Freitagspredigt

Hutba – Das Tor der Vergebung: Tawba

16. Juli 2010

Verehrte Muslime,

Allah hat den Menschen so erschaffen, dass er sowohl Gutes als auch Schlechtes tun kann. Doch hat er ihn auch wissen lassen, dass Fehler wieder gut gemacht werden können. Das Fehlverhalten, das zur Sünde führt, ist wie ein Fleck auf der Kleidung, welches entfernt werden kann. So hält uns Gott dazu an, unsere Fehler einzusehen und Reue (Tawba) zu zeigen. Tawba ist die Einsicht des Geschöpfes, einen Fehler begangen zu haben, die Reue und Scham, die ihn deswegen überkommt und die feste Absicht, es nicht wieder zu tun. In Bezug auf Gott ist Tawba ein bis in alle Ewigkeit geöffnetes Tor der Vergebung. Der Gläubige kennt dieses Tor, er glaubt daran und wird niemals seine Hoffnung auf Vergebung verlieren, denn „“¦ Siehe, Allah liebt die sich Bekehrenden und liebt die sich Reinigenden. (Sure Bakara, [2:222])

Verehrte Geschwister,

der Gesandte Gottes, Muhammad (saw), gab uns folgende erfreuliche Nachricht: „Wenn jemand seinen Fehler erkennt und bereut, sagt Allah zu seinen Engeln: „Seht, diese Person hat einen Fehler gemacht, sich aber daran erinnert, dass er einen Herrn hat, der Fehler bestraft und vergibt, und dann seinen Fehler bereut. Bezeugt, dass ich ihm vergeben habe.“ (Buchârî) In einem anderen Hadith erzählt der Prophet folgende Geschichte: „In einem abgelegenen Teil der Wüste schläft jemand, um sich auszuruhen. Als er aufwacht sieht er, dass sein Reittier mit samt dem Proviant verschwunden ist. Er sucht es überall, kann es aber nicht finden. Erschöpft kehrt er zu seinem ursprünglichen Platz zurück. Hoffnungslos denkt er: „Ich werde wohl in dieser Wüste sterben.“ und schläft wieder ein. Als er wieder aufwacht, sind sein Kamel und sein Proviant an seiner Seite, so dass er sich sehr freut. Doch noch größer als die Freude dieses Menschen, ist die Freude Allahs, wenn jemand Reue zeigt.“ (Muslim)

Verehrte Muslime,

wir befinden uns in den gesegneten Drei Monaten, in denen die Barmherzigkeit (Rahma) Gottes gegenüber seinen Geschöpfen noch größer ist als sonst. Es ist genau die richtige Zeit, um uns unserer Fehler bewusst zu werden, Einsicht und Reue zu zeigen und um Vergebung zu bitten. Zuerst sollten wir uns selbst, dann unsere Geschwister, die schlechten Gewohnheiten verfallen sind, auf das Tor der Vergebung aufmerksam machen. Denn wir dürfen nicht vergessen, „Wer seinen Fehler bereut, ist ohne jede Sünde.“ (Ibni Mâdscha)

Auch sollten wir uns vergegenwärtigen, dass uns die Engel mit ihren Duâ (Bittgebet) unterstützen, wenn wir Reue zeigen: Diejenigen, welche den Thron tragen, und die, welche ihn umgeben, lobpreisen ihren Herrn und glauben an ihn und bitten um Verzeihung für die Gläubigen: O unser Herr! Du umfasst alle Dinge in Barmherzigkeit und Wissen. So vergib denen, die sich bekehren und deinem Pfad folgen; und bewahre sie vor der Strafe der Hölle. (Sure Gâfir, [40:7])

Mit einer kurzen Erzählung möchten wir unsere Hutba beenden: Ein Mann ging mit seinem Sohn am Strand spazieren. Das Kind fragte: „Was ist das?“, der Vater antwortete: „Das ein Haufen Kieselsteine.“ „Gibt es etwas, was noch mehr ist als diese Steine?“, fragte das Kind. „Ja“, sagte der Mann, „die Sünden deines Vaters.“ „Und gibt es noch etwas, das noch mehr ist als deine Sünden?“ fragt das Kind weiter. „Ja natürlich, mein Sohn, die Gnade Gottes.“

Jeder, der das Tor der Vergebung aufsucht, wird mit offenen Armen empfangen, niemand wird zurückgewiesen. Möge Allah unsere Gebete annehmen und unsere Fehler vergeben.

IGMGIrschadabteilung

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