Freitagspredigt

Hutba – Das Herz vor Sünden schützen

11. Juli 2008

Verehrte Muslime,

Sünden (türkisch Günah) sind Handlungen, die den Geboten Allahs zuwiderlaufen, in der Religion als verwerflich angesehen werden und dem Islam und der Natur (Fitra) des Menschen widersprechen. Im Koran und in der Sunna wird Sünde mit „Ism“, „Zanb“, „Isjân“ und „Dschurm“ ausgedrückt. „Ism“ ist die genaue Widergabe des türkischen „Günah“. „Zanb“ und „Dschurm“ bezeichnen die Dinge, die der Erlangung der Zufriedenheit Allahs im Wege stehen. „Isjân“ heißt Allah gegenüber ungehorsam zu sein. Entsprechend ihren Folgen und der Verantwortlichkeit des Einzelnen werden die Sünden in kleine und große Sünden unterteilt. Dabei ist alles, was direkt von Allah verboten wurde, eine große Sünde. Die Zahl dieser Sünden beträgt gemäß den Hadîthen sieben, neun, siebzig oder zweihundert. Einige große Sünden sind: Allah andere Gottheiten beizugesellen, das Töten eines Menschen, jemanden des Ehebruchs zu beschuldigen (Iftirâ) und selbst Ehebruch (Zinâ) zu begehen, Zauberei (Sihr) zu betreiben, sich am Eigentum des Waisen zu vergreifen, den Eltern zu widersprechen, Zinsen zu nehmen, in der verbotenen Zone Mekkas (Haram) Sünden zu begehen, zu stehlen, Alkohol zu trinken und Glücksspiele zu spielen. Die größte Sünde aber ist es, Allah in seinem Wesen, in seinen Eigenschaften und in seinen Werken zu verleugnen.

Verehrte Muslime,

diese Sünden zu begehen, ohne sie nicht ernst zu nehmen, führt zwar nicht zum Unglauben (Kufr), macht einen aber zu einem großen Sünder. Nach Meinung der Gelehrten wird ein Mensch, der eine große Sünde begeht, nicht zum Ungläubigen. Ebenso wird er nicht ewig in der Hölle bleiben, auch wenn er stirbt ohne bereut zu haben. Allah kann ihm immer noch verzeihen. Dies gilt jedoch nicht für die größte Sünde, den Schirk, denn Allah gebietet: Siehe, Allah vergibt nicht, dass man Ihm Götter beigesellt, doch verzeiht Er im übrigen, wem Er will. Wer Allah Götter beigesellt, hat eine gewaltige Sünde ersonnen.„ [4:48]

Ein Gläubiger (Mu’min) irrt, wenn er aufgrund seiner Sünden die Hofnung auf Allahs Barmherzigkeit verliert oder sich vor seiner Strafe sicher fühlt und an den Sünden festhält. Deshalb sollte man nach einer begangenen Sünde sofort bereuen. Diebezüglich verheißt Allah: Siehe, Allah vergibt nicht, dass man Ihm Götter beigesellt, doch verzeiht Er im übrigen, wem Er will. Wer Allah Götter beigesellt, hat eine gewaltige Sünde ersonnen.„ [4:48], „Sprich: »O meine Diener, die ihr euch gegen euch selber vergangen habt! Verzweifelt nicht an Allahs Barmherzigkeit; seht, Allah verzeiht die Sünden allzumal. Er ist gewiss der Vergebende, der Barmherzige.„ [39:53], „Sie sprachen: „Wir versprechen es dir in Wahrheit; darum gib die Hoffnung nicht auf.„ [15:50]

Verehrte Geschwister,

ein aufrichtiger Gläubiger sollte darauf achten, erst gar keine Sünden zu begehen. Denn wie Allah gebietet, beflecken die Sünden das Herz und halten den Menschen davon fern, Gutes (Chajr) zu tun: Keineswegs! Doch ihre Herzen sind von dem zerfressen, was sie getan haben.„ [83:14] Den Ausruck „zerfressene Herzen“ erklärt der Gesandte Gottes wie folgt: „Wenn ein Diener (Allahs) eine Sünde begeht, entsteht ein schwarzer Fleck im Herzen. Wenn er bereut und sich von ihr entfernt, verschwindet der Fleck. Wenn er aber keine Reue zeigt und mit der Sünde fortfährt, breitet sich der Fleck über das gesamte Herz aus. Dies ist das, was Allah im Koran mit zerfressenen Herzen meint.“ (Ibni Mâdscha, Zuhd, 29) Der Mensch begeht Sünden, wenn er sich seinen Trieben oder dem Willen des Teufels hingibt. Deshalb müssen wir uns vor Sünden hüten und geduldig unsere Gottesdienste (Ibâda) verrichten.

Folgende Verse sollten wir stets vor Augen haben: Und meidet die offene, ebenso wie die heimliche Sünde. Siehe, diejenigen, welche Sünde begehen, werden sicherlich bestraft werden, wie sie es verdienen.„ [6:120]; Wenn ihr die großen Sünden meidet unter dem, was euch verboten ist, werden Wir euere (geringeren) Vergehen auslöschen und euch in einen ehrenvollen Ort einführen.„ [4:31] „Frieden sei mit euch, weil ihr in Geduld standhaft geblieben seid!„ Und herrlich ist die Belohnung mit der (jenseitigen) Wohnung.„ [13:24] „Trage vor, was dir von dem Buche geoffenbart wird und verrichte das Gebet. Siehe, das Gebet bewahrt vor Schandbarem und Verbotenem. Doch das (ständige) Gedenken an Allah ist fürwahr das Größte. Und Allah weiß, was ihr tut.„ [29:45]

IGMG – Irschad-Abteilung