Pressemitteilung

Grußbotschaft des IGMG-Vorsitzenden zum Ramadanfest 2010

08. September 2010

„Während wir den gesegneten Ramadan, diesen Monat, dessen Beginn von unserem Propheten als Barmherzigkeit, Mitte als Vergebung und Ende als Errettung beschrieben wurde, hinter uns lassen, freuen wir uns, erneut das Ramadanfest erleben zu können. Dies ist das Fest der Freude, Geschwisterlichkeit, Freundschaft, des Glücks und der Solidarität. An diesem Tag teilt die muslimische Gemeinschaft, die Umma, ihre Freude und ihr Leid. Wir beglückwünschen alle unsere Geschwister, die diese Festtage erleben dürfen, in der islamischen Welt zu diesem freudigen Ereignis und wünschen ihnen, dass sie und wir noch viele solche Tage erleben können. Für alle unsere Geschwister, die inzwischen verstorben sind, erbitten wir Gottes Gnade, den Hinterbliebenen möge Allah Geduld geben.

Im Ramadan sowie der Zeit davor haben wir uns verstärkt den Gottesdiensten zugewandt. Wir haben eine der Grundlagen des Islams gelebt, indem wir einen Monat lang jeden Tag gefastet haben. Da der Ramadan auch der Monat des Korans ist, haben wir ihn oft gelesen oder haben seiner Rezitation gelauscht. So haben wir versucht, uns der Botschaft des Islams erneut bewusst zu werden und unsere Gottesdienste, unser Denken und Handeln, also unser gesamtes Leben demgemäß auszurichten. So sind wir uns auch unserer Verantwortung wieder bewusst geworden und haben bemüht, unseren Glauben durch Gottesdienste, der Verschönerung des Charakters und gute Taten zu stärken. Auch wenn der Ramadan teilweise in die Sommerferienzeit gefallen ist, haben wir mit der ganzen Familie die Moscheen aufgesucht. Bei den Iftar-Essen sind wir mit Freunden und Verwandten zusammengekommen und haben jeden Abend eine familiäre Atmosphäre erleben dürfen. Unsere Moscheen sind lebendiger geworden. Um das Wohlgefallen unseres Schöpfers zu erlangen haben wir uns bemüht, seinem Willen gemäß zu handeln und uns allem Schlechten fernzuhalten. Indem wir die Zakat und die Fitr-Abgabe gezahlt haben, sind wir unserer Verantwortung gegenüber den finanziell schlechter gestellten Menschen zumindest ein wenig nachgekommen. Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass es uns möglich ist, über unsere Organisation unseren Geschwistern überall auf der Welt unter die Arme greifen zu können. So wird uns die Möglichkeit gegeben, unsere Sorge für die gesamte Menschheit und insbesondere für unsere muslimischen Geschwister in Taten umzusetzen. Das Fasten ist uns ein guter Erzieher gewesen. Denn bei ihm geht es nicht nur um die materielle Entbehrung, sondern um die gleichzeitige Erziehung des Egos und die Hinwendung zum Guten.

Es ist wichtig, dass wir die guten Eigenschaften und Fähigkeiten, die wir dank dem Ramadan erlangt haben, auch nach dem Fastenmonat fortsetzen. Denn unser Prophet sagte, dass bei Allah jene Gottesdienste am liebsten sind, die fortwährend verrichtet werden, auch wenn es nicht viel ist. Deshalb ist es auch wichtig, dass wir weiterhin etwa für die von Naturkatastrophen betroffenen Menschen in Pakistan oder unsere unter Unterdrückung leidenden Geschwister in Palästina spenden, um ihnen ein etwas schöneres Ramadanfest bescheren zu können. Neben unseren Spenden sollten wir diese Menschen natürlich auch in unsere Bittgebete einschließen.

Festtage sollten nicht wie jeder andere Tag sein. Sie geben uns einen Einblick in eine bessere Gesellschaft. Deshalb sind sie unter anderem dazu da, Frieden unter den Menschen zu stiften und etwaige Streitigkeiten beizulegen. Festtage sollten eine Zeit sein, in der nicht das „Ich“, sondern das „Wir“, also Zusammenhalt, Geschwisterlichkeit und Verantwortungsbewusstsein im Vordergrund stehen. Vor dem Hintergrund unzähliger Gaben unseres Schöpfers sollten Habgier und Egoismus offen angesprochen und kritisiert werden. Menschen dürfen aber nicht verurteilt und ausgeschlossen werden, weil sie eine andere Weltanschauung haben, einem anderen sozialen Milieu angehören. In diesem Sinne stellen wir uns gegen den in jüngster Zeit erneut aufgeflammten Rassismus und die Diskriminierung von Muslimen. Dieser muss kritisiert und zurückgewiesen werden, egal von wem er kommt und an wen er sich richtet. Denn als eine Gemeinschaft, die sich um das Gute bemüht, machen wir Muslime keine Unterschiede zwischen den Menschen – und erwarten das auch von anderen. Leider ist das nicht immer der Fall. So auch in einem großen Teil der islamischen Welt, weshalb viele unserer Geschwister, die Ramadanfesttage nicht mit der Freude erleben werden können, wie wir es tun. In Europa verfolgen wir indes mit Bedenken, wie um Minarette und Kopftücher gestritten wird, Moscheen und humanitäre Hilfsorganisationen geschlossen und verboten werden und schließlich die Weichen gelegt werden, um den Bau von Moscheen ganz zu verbieten. Immer noch leben die Menschen in Palästina, Irak, Afghanistan und den meisten Ländern Afrikas unter schweren und schwersten Bedingungen. Unser Wunsch ist, dass das alles bald ein Ende findet, damit die Menschen in Frieden und ohne Furcht um ihr Dasein leben können.

Festtage sind ebenfalls eine Gelegenheit zum Kennenlernen und der Erinnerung an unsere Mitmenschen. Aus diesem Grund sollten wir angefangen von unseren Eltern, unsere Verwandten und Nachbarn besuchen und zum Ramadanfest beglückwünschen. Ferner sollten wir vor allem unsere Kinder beschenken. Besonders kranke und einsame Menschen sollten an diesen Tagen nicht vergessen werden.

In diesem Sinne möchten wir allen unseren Geschwistern zum Ramadanfest gratulieren. Möge Allah den Muslimen noch viele unbeschwerte und freudige Ramadanfesttage erleben lassen.“

Yavuz Çelik Karahan

Vorsitzender der IGMG

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