Freitagspredigt

Freitagspredigt (Khutba): Frieden

13. Februar 2003

Geschätzte Muslime,

„as-Salâm‘ – Frieden – ist wahrlich ein edles Wort. Es ist mehr als ein Wort; es ist eine der schönsten Namen Gottes. Wir werden heute Frieden predigen und wir werden für Frieden beten.

Allah – subhânehu wa teâlâ – spricht im edlen Qur’an: „Aber jene, die glaubten und das Rechte taten, werden in Gärten geführt, durcheilt von Bächen, um mit der Erlaubnis ihres Herrn ewig darin zu verweilen. Ihr Gruß dort ist: „Frieden!‘ Siehst du nicht, womit Allah ein gutes Wort vergleicht? Es ist gleich einem guten Baum, dessen Wurzel fest ist und dessen Zweige in den Himmel reichen“¦‘ (Sure Ibrâhim, Verse 24)

Betrachtet die Zeichen Gottes im Qur’an und ihr werdet sehen, das die meisten Verse, die das Wort „Frieden‘ behandeln, auf das Jenseits bezogen sind. Werden die Gläubigen ihren Frieden demnach nur im Jenseits finden?

Ist Frieden auf Erden nur ein leeres Wort? Ist Frieden nur eine Illusion inmitten einer brutalen Realität, in der die Starken ihre Kraft nutzen, um noch mehr Macht zu haben?

Im gegenwärtig drohenden Krieg gegen den Irak, sehen wir, dass die USA ihre Macht dazu missbrauchen, zu definieren, was Recht und was Unrecht ist. Darf nur der, der Macht hat, definieren was „Recht‘ und was „Unrecht‘ ist?

Wenn der Präsident der USA, George W. Bush die Staaten der Welt mit den Worten „wer nicht für uns ist, ist gegen uns‘ bedroht, verstößt er gegen das Selbstbestimmungsrecht anderer Staaten, ja sogar aller Menschen.

Wenn wir die Wahl haben zwischen Krieg und Frieden, dann wählen wir den Frieden. Wer für Frieden ist, wird aber mit denen gleichgesetzt, die den Terror unterstützen.

Wer gegen den Krieg ist, läuft Gefahr, als Feind der USA bezeichnet zu werden.

Trotz der Gefahr dieser falschen Verurteilung, wählen wir den Frieden. Denn unser Weg ist der Weg des Friedens.

Hört: Öffnet die Ohren eures Herzens und hört, wie die Erde bebt, wenn sie von Bomben erschüttert wird.

Hört sie weinen, die Kinder, die kein Platz zu einem ruhigen Schlaf und kein Platz zum Spielen haben.

Hört das Leiden der Menschen, die hilflos auf ein Wunder hoffen.
Seht: Öffnet die Augen eures Geistes und seht wie Länder verbrannt werden, die einst voller Leben waren.

Seht, wie das, was Jahrhunderte gebraucht hat, um zu blühen, an nur einem Tag seinen Lebensgeist aufgibt.

Seht, seht die Menschen, die in Angst leben, wie sie weinen, wie sie schreien, wie sie fliehen.

Fühlt in der Tiefe eurer Seele das verbrennen der verbrannten Körper.

Fühlt den Schmerz der unter den Trümmern ihrer Häuser zerquetschten Körper.

Krieg ist jeden Tag. Zerstörung, Vertreibung, Krieg ist jeden Tag.

Krieg, Gewalt, Unrecht, Unheil, Vertreibung liegen in der niederen Natur des Menschen. All dies hat es schon früher gegeben und wird es auch in Zukunft geben. Gott hat den Menschen auch mit der Fähigkeit ausgerüstet, zu zerstören. Er gab ihm aber auch die Unterscheidungskraft zwischen richtig und falsch, gut und böse. Dies, damit er lernt, seine Fähigkeiten zum Wohl der Schöpfung einzusetzen.

Unzählige Menschen in aller Welt demonstrieren und protestieren gegen den Krieg. Sie protestieren gegen diese offenkundige Ungerechtigkeit.

Die einzige Waffe derjenigen, die Frieden möchten, ist das Wort.
Die Plakate und die Rufe dieser unzähligen aber schwachen Menschen vermögen nichts auszurichten gegen die echten Waffen der wenigen, aber starken Marionetten der gegenwärtig Mächtigen.

Jeder vernünftige Mensch weiß, dass es nicht um die Absetzung eines Diktators oder um die Beseitigung gefährlicher Waffen geht, denn wenn das so wäre, müssten viel mehr Länder in Asien, Afrika, Südamerika und selbst hier in Europa zur Verantwortung gezogen werden.

Eines ist deutlich geworden: das Vertrauen der Menschheit in die Vereinten Nationen hat unter den gegenwärtigen Kriegsplänen enorm gelitten. Doch unser Vertrauen auf Gott werden wir nicht aufgeben. Auch die, die heute voller Hochmut über andere bestimmen, werden Morgen vor Gott stehen. Da werden ihnen ihre Waffen nichts nützen, doch das Wort derjenigen, die heute „Frieden, Frieden!‘ rufen, wird mächtiger sein. Auch wenn die Antwort der tauben Kriegsherren der Donner der Waffen sein wird.
Die Antwort Gottes auf jene, die glauben und gute Werke verrichten, wird heißen: „Sie hören dort kein leeres Geschwätz und nichts Sündhaftes, nur das Wort Friede, Friede!‘