Freitagspredigt

Hutba – Das Berufsleben und unsere Verantwortungen

21. Dezember 2007

Verehrte Muslime,

Menschen leben bewusst in geordneten Gesellschaften. Da der Menschen als gesellschaftliches Wesen erschaffen wurde, wird von ihm erwartet, eine Gesellschaft zu formen, wobei das Leben in dieser Gesellschaft sowohl Rechte als auch Pflichten mit sich bringt. Es ist die gemeinsame Aufgabe jedes Mitglieds der Gesellschaft, das im Besitz dieser Rechte ist, die Rechte der anderen Mitglieder zu respektieren und die ihm auferlegten Pflichten zu erfüllen. Zu den wichtigsten Rechten, die von den Mitgliedern der Gesellschaft respektiert werden müssen, gehören die Rechte der Arbeitgeber, die im gegenseitigen Verhältnis von Rechten und Pflichten anerkannt werden müssen. Unsere Religion (Dîn) legt diesbezüglich großen Wert auf die persönliche Verantwortlichkeit. Das Berufsleben hat einen eigenen Wert, der laut dem Koran einen sowohl materiellen als auch geistigen Gegenwert besitzt. Dies wird in folgenden Versen zur Sprache gebracht: „Und dass der Mensch nur empfangen wird, worum er sich bemüht.“ [53:39] „Und wer Gutes (auch nur) im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wird es sehen. Und wer Böses (auch nur) im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wird es sehen.“ [99:7][99:8] „Allah belastet niemand über Vermögen. Jedem wird zuteil, was er verdient hat, und über jeden kommt nach seinem Verschulden.“ [2:287] In diesen Versen wird ausgesagt, dass keine Anstrengung ohne Erwiderung sowohl im Diesseits als auch im Jenseits (Âchira) bleiben wird.

Verehrte Geschwister,

im Berufsleben gibt es Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die die Arbeit vorgeben. Beide haben Rechte, die geschützt werden müssen. Ein Arbeitgeber, der sich seiner Verantwortung bewusst ist, muss den Arbeit mindesten so entlohnen, dass dieser seine grundlegenden Bedürfnisse decken kann. Er muss das unterschiedliche Fachwissen und die Begabung der Arbeiter gut einschätzen und ihnen ein ihren Umständen entsprechendes, zufriedenstellendes und gerechtes Gehalt geben. Er muss sich davor hüten, das Recht des Anderen zu verletzen und die Leistung vollständig und pünktlich vergüten. Unser Prophet ruft mit folgenden Worten die Arbeitgeber zu großer Sorgfalt diesbezüglich auf: „Gebt dem Arbeiter seinen Lohn, bevor der Schweiß auf seiner Stirn getrocknet ist.“ (Ibni Mâdscha, Ruhun, 4) Auf der anderen Seite, sollte der Arbeitnehmer sich keiner Arbeit annehmen, zu der er nicht die Kraft und Begabung hat. Am Arbeitsplatz müssen die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen erfüllt werden. Es sollte gewährleistet werden, dass die Arbeitnehmer ihre religiösen Verpflichtungen erfüllen können und körperlich sowie seelisch gesund bleiben.

Verehrte Geschwister,

die Arbeitnehmer müssen, um eine legitime (Halâl) Entlohnung zu verdienen, sich bemühen, die aufgetragenen Arbeiten vollständig und pünktlich zu erledigen. Unser Prophet hat die Menschen ermutigt, ihre Arbeiten gut zu machen, indem er sagte: „Allah mag es, dass einer von euch, wenn er etwas macht, es gründlich und gut macht.“ (Bajhâkî, Schuabul-İmân, Bd. IV, 334-335) Die Arbeitnehmer tragen auch die Verantwortung für die Geräte mit denen sie arbeiten und welche sie angemessen benutzen müssen. Unser Prophet erinnert uns daran, indem er sagt: „“¦ der Arbeiter ist auch der Beschützer des Eigentums seines Arbeitgebers“¦“ (Buchârî, Istikrâz, 20)

Verehrte Geschwister,

in Europa sind wir Muslime Arbeiternehmer sowie Arbeitgeber. Doch meistens üben wir unsere Arbeit zusammen mit nichtmuslimischen Arbeitern und unter der Führung eines nichtmuslimischen Arbeitgebers aus. Unser Arbeitsverhältnis mit Muslimen und insbesondere mit Nichtmuslimen muss von Freundschaft und Respekt geprägt sein und den Prinzipien des Rechts und der Gerechtigkeit folgen. Wir dürfen weder Schaden zufügen, noch sollten wir Schaden erdulden. Denn unsere Religion billigt weder Ungerechtigkeiten gegenüber einer Person, noch die schlechte und unausgeglichene Arbeit dieser Person. Hinzu kommt, dass wir die Aufgabe haben, den Islam in unserer Person zu vertreten. Aus diesem Grund müssen wir, im Bewusstsein unserer Verantwortung, dem Recht entsprechend handeln und die Rechte anderer achten, um auch selbst Anerkennung zu verdienen.

IGMG – Irschad-Abteilung

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