Gemeinschaft

Grußwort des IGMG-Vorsitzenden zum Ramadanfest

23. Oktober 2006

In einem Grusswort anlässlich des Id-ul Fitr, dem Fest des Fastenbrechens am Ende des Monats Ramadan, wünschte der Vorsitzende der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs, Yavuz Celik Karahan, allen Muslimen gesegnete Feiertage. Karahan sagte: Der Islam steht für ein Bündnis und eine Brüderschaft zwischen den Menschen; und die islamischen Festtage dienen dem Anlass, dieses Bündnis zu stärken. An diesen Tagen werden Liebe und Freundschaften gepflegt, Sorgen und Probleme vergessen, Hass, Neid und Feindschaften beendet, Streitereien begraben, schlechtes und unmoralisches Verhalten unterbunden, Wohltaten vermehrt, gegenseitige Hilfen angeboten und Älteren und Verlassenen Aufmerksamkeit geschenkt. Kurzum es sind Tage der Liebe und Harmonie, die wir in Gemeinschaft verbringen.

Wir nähern uns, Allah sei dank, dem Ramadan-Fest, der all diese Eigenschaften in sich trägt. Die innere Zufriedenheit und Glückseligkeit einen Monat lang gefastet und gebetet zu haben, zeichnet sich auf unseren Geischtern aus. Wie oben bereits erwähnt, sollten wir diese Tage nutzen, um unsere Familien- und Freundschaftsbanden zu stärken und unsere Freude mit ihnen zu teilen.

An den Festtagen sollten wir die Älteren besuchen, ihnen zum Fest gratulieren und ihren Segen erhalten. Unseren Freunden, Verwandten und Nachbarn sollten wir ebenfalls einen Besuch abstatten. Vor allem aber dürfen wir an diesen Tagen die Bedürftigen nicht vergessen und sollten alles daran setzen, auch ihnen ein schönes Fest zu ermöglichen.

Das Ramadan-Fest sollten wir als Anlass zur Versöhnung nutzen. Liebe, Respekt und Verzeihen sollten wir dem Hass und dem Neid vorziehen. Die positiven Gewohnheiten, die wir uns während des Ramadans angeeigent haben, sollten wir auch nach dem Ramadan beibehalten und unsere sozialen Pflichtabgaben sowie Almosen, sofern noch nicht geschehen, so bald wie möglich an die Bedürftigen abführen.

In Europa lebende Muslime haben unter guten Bedingungen gefastet und sollten daher Allah für all seine Gaben danken. Aber wir dürfen die Muslime in anderen Teilen der islamischen Welt nicht vergessen, die den Ramadan unter schlechteren Bedingungen erlebt haben und die Festtage in einer demoralisierten und seelischen Verfassung erreichen werden. Es ist uns unmöglich, unbesorgt zu feiern, ohne ihr Leid zu teilen und ihren Kummer in unseren Herzen zu spüren.

Bilder erscheinen uns vor Augen, z.B. vom Libanesen, dessen Haus dem Erdboden gleich gemacht wurde, oder von dem afrikanischen Kind, das nur den Hunger kennt, oder von unseren eigenen Landsleuten, die in ärmeren Regionen der Türkei ein Leben in Armut führen. Können wir ausgelassen feiern obwohl wir von der Existenz dieser Menschen wissen? Das sollte uns zum Nachdenken anregen.

Hinzu kommen die nahezu täglichen Angriffe auf das Heiligste unserer Religion, unberechtigte Anschuldigungen und falsche Auslegungen, die dazu führen, den Islam, der als Frieden hinabgesandt wurde, im schlechten Licht erscheinen zu lassen. All diese Dinge überschatten die Festtage. Trotz allem sollten wir daran denken, dass das Leben weitergeht, und dass wir eine Gemeinschaft bilden, die mit ihrer Kultur das Gesicht Europas prägt.

Dabei dürfen wir nicht unbedacht lassen, dass die muslimischen Feiertage ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur sind und sollten danach streben, diese in Europa aufrechtzuerhalten. Es sollte uns jedoch in Erinnerung bleiben, dass der eigentliche Festtag an dem Tag stattfinden wird, an dem wir unserem Herrn gegenüber stehen und Er uns seine Zufriedenheit zeigt.

Daher sollten wir uns zum Ziel setzen, dieses vergängliche Leben mit guten Taten zu schmücken, so dass diese uns das ewige Leben zum Fest machen. Denn das eigentliche Fest erwartet uns in den Gärten des Paradieses, wo wir unserem Herrn begegnen werden. Ich gratuliere nochmal vorab all meinen Glaubensgeschwistern zum Ramadan-Fest und bete zu Allah, dass diese Tage der Menschheit Segen bringen werden.

Yavuz Celik Karahan

Vorsitzender der IGMG

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