Freitagspredigt

Hutba – Adab: Gutes Benehmen

21. Mai 2010

Verehrte Muslime,

gute und angemessene Verhaltensformen, die innerhalb einer Gesellschaft zur Regel geworden sind, also zum „guten Ton“ gehören, gehören zum „Adab“, dem guten Benehmen. Hierzu gehört auch die Erziehung des Individuums und dessen Charakters. Allgemein zählen auch die Verhaltensweisen, die von der der Sunna des Propheten umfasst werden zum guten Benehmen. In unserer heutigen Hutba möchten wir einige Beispiele dieses guten Benehmens besprechen.

Am Anfang des Adab kommt das Schamgefühl (Hayâ). Der Muslim ist jemand, der zurückhaltend und bescheiden ist. Diese Eigenschaft wurde von unserem Propheten, Muhammad (saw) oft zur Sprache gebracht und solche Menschen gelobt. So stieß der Gesandte Gottes eines Tages auf jemanden, der jemand anderem riet, nicht so zurückhaltend zu sein und sprach zu ihm: „Lass ihn wie er ist, denn Hayâ ist ein Teil des İmân (Glaube) (Buchârî, İmân, 16) Ferner wird uns überliefert, dass unser Prophet gesagt hat: „Hayâ bringt nur Gutes.“ (Buchârî, Adab 77), „Hayâ umfasst nur Gutes.“ (Muslim, İmân, 61) und „Der İmân hat siebzig (oder sechzig) Stufen. Die höchste Stufe ist es „Lâ ilâha illallâh“ zu sagen, die niedrigste ist, etwas vom Weg zu räumen, dass den Menschen Schaden zufügen könnte. Auch Hayâ ist eine Stufe des İmân.(Buchârî, İmân, 3)

Verehrte Geschwister,

es gehört auch zum guten Benehmen, dass ein Muslim stets versucht, einem anderen Muslim oder seinen Mitbürgern gegenüber mit einem lächelnden Gesicht zu begegnen. Unser Herr hat die Bedeutung dieses Verhaltens im Koran festgehalten, indem er dem Gesandten Gottes und somit allen Muslimen sagt: „Und dank der Barmherzigkeit Allahs warst du gütig zu ihnen. Wärst du aber grob und hartherzig gewesen, so wären sie von dir davongelaufen. Darum vergib ihnen und bete für sie um Verzeihung und ziehe sie in der Sache zu Rate, aber wenn du einmal entschlossen bist, dann vertraue auf Allah; siehe, Allah liebt die ihm Vertrauenden.“ (Sure Âli Imrân, [3:159]) Und unser Prophet hat uns zum Guten aufgerufen, auch wenn unsere Tat keinen Wert zu besitzen scheint. Er sagte: „Schütz euch vor dem Feuer der Hölle, auch wenn ihr nur eine halbe Dattel gebt. Wer auch das nicht besitzt, soll sich schützen, indem er nur gutes spricht.“ (Buchârî, Adab, 34) So erfahren wir, dass auch gute Worte als Sadaka (Spende) gelten. Denn Muhammad (saw) sagte: „Du solltest keine gute Tat gering schätzen, auch wenn es nur darin besteht, deinen Glaubensgeschwistern mit einem Lächeln zu begegnen.“ (Muslim, Birr, 144) Aus all dem folgern wir, dass im Islam jede gute Handlung und jedes gute Wort, mit der richtigen Absicht (Niyya), richtig ist und belohnt wird.

Verehrte Muslime,

ein anderes Beispiel für gutes Benehmen ist, sein Wort zu halten, komme was wolle. Im Koran heißt es: „Und haltet die Verträge. Siehe, für Verträge werdet ihr zur Rechenschaft gezogen.“ (Sure Isrâ, [17:34]) , oder an einer anderen Stelle „O ihr, die ihr glaubt! Haltet euere Verträge“¦“ (Sure Mâida, [5:1]) Laut den Hadithen unseres Propheten gehört es zu den Eigenschaften der sogenannten Heuchler (Munâfik), das Versprechen nicht einzuhalten: „Der Munafik hat drei Eigenschaften: Er lügt, wenn er spricht, hält sein Wort nicht, wenn er etwas verspricht und veruntreut das ihm Anvertraute.“ (Buchârî, İmân, 24) Deshalb sollte ein Muslim sein Versprechen auf jeden Fall halten; er sollte nichts versprechen, was er nicht einhalten kann. Ein Muslim sollte jemand sein, dem man ohne weiteres vertrauen kann.

 

Dies ist von solch einer Wichtigkeit, da es das Zusammenleben und die Vorbildfunktion betrifft. Auch wenn ein Muslim seine Ibadas (Gottesdienste) in bester Weise verrichtet, kann er kein Beispiel für gutes Benehmen sein, wenn er sich nicht an die Regeln des Adab hält. Dabei tragen wir Muslime eine besondere Verantwortung gegenüber unserer Gesellschaft. Möge uns Allah helfen dieser auch gerecht zu werden.

 

IGMGIrschadabteilung