Freitagspredigt

Hutba – Das Diesseits ist eine Prüfung

02. Mai 2008

Verehrte Muslime,

„Das Diesseits ist eine Prüfung. Was heute anderen widerfährt, kann morgen uns passieren.“ Diese Sätze geben eigentlich alles wider, was in dieser Hutba gesagt werden soll.

Die gesamte Welt und unser Leben ist eine Prüfung. Am besten gibt das folgende Verse zur Sprache: „Und wahrlich, Wir werden euch mit Furcht prüfen sowie mit Hunger und Verlust an Besitz und Menschenleben und Früchten; doch verkünde den Standhaften Heil.“ (Sure Bakara, [2:155]) „Segensreich ist Der, in Dessen Hand die Herrschaft ist und Der Macht hat über alle Dinge; Der Tod und Leben schuf, um zu prüfen, wer von euch am besten handelt. Und Er ist der Erhabene, der Verzeihende.“ (Sure Mulk, [67:1][67:2])

In diesen Versen gebietet unser Herr, dass er es ist, der uns Leben, Besitz, Sicherheit, Kinder und viele andere Gaben beschert und uns einer Prüfung unterzieht, indem er diese Gaben wieder wegnimmt. Er verheißt uns, dass diejenigen, die Gutes tun und geduldig sind, diese Prüfung bestehen werden. So ist also alles, was mit unserem Leben zusammenhängt, eine Gabe und gleichzeitig Gegenstand der Prüfung.

Verehrte Geschwister,

im Grunde sind wir jeden Tag von Neuem Zeugen dieser Prüfung. Doch leider kann man nicht sagen, dass die Menschen sich dadurch belehren lassen. Eine Lehre aus der Vergangenheit zu ziehen, würde heißen, bei jeder Entscheidung zu hinterfragen, ob man durch die Folgen dieser Entscheidung nicht denselben Fehler begeht, den andere schon vorher begangen haben. Aus diesem Grund wird im Koran oft vom schlimmen Ende im Diesseits und im Jenseits der Menschen gesprochen, die die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel benutzt haben, um sich gegen Allah aufzulehnen und ihre Mitmenschen zu unterdrücken und es unterlassen haben, den Bedürftigen zu helfen. Gleichzeitig wird aber vom glücklichen Ende der Menschen berichtet, die dieselben Mittel in Übereinstimmung mit Allahs Willen eingesetzt, ihren Mitmenschen gute Dienste geleistet und den Bedürftigen geholfen haben. Leider sieht es heute so aus, dass ein Teil der Menschheit sehr wohlhabend ist und sie ihr Reichtum beinahe gelähmt hat, während ein anderer Teil in ärmsten Verhältnissen lebt, Hunger leidet und mit Krankheiten zu kämpfen hat. Doch die Menschheit, die in einer immer kleiner werdenden Welt lebt, sieht nicht hin.

Verehrte Geschwister,

als Muslime, die an eine Prüfung glauben, können wir uns selbstverständlich nicht so verhalten. Denn wir glauben an die Weisheit, die hinter folgendem Vers steckt: „Sprich: „O Allah, Herrscher aller Herrscher! Du gibst (irdische) Herrschaft, wem Du willst, und nimmst die Herrschaft, wem Du willst. Und Du ehrst, wen Du willst, und demütigst, wen Du willst. In Deiner Hand ist das Gute. Wahrlich, Du hast Macht über alle Dinge.“ (Sure Âl-i Imrân, [3:26]) Deshalb werden wir uns bis zum Ende unserer Kräfte bemühen, Gutes zu tun, und darauf hoffen, dass uns alles Gute, was wir getan haben, vergolten wird und wir zu denen gehören, die in folgendem Vers erwähnt werden: „Und wetteifert um die Verzeihung eueres Herrn und einen Garten, der weit ist wie die Himmel und die Erde, bereitet für die Gottesfürchtigen, die da spenden in Freud und Leid und den Zorn unterdrücken und den Menschen vergeben – und Allah liebt die Gutes Tuenden.“ (Sure Âl-i Imrân, [3:133][3:134]) Bevor wir unsere Hutba mit einem Hadîth beenden, bitten wir Allah, dass er uns zu denen zähle, die seine Zufriedenheit erlangen. Denn der Prophet sagte: „Vernünftig ist, wer seine Triebe zügelt, sie innerhalb der Grenzen Allahs hält und sich für das Leben nach dem Tode bemüht. Schwach ist, wer sich seinen Trieben hingibt und dann auf Allahs Gnade hofft.“ (Tadsch, 5/212)

IGMG – Irschad-Abteilung

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