Pressemitteilung

Grußbotschaft des IGMG-Vorsitzenden zum islamischen Neujahr

17. Dezember 2009

„Die Hidschra ist eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte des Islams. Deshalb beginnt die islamische Zeitrechnung mit der Auswanderung des Propheten aus Mekka. Mit der Hidschra fängt ein neues Kapitel der islamischen Geschichte an, nämlich die 13-jährige Periode in Medina, in der der Islam sich der Welt öffnen konnte. Die Auswanderung kann als erneute Geburt des Islams angesehen werden, in einer Zeit, in der nicht nur die Verkündung der Botschaft des Islams mit allen Mitteln unterdrückt wurde, sondern auch das Leben des Gesandten Gottes in Gefahr war. 17 Jahre später wurde dieser Tag von den Gefährten des Propheten als Beginn des sogenannten Mondkalenders, als Beginn der Hidschri-Zeitrechnung festgelegt.

Der Islam hat in seiner 13 Jahre andauernden Periode in Mekka eine schwere Zeit durchlebt, in der die Grundlagen des islamsichen Glaubens offenbart wurden. Dies geschah unter schwersten Bedingungen und zeitweiligen Repressalien, unter denen der Gesandte und die junge muslimische Gemeinde zu leiden hatten. Es kam sogar zu Folter, offenen Anfeindungen und Morden an den Muslimen. Die Muslime schienen keinen anderen Ausweg außer der Auswanderung zu haben; quasi eine allmähliche Flucht aus ihrer Heimat, aus der sie von ihren eigenen Verwandten vertreieben wurden. Als letzter machte sich der Gesandte Gottes auf den beschwerlichen Weg nach Medina, wie die Stadt Jathrib später genannt werden sollte. Die zahlreichen Versuche das Aufblühen des Islams in Medina zu verhindern, schlugen fehl, so dass der Islam von dieser Stadt aus seine Botschaft der Welt mitteilen konnte.

Medina wurde Schauplatz einer Revolution. In dieser Periode der Menschheitsgeschichte wurde die erste Verfassung erarbeitet und umgesetzt. Ohne zwischen Religion oder Herkunft zu unterscheiden, haben sich alle Einwohner Medinas in dieser Verfassung wiedergefunden. Menschen aus Stämmen, die sich zuvor bekämpft hatten und verschiedenen Religionen anhängten, lernten, dass es möglich ist trotz großer Unterschiede zusammenzuleben.

Selbst in etablierten Demokratien können Minderheiten durch manche dominanten Kreise unter massiven Druck gesetzt werden. In einer solchen Lage befinden sich heutzutage die muslimischen Minderheiten in den Staaten Europas. Immer wieder wird der Islam als feindlich und zurückgeblieben dargestellt und so eine Atmosphäre der Angst vor dem Islam und den Muslimen aufgebaut bzw aufrechterhalten. Dabei kann selbstverständlich nicht verleugnet werden, dass es Menschen gibt, die sich Muslime nennen, doch kein Bisschen der Botschaft des Islams begriffen haben. Es  kann aber auch nicht richtig sein, ausgehend hiervon, das Kind mit dem Bade auszuschütten und die Muslime insgesamt als Feinde von allem hinzustellen, was man in Europa erreicht zu haben glaubt. Dabei wissen wir, dass der Islam eine Religion ist, die alle Geschöpfe schon ihres Schöpfers wegen achtet und respektiert.

Als Muslime müssen wir begreifen, was die Hidschra für uns bedeutet. Wenn wir die Bedeutung der Ereignisse vor und nach der Auswanderung begreifen und einordnen können, werden wir viele Probleme der Muslime hinsichtlich des Zusammenleben mit anderen Menschen und hinsichtlich des Zusammenhalts unter Muslimen besser verstehen und lösen können. Die Menschheit bedarf erneut des Lichts des Islams, die uns durch die Hidschra vermittelt wurde.

Mit diesen Gedanken beglückwünsche ich all unsere Geschwister zum islamischen Neujahr. Möge dieser Neuanfang der Ungerechtigkeit, Unterdrückung und den Tränen der Menschen ein Ende bereiten.“

IGMG-Vorsitzender

Yavuz Çelik Karahan

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