Freitagspredigt

Hutba – Das Ende des Jahres: Sich selbst zur Rechenschaft ziehen

28. Dezember 2007

Verehrte Muslime,

Allah hat jedem seiner Geschöpfe eine bestimmte Lebensdauer gegeben. Er hat die Menschen mit Verstand ausgestattet und ihnen die Verantwortung für die Handlungen, die sie getan oder unterlassen haben, von der Zeit von der Pubertät bis zum Tod, gegeben. Er hat sie jedoch nicht alleine gelassen, sondern ihnen Bücher sowie Propheten geschickt, die sie im Lichte dieser Bücher führen. Der mit einem gesunden Verstand ausgestattete Mensch hat also die Aufgabe über das Leben und seine Handlungen nachzudenken und zu diese bewerten. Er muss Antworten auf die Fragen suchen, wer er ist und was ihn erwartet.  Wie einen Filmstreifen müssen wir uns vor Augen führen, wie wir eine einzelne Zelle in der Gebärmutter unsere Mutter sind und als Mensch auf die Welt kommen. Wir müssen uns unsere Situation vor Augen führen, wie schwach wir als Kinder sind, uns zu starken Jugendlichen und Erwachsenen entwickeln und anschließend das Alter einsetzt, in dem wir wieder so zerbrechlich sind wie zu Anfang, um letztlich mit dem Tod konfrontiert zu werden. Wir wissen nicht, wann die letzte Stunde schlagen wird. Deshalb müssen wir immer auf diesen Zeitpunkt gefasst sein.

Verehrte Geschwister,

in diesen Tagen, in denen wir wieder ein Jahr hinter uns lassen und ein neues antreten, sollten wir, gemäß der Empfehlung Umars (ra) „Zieht euch zur Rechenschaft, bevor ihr zur Rechenschaft gezogen werdet.“ Rechenschaft über unsere Taten ablegen. Wir dürfen den Tod und den Tag der Auferstehung (Kijâma) nicht vergessen und sollten unsere Handlungen demgemäß ausrichten. Dies müssen wir tun, bevor das für jeden von uns vorausbestimmte Ende kommt. Sind wir bereit Rechenschaft abzulegen? Wir sollten uns unsere Geschwister vor Augen führen, die noch vor einem Jahr bei uns waren, inzwischen aber verstorben sind und überlegen, ob wir denn noch so lange zu leben haben. Wären wir imstande mit all unseren Taten uns in die Gegenwart Allahs zu begeben, wenn wir in diesem Moment sterben würden? Aus diesem Grund dürfen wir keine Zeit verlieren und müssen uns unserer Situation im Klaren werden. Denn wir müssen Rechenschaft ablegen vor dem allgegenwärtigen Herrscher Allah. Der Gesandte Gottes Muhammad (saw) hat uns diesbezüglich stets gewarnt und folgendes gesagt: „Niemand wird am Tag der Abrechnung entlassen, bevor er nicht über alles, was er getan hat, Rechenschaft abgelegt hat.“ (Tirmizî, Kijâma, 1)

Verehrte Geschwister,

während wir uns selbst zur Rechenschaft ziehen, müssen wir uns fragen, was wir für uns, unsere Familie, Verwandten, Nachbarn und für die Gesellschaf, in der wir leben, getan haben. Gleichzeitig sollten wir uns fragen, welche Schäden wir uns und den anderen Menschen zugefügt haben. Danach sollten wir uns vornehmen, unsere guten Taten zu mehren und unsere Fehler zu verbessern. Wir müssen unser ganzes Leben betrachten, Reue zeigen (Tawba), falls wir etwas getan haben, dass uns unsere Religion (Dîn) verbietet und uns von diesen Sünden fernhalten. Anstatt uns im neuen Jahr wieder Sünden hinzugeben, sollten wir zusehen, dass wir unsere Aufgaben gegenüber Allah in der besten Weise erfüllen und unsere Fehler beseitigen. Nicht mit den verbotenen (Harâm) Dingen, sondern den Handlungen und Gottesdiensten (Ibâda), wodurch Allahs Zufriedenheit erreicht werden kann, sollten wir diese abgezählten Tage verbringen. Wir müssen nach Wegen suchen, unsere Familie, unsere Verwandten und Freunde und insbesondere unsere Jugend vor dem moralischen Schmutz unserer Zeit fernzuhalten.

Bevor wir unsere Hutba mit einem Vers beenden, bitten wir Allah, dass Er uns im vor uns liegenden Jahr ermögliche, gute Taten zu vollbringen, um uns unsere Rechenschaft zu erleichtern. Im Koran heißt es: „O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Allah! Und eine jede Seele habe auf das acht, was sie für morgen vorausschickt. Und fürchtet Allah! Allah weiß sehr wohl, was ihr tut.“ [59:18]

IGMG – Irschad-Abteilung

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