Freitagspredigt

Hutba – İmân bedeutet Geschwisterlichkeit

23. April 2010

Verehrte Geschwister,

unsere Religion erachtet die Geschwisterlichkeit aufgrund des İmân (Glauben) als bedeutender als die Blutsverwandtschaft. Im Koran heißt es: „Die Gläubigen sind Brüder.“ (Sure Hudschurât, [49:10]) Doch auch auch die verwandtschaftliche Beziehung ist nicht immer von wahrer Geschwisterlichkeit geprägt. Dafür gibt es es auch im Koran zahlreiche Beispiele. Am besten können wir das verstehen, wenn wir uns bewusst werden, dass der erste Mord der Menschheit überhaupt ein Brudermord war. Der İmân jedoch vereint und verbrüdert die Menschen, ohne auf ihre Herkunft zu achten. Hierfür können viele Beispiele aus der Geschichte der Religionen genannt werden.

Verehrte Muslime,

vor allem in der Geschichte des Islams finden wir zahlreiche Beispiele für diese Geschwisterlichkeit. Das beste dürfte wohl die Verbrüderung der aus Mekka Ausgewanderten (sing. Muhadschir) mit den Helfern (sing. Ansâr) in Medina sein. Im Koran wird diese Beziehung wie folgt beschrieben: „Diejenigen, die vor ihnen hier (in Medina) im Glauben zu Hause waren, lieben die, welche zu ihnen auswanderten, und fühlen in sich kein Verlangen nach dem, was ihnen gegeben wurde. Sie ziehen (die Flüchtlinge) sich selber vor, auch wenn sie selber bedürftig sind. Wer so vor seiner eigenen Habsucht bewahrt ist – denen ergeht es wohl.“ (Sure Haschr, [59:9]) Gemäß dem Vers ist es geschwisterlich, wenn man seine Geschwister sich selbst vorzieht. Das, was sich jemand für sich selbst wünscht, soll er also noch mehr für seine Geschwistern wünschen. Genau diese aufrichtige und uneigennützige Geschwisterlichkeit war es schließlich, die aus der Generation der Gefährten des Gesandten Gottes ein Vorbild für die gesamte Menschheit machte.

Verehrte Geschwister,

von Zeit zu Zeit kann es vorkommen, dass dieses Band der Geschwisterlichkeit Schaden nimmt. Diese führt nicht nur zur Schwächung der muslimischen Gemeinschaft, sondern manchmal auch leider zu Anfeindungen. Dabei heißt es im Koran: „Und gehorcht Allah und seinem Gesandten und hadert nicht miteinander, damit ihr nicht kleinmütig werdet und eure Kraft euch verloren geht. Und seid standhaft; siehe, Allah ist mit den Standhaften.“ (Sure Anfâl, [8:46])

Es missfällt Gott, dass sich Muslime in irgendeiner Form – und sei es nur eine Geste – gegenseitig herabwürdigen. So heißt es in der Sure Hudschurât: „O ihr, die ihr glaubt! Kein Volk soll über ein anderes spotten – vielleicht sind sie besser als sie -, auch Frauen nicht über andere Frauen – vielleicht sind sie besser als sie. Verleumdet einander nicht und gebt einander keine Schimpfnamen. Schlimm ist es, jemand als sündhaft zu bezeichnen, nachdem er den Glauben angenommen hat; und wer es nicht bereut, tut unrecht.“ (Sure Hudschurât, [49:11])

 

Deshalb, verehrte Muslime,

ist es unsere Pflicht, alles zu vermeiden, das unserer Geschwisterlichkeit schaden könnte. Denn es geht um einen Teil unseres İmân. Dem können wir nur dann gerecht werden, wenn wir die geschwisterliche Beziehung unter uns auf jeden Fall schützen und pflegen. Wir möchten unsere Hutba mit den Worten unseres Propheten beenden. Der Gesandte Gottes, Muhammad (saw), sagte: „Beneidet euch nicht. Betrügt nicht beim Handel. Kehrt euch nicht den Rücken zu… O ihr Diener Gottes! Seid Geschwister. Muslime sind Geschwister, er tut ihm nicht unrecht, lässt ihn nicht im Stich und sieht nicht auf ihn herab.“ (R. Salihîn, Bd. 1, S. 277)

 

IGMG-Irschadabteilung