Freitagspredigt

Hutba – Ausgewogen und konsequent

29. Oktober 2010

Verehrte Muslime,

unsere Religion (Dîn) verbietet jede Unverhältnismäßigkeit, sowohl in Bezug auf das Diesseits als auch auf das Jenseits (Âchira). Der Islam sieht ein ausgewogenes Leben und Denken vor. In allen ihren Beziehungen zu den Menschen sollen die Muslime folglich ausgewogen sein. Darauf wird in der Sure Bakara hingewiesen, wenn es dort heißt: „Und so machten wir euch zu einem Volk der Mitte, auf dass ihr Zeugen für die Menschen seid. Und der Gesandte wird für euch (vor Allah) Zeuge sein…“ (Sure Bakara, [2:143]) Mit dem „Volk der Mitte“ ist eine Gemeinschaft (Umma) gemeint, die in ihrem Handeln und Denken, in ihrem Verhältnis zu anderen Menschen und Gemeinschaften ausgewogen, gerecht und aufrichtig ist. Unser Prophet sagte hierzu: „Hütet euch vor der Übertreibung im Glauben. Ohne Zweifel sind die Vorigen untergegangen, weil sie übertrieben haben.“ (Muslim, Ilm, 47)

Verehrte Geschwister,

diesem Prinzip der Ausgewogenheit müssen wir in unserem gesamten Leben konsequent folgen. Davon sollten wir nicht ablassen. Wir sollten an dem festhalten, das für uns von Wert ist und dem wir uns verbunden fühlen – doch auch dann in ausgewogener Weise. Denn unser Prophet, Muhammad (saw), sagte: „Liebe den Geliebten mit Maß. Vielleicht wird er einmal dein Feind. Hasse deinen Feind in Maßen. Vielleicht wird er einmal dein Freund.“ (Tirmizî, Birr was Silâ, 13)

Es ist ganz normal, dass sich Menschen zu etwas hingezogen fühlen. Aber die Zuneigung und Liebe zu etwas oder jemandem, darf die Grenzen der Vernunft, des Rechten nicht überschreiten. Sobald uns aufgrund unserer Zuneigung zu jemandem etwas Unrechtes als rechtens erscheint, ist die Grenze zur Ungerechtigkeit (Zulm) überschritten. So legte der Gesandte Gottes seinem Gefährten Abu Zar al-Gifârî (ra) nahe, nicht übermäßig zu lieben. Denn: „Etwas übermäßig zu lieben macht dich blind und taub.“ Selbstverständlich soll ein Mensch seine Familie, Verwandten und alle anderen Mitmenschen lieben und schätzen. Das wird von unserer Religion befürwortet und gefördert. Jedoch darf ihn seine Zuneigung nicht blind gegenüber ungerechtem Handeln machen. Im Koran wird wie folgt darauf aufmerksam gemacht: O ihr, die ihr glaubt! Steht in Gerechtigkeit fest, wenn ihr vor Allah bezeugt. Der Hass gegen (bestimmte) Leute verführe euch nicht zu Ungerechtigkeit. Seid gerecht, das entspricht mehr der Gottesfurcht. Und fürchtet Allah. Siehe, Allah kennt euer Tun. (Sure Mâida, [5:8])

Verehrte Muslime,

eigentlich widerspricht jede Art von Übertreibung der Vernunft. Trotzdem kann es vorkommen, dass sich Menschen von ihren starken Gefühlen verleiten lassen, wodurch sie blind und taub werden, wie es der Prophet umschrieb. Im schlimmsten Fall führt eine solche Blindheit zur Feindschaft, an der dann um jeden Preis festgehalten wird. In einer solchen Gesellschaft wird das gute Zusammenleben erschwert und  manchmal gar unerträglich. Die größte Zuneigung des Menschen gebührt allein Gott. Alles außer Allah, dem dieselbe Zuneigung geschenkt wird, nimmt früher oder später seinen Platz ein. Lasst uns die Worte des Propheten nicht vergessen: „Hütet euch vor der Übertreibung im Glauben. Ohne Zweifel sind die Vorigen untergegangen, weil sie übertrieben haben.“ (Muslim, Ilm, 47)

IGMG-Irschadabteilung

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