Gemeinschaft

Friedhofsbesuch am Arafa-Tag in Ludwigshafen

15. Oktober 2007

Durch die Migration werden neue Erfahrungen gemacht, es gehen aber auch alte Traditionen verloren. Nicht immer muss der Verlust Absicht sein, nicht immer muss dies schlecht sein. Oftmals fehlt es jedoch an den Möglichkeiten, um manche Traditionen aufrecht zu erhalten. Der Friedhofsbesuch am Arafa-Tag, am Vortag des Ramadan- oder Opferfestes gehört zu diesen Traditionen.

Zum einen fehlt es in vielen Städten an muslimischen Gräberfeldern, in denen die Muslime ihre Verstorbenen besuchen könnten, zum anderen war und ist für die meisten muslimischen Migranten der Tod immer eine ferne Angelegenheit. Immer waren es weit entfernte Verwandte oder Bekannte in der alten Heimat, deren Tod man vernahm. Letztendlich geschah dies an weit entfernten Orten. Mit diesem vergänglichen, unausweichlichen Aspekt des menschlichen Daseins wurde man nur selten konfrontiert. Der Tod war etwas, dem man hier in Deutschland, Österreich, Holland oder Frankreich nur selten begegnete.

Mittlerweile ist jedoch die erste Generation im tiefsten Rentenalter. Es ist mittlerweile der eigene Großvater, der Vater, der eigene Nachbar aus dem Viertel, dessen Todesnachricht uns erreicht. Auch wenn nicht jeder von diesen seine letzte Ruhe hier in Deutschland findet, so werden zumindest die letzte Waschung und das Totengebet hier durchgeführt. Und immer häufiger finden auch die Beerdigungen hierzulande statt, soweit es muslimische Gräberfelder in den Gemeinden gibt.

Je mehr es solcher Gräberfelder gibt und je mehr Muslime sich hier bestatten lassen, umso wichtiger wird es, diese nicht allein zu lassen. Dieser Aufgabe kommen die Gemeindemitglieder der Ludwigshafener Alemi Islam Moschee seit dem Ramadan 2004 jeden Arafa-Tag nach. Das muslimische Gräberfeld besteht in Ludwigshafen schon seit Anfang der 90er Jahre. Dementsprechend ist die Auslastung auch groß, der Anfangs bereitgestellte Platz wird in den nächsten Jahren seine Kapazitätsgrenze erreichen. Und mittlerweile gibt es auch vergessene Gräber. Besonders um diese kümmern sich die Mitglieder der Gemeinde.

Der Besuch am Arafa-Tag dient besonders dem Gebet für die Verstorbenen. Man erinnert sich dabei der Verstorbenen, wird sich aber auch der eigenen Vergänglichkeit bewusst. Ein Aspekt, der jahrelang eher zu kurz gekommen war. Die Mitglieder der Alemi Islam Moschee lassen diese Tradition nun seit Jahren wieder aufleben, bei der es auch nicht darauf ankommt, ob ein eigener Verwandter auf dem Friedhof begraben ist. „Es ist ein Dienst an unsere verstorbenen Brüder und Schwester“, sagten die Teilnehmer des diesjährigen Besuchs. „Auch wenn wir nicht jeden kennen, der hier liegt – unseren Besuch und unsere Gebete schulden wir ihnen trotzdem. (aek)

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