Freitagspredigt

Hutba – Alten und behinderten Menschen Respekt erweisen

31. März 2009

Verehrte Muslime,

das Ziel unserer Religion (Dîn) ist es, dem Menschen Glück im Diesseits und Jenseits (Âchira) zu bescheren. Anderen Menschen gegenüber respektvoll zu handeln, ist ein wichtiges Gebot des Islams. Insbesondere gilt dies, wenn es sich um alte oder behinderte Menschen handelt. Denn überall dort, wo kein respektvoller Umgang herrscht, gibt es Streit und Trauer. Und egal ob mit oder ohne Behinderung, der Mensch ist das wertvollste Geschöpf auf Erden. Denn im Koran heißt es: „Wir erschufen den Menschen gewiss in schönster Gestalt.“ [95:4]

 

Es gibt unveränderliche, von Gott gegebene Prinzipien. Gott ist es, der festgelegt hat, wann und wo ein Geschöpf geboren wird, was für ein Leben es leben wird und wann und wo es sterben wird. Gemäß dem göttlichen Prinzip hat Gott jeden Menschen anders erschaffen: einige mit, andere ohne Behinderung, einige als Mann, andere als Frau. Manche Menschen haben ein langes, andere wiederum ein kurzes Leben. Doch trotz aller Unterschiede haben alle Geschöpfe Gottes etwas gemeinsam: Sie alle sind Diener Gottes; in dieser Eigenschaft sind alle Menschen gleich. Das Diesseits ist eine Prüfung, und wir alle werden die Erde verlassen, wenn unsere Zeit gekommen ist.

 

Verehrte Geschwister,

um auf der Erde in Frieden leben zu können, müssen wir uns an einige Regeln halten. Es ist unsere Pflicht als Menschen und als Muslime, uns den alten und behinderten Menschen anzunehmen, egal welcher Religion sie angehören und wo sie herkommen. Denn wer lang genug lebt, wird auch alt werden, und wann uns eine schwere Krankheit treffen wird, weiß nur Allah. Aus diesem Grund sollten wir uns insbesondere um unsere Eltern und alle anderen alten Menschen kümmern, uns nach ihr Wohlbefinden erkundigen und ihnen nach Kräften behilflich sein.   

 

Auch unsere behinderten Mitmenschen verdienen unsere Aufmerksamkeit. Auf der Welt leben Millionen Menschen mit einer Behinderung. Es gehört zu unseren Pflichten, uns um diese Menschen zu kümmern. Denn wir wissen: Wenn wir bedürftigen Menschen helfen, wird uns Allah helfen, falls wir selbst in eine solche Situation geraten sollten. Wir dürfen nicht vergessen, dass Gesundheit eine Gabe Gottes ist, während Krankheit eine Prüfung ist.

 

Verehrte Muslime,

der Gesandte Gottes sagte: „Wenn ein junger Mensch einem alten Menschen aufgrund seines Alters Respekt erweist, wird ihm Allah Bedienstete erschaffen, die ihm dienen.“ (Tirmizî, 4, 372) Deshalb müssen wir uns den alten und behinderten Menschen annehmen und sie nicht vom gesellschaftlichen Leben ausschließen. Stets sollte man sich daran erinnern, dass das Alter und die Krankheit eine Prüfung darstellen. Wie viele kranke und behinderte Menschen gibt es doch, die ins Paradies gelangen werden; und wie viele gesunde junge Menschen gibt es, auf die im Jenseits nichts Gutes erwartet.

 

Verehrte Geschwister,

wir dürfen nie vergessen, dass uns eines Tages unsere Gesundheit, unser Besitz und schließlich auch unser Leben genommen werden kann. Die erste Generation, die diese Moscheen unter größten Schweirigkeiten erbaut und betrieben haben, verdient unsere Anerkennung und unseren Respekt. Uns gebührt nichts anderes, als Dankbarkeit und die Fortführung dieser Arbeit. Wir möchten die Hutba mit einem weiteren Hadîth beenden: Der Gesandte Gottes sagte: „Allah schaut nicht auf eure Gestalt und euren Besitz, wohl aber auf eure Herzen und eure Taten.“ (Muslim, Bd. 4, 1987)

 

IGMG-Irschadabteilung

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