Freitagspredigt

Hutba – Das Diesseits ist das Saatfeld des Jenseits

08. Januar 2010

Verehrte Muslime,

der Mensch durchläuft in seinem Leben fünf Stadien: die Welt der Seelen, den Mutterleib, das Diesseits (Dunjâ), das Grab und das Jenseits (Âchira). Über die Welt der Seelen haben wir nur wenig Kenntnis. Die Zeit im Mutterleib ist eine Vorbereitung auf das Diesseits. Dort findet die körperliche Entwicklung statt. Das Diesseits allerdings steht unmittelbar in Bezug zum Jenseits. Mit allem, was der Mensch auf der Welt tut, wird er später konfrontiert werden. Somit ist das Diesseits das wichtigste Stadium des Menschen.

 

Verehrte Geschwister,

unser Herr, der uns dieses Leben gab und uns für jede unserer gelebten Sekunden zur Verantwortung ziehen wird, hat uns mit dem Diesseits, in dem wir leben, vertraut gemacht. Einige Koranverse lauten demnach: „Das irdische Leben ist nur ein Spiel und ein Scherz. Doch das jenseitige Haus ist für die  Gottesfürchtigen (Muttaki) besser. Seht ihr das nicht ein?“ (Sure An’âm, [6:32]) „Was bei euch ist, vergeht, und was bei Allah ist, besteht, und wahrlich, wir werden den Standhaften ihren Lohn nach ihren besten Werken bemessen.“ (Sure Nahl, [16:96])Doch nein! Ihr zieht das irdische Leben vor, obwohl das Jenseits besser und dauerhafter ist.“ (Sure A’lâ, [87:16][87:17]) Ein vorrausschauender Mensch tauscht das endlose Jenseits nicht gegen das vergängliche Diesseits. Er weiß, dass alles Gute und sein Wohl in den religiösen Geboten und deren Einhaltung liegt. Der Gesandte Gottes (saw) sagte dazu: Wird das Jenseits dem Diesseits vorgezogen, so schützen den Menschen die Worte Lâ ilâha illallâh vor dem Zorn Gottes. Doch wird das Diesseits dem Jenseits vorgezogen, so sagt Gott zu dem, der Lâ ilâha illallâh spricht: Du lügst und bist deinem Wort nicht treu.“ (Bajhâkî)

 

Verehrte Muslime,

eigentlich ist das Diesseits für den, der sich an Gottes Gebote hält, ein Segen. Für den, der seinen Gottesdiensten (Ibâda) nachkommt, ist es eine Auszeichnung. Derjenige, der auf das Diesseits blickt, um daraus zu lernen, erkennt dessen Sinn. Und derjenige, der den Sinn erkennt, findet Ruhe und Frieden. Mit dem Diesseits und dem Jenseits verhält es sich, wie mit der Entfernung zwischen Ost und West. Wer sich dem Einen nähert, entfernt sich von dem Anderen. Wer Gott fern ist, wird dem Diesseits verfallen.

 

Der Gesandte Gottes, Muhammad (saw), sagte: Das Diesseits ist das Saatfeld des Jenseits.“ Es ist schade um den, der hier nichts sät, um Gutes zu ernten. Wer sich nicht auf den Tag vorbereitet, an dem sich jeder für seine Fehler schämen wird, wird im Diesseits und auch im Jenseits im Nachteil sein. Derjenige, der das Diesseits als Gelegenheit auffasst und es als vergängliche Reise ansieht, wird im Vorteil sein. Das Diesseits ist eine Brücke. Und Brücken sind dazu da, sie zu überqueren, um auf die andere Seite zu gelangen, und nicht, um auf ihnen zu verweilen. Jemand, der sich dessen bewusst ist, wird das säen, was Gott gefällt, um so Gutes zu ernten. Einmal fasste der Gesandte Gottes Ibni Umar (ra) an den Schultern und sagte: „Sei auf Erden wie ein fremder Reisender!“ darauf entgegnete Ibni Umar (ra): „Ist der Abend angebrochen, erwarte nicht den Morgen. Ist der Morgen angebrochen, erwarte nicht den Abend. Bereite dich bei Gesundheit auf Krankheit vor und während du lebst, bereite dich auf den Tod vor.“ (Buchârî, Rikak, 3)

 

Verehrte Geschwister,

es gibt ein Sprichwort: „Man erntet, was man sät.“ Gemäß unserer Religion (Dîn) sollten wir zu Lebzeiten stets Gutes säen, um – inschâallâh -, die unvergleichlichen Gaben des Paradieses (Dschanna) ernten zu können. Möge Gott uns dies erleben lassen.

 

IGMGIrschadabteilung

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