Freitagspredigt

Hutba – Das Leben der Muslime erleichtern

19. November 2004

Verehrte Muslime,

Wir danken Allah dafür, dass er uns die Gelegenheit gegeben hat den gesegneten Monat Ramadan zu beenden und anschließend das Ramadanfest zu feiern. Im Laufe des Ramadans haben wir gefastet und gebetet. Auch sind wir unseren finanziellen Verpflichtungen nachgegangen. Ich wünsche, dass Allah unsere Gottesdienste annimmt. Wir danken allen Brüdern und Schwestern die uns ihre Fitra und Zekatabgaben anvertraut haben. Mit Allahs Hilfe werden wir die nötige Sensibilität zeigen und es den Bedürftigen und Armen weiterreichen.

Verehrte Gemeinde,

Heute wollen wir uns an das Ramadan-Ende und unsere Verantwortung erinnern.

Wir sind Angehörige eines Glaubens, dessen Ursprung in einer großen Zivilisation liegt.

Beim genauen hinsehen zeigt sich die Zivilisation des Islams in jedem Bereich. Es ist aber auch eine Tatsache, dass durch manche Fehler das Ansehen dieses Glaubens erheblichen Schaden zugefügt wird. Die Ursachen für diese negativen Auswirkungen liegen in den falschen Deutungen des Glaubens, darin dass einige keinen Unterschied zwischen Tradition und Religion machen, den Glauben instrumentalisieren und den Glauben für die eigenen Zwecke ausnutzen. Diese Missstände gab es in jedem Zeitalter. Und es gibt sie heute auch. Ein Muslim muss sich jedoch von solch einem Missbrauch fernhalten.

Als IGMG lehnen wir diese Missstände ab und versuchen unsere Religion von ihren ursprünglichen Quellen her zu verstehen und zu lernen. Wir sind verpflichtet, in unseren Moscheen die Menschen zu bilden und unsere Religion auf die schönste Weise zu leben. Unsere Verantwortung wird dadurch größer, dass wir in Europa leben und unser Handeln auf den Islam projiziert wird.

Liebe Brüder und Schwestern,

Ich will auf manch wichtigen Punkt hinweisen, auf den wir besonders achten müssen. Der erste wichtige Punkt ist es, „den Muslimen ihr Leben nicht zu erschweren„.

Wir leben wirklich in einer schwierigen Zeit.

Deshalb dürfen wir den Menschen ihr Leben nicht erschweren.

Dieser Punkt ist in zweierlei Hinsicht wichtig.

Zum Ersten, aus unserem eigenen islamischen Verständnis, zum Zweiten, aus unserer Stellung in der Gesellschaft, in der wir leben.

Bei beiden Punkten müssen wir das Prinzip, nicht verabscheuen lassen sondern erleichtern, vor Augen beibehalten.

Anstatt den Menschen den Willen ihren Glauben zu praktizieren zu brechen, sollten wir sie dazu anregen und ihre Wege dazu öffnen.

In unseren Beziehungen mit jedem Teil der Gesellschaft muss die Grundlage folgender Grundsatz sein: Ein Muslim ist der, von dem die Menschen von seinen Händen und von seiner Zunge in Sicherheit sind.

Verehrte Muslime,

Ein anderer wichtiger Punkt ist: Wir dürfen keine Gelegenheit für den „Zusammenstoß der Zivilisationen“ geben.

Wir sind in Europa lebende Muslime. Deshalb ist das Umfeld in dem wir leben unser wirkliches Umfeld und weil wir weiterhin in diesem Umfeld leben werden, darf es keine Konflikte zwischen den Kulturen geben oder anders ausgedrückt, dürfen wir uns niemals in einem Kampf zwischen den Zivilisationen befinden. Anstatt die Unterschiede der anderen vor Augen zu führen, sollten wir uns vielmehr gegenseitig in Not unterstützen und ein gemeinsames Leben führen. Solidarität, Nachbarschaft und Brüderlichkeit gehören zu unseren Grundprinzipien.

In diesem Zusammenhang gehört es dazu, den Nicht-Muslimen zu Weinachten, Ostern und Passah zu gratulieren und zu versuchen den Glauben und Lebensansicht der Nicht-Muslime zu verstehen.

Außerdem sollten wir im Rahmen der verschiedenen Kulturen und Lebensphilosophien hervorheben, dass verschiedene Kulturen eine Bereicherung sind und dass es keinen Anlass für den Zusammenstoß der Kulturen gibt, dass man auch mit verschiedenen Kulturen zusammenleben kann.

Dadurch wird es möglich sein, dass die Jugendlichen und Kinder der Migranten selbstbewusster werden und sich in die Gesellschaft integrieren.

Kurz gesagt wollen wir das Wohlwollen unseres Herrn nicht mit Konflikten sondern durch Verständigungen finden. In unseren Taten müssen wir danach streben, Allahs Wohlwollen zu erreichen. Schließlich haben die Propheten auch mit diesem Prinzip gearbeitet und sind so ihren göttlichen Geboten nachgegangen.

Unsere Moscheen werden weiterhin Orte sein die moralische und menschliche Werte fördern und zur Steigerung dieser in der Gesellschaft beitragen. Ihre Tore werden sich allen Menschen öffnen und mit ihren waisen und netten Unterhaltungen werden sie die Herzen der Jungen und Alten gewinnen.

Ich beende meine Hutba mit dem Gebot der Sura Hudschurat: „O ihr Menschen, Wir haben euch als Mann und Frau erschaffen und euch in verschiedenen Stämmen und Völkern gemacht damit ihr einander kennenlernen mögt.“ ( Hudschurat 49, 13)

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