Freitagspredigt

Hutba – Allah ist allgegenwärtig

22. Juli 2011

Verehrte Muslime,

gemäß den Versen des Korans sollen wir uns auf das Jenseits vorbereiten, im Bewusstsein, dass Allah alles weiß, was wir tun oder unterlassen. Im Koran heißt es: „O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Allah! Und eine jede Seele habe auf das acht, was sie für morgen vorausschickt. Und fürchtet Allah! Allah weiß sehr wohl, was ihr tut.“ (Sure Mudschâdala, [59:18]) Der Koran berichtet ferner davon, dass im Jenseits (Âchira), wenn wir zur Rechenschaft gezogen werden, sogar unsere Körperteile als Zeugen unseres irdischen Lebens dienen werden. So heißt es: „Heute versiegeln wir ihren Mund, doch ihre Hände sprechen zu uns, und ihre Füße bezeugen, was sie angerichtet haben.“ (Sure Yâsîn, [36:65]) Auch die Engel, die Himmel, die Erde sowie der Tag und die Nacht werden am Tag der Abrechnung unsere guten und schlechten Taten bezeugen. Sie werden als Zeugen dienen für diejenigen, die ein nach den Geboten Gottes ausgerichtetes Leben geführt haben, aber auch die Sünden und Fehler des einzelnen Menschen bezeugen.

Verehrte Geschwister,

sich der Allgegenwärtigkeit Allahs bewusst zu sein wird auch Furcht vor Gottbeschrieben: „O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Allah geziemend, und sterbt nicht anders denn als Muslime.“ (Sure Âli Imrân, [3:102]) Die Gelehrten sind der Auffassung, dass Furcht vor Gott bedeutet, bis zum letzten Atemzug ein gehorsames und nach den Geboten Gottes ausgerichtetes Leben zu führen. Das heißt, dass wir uns mit all unseren Gedanken und Handlungen daran orientieren müssen.

Der große Gelehrte Abul Lajs as-Samarkandî sagte diesbezüglich: „Es gibt sieben Zeichen der Furcht vor Gott. Das erste Zeichen ist, dass derjenige, der sich vor Gott fürchtet, sich von Lügen, übler Nachrede, Verleumdung und sinnlosem Gerede fernhält. Stattdessen ist er mit dem Gedenken an Gott (Zikr), der Rezitation des Korans und dem Wissen beschäftigt. Das zweite Zeichen ist, dass er in seinem Herzen keinen Hass, keine Feindschaft und keinen Neid gegenüber anderen trägt. Er weiß nämlich, dass vor allem der Neid, die guten Taten zunichtemacht. Denn unser Prophet sagte: „Hütet euch vor dem Neid. Denn so, wie das Feuer das Holz verbrennt und vernichtet, so macht der Neid auch die guten Taten zunichte.“ (Buchârî und Muslim) Das dritte Zeichen ist, dass ein gottesfürchtiger Mensch nichts Verbotenes ansieht. Er richtet seine Blicke nur auf Dinge, die ihm erlaubt sind. Das vierte Zeichen ist, dass ein gottesfürchtiger Mensch nichts zu sich nimmt, das ihm nicht erlaubt ist. Das fünfte Zeichen ist, dass jemand, der Gottesfurcht besitzt, sich nichts aneignet, das ihm nicht zusteht. Das sechste Zeichen eines gottesfürchtigen Menschen ist, das er seine Schritte nur zu Orten lenkt, an denen wahres Wissen und gutes Handeln vermittelt wird. Das siebte Zeichen für einen Menschen, der Gottesfurcht besitzt, ist schließlich, dass dieser seine Gottesdienste (pl. Ibâdât) nicht aus Prahlerrei verrichtet, sondern nur, um das Wohlwollen Allahs zu gewinnen. Im Koran heißt es letztlich:„…doch für die Gottesfürchtigen ist das Jenseits, bei deinem Herrn.“ (Sure Zuchruf, [43:35])“

Verehrten Geschwister,

aus diesem Grund dürfen wir nie vergessen, dass Allah alles weiß, egal wo und unter welchen Umständen wir leben. Wir sollten also nichts sagen und tun, das wir vor Gott nicht verantworten können.

IGMG-Irschadabteilung