der Sommerschulen steigen.

Wir danken Ihnen für das Interview und wünschen viel Erfolg.

Ich bedanke mich. (sa)

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