Freitagspredigt

Hutba – Das Wissen

31. Oktober 2008

Verehrte Muslime,

Wissen (Ilm) ist, das Wesen einer Sache zu kennen. Wahres Wissen kommt nur von Allah, denn nur das, was von ihm kommt, ist ohne Zweifel wahr. Im Islam spielt Wissen eine sehr bedeutende Rolle. Die Grundlagen unserer Religion basieren auf Wissen.

So wird in den ersten offenbarten Versen überhaupt vom Lesen und Lernen gesprochen: „Lies! Im Namen deines Herrn, der erschuf – Erschuf den Menschen aus einem sich Anklammernden. Lies! Denn dein Herr ist gütig, der durch die (Schreib-)Feder gelehrt hat – Den Menschen gelehrt hat, was er nicht wusste. [96:1][96:2][96:3][96:4][96:5] In einer anderen Sure heißt es: „Wisse darum, dass es keinen Gott gibt außer Allah.“ [47:19] Man beachte, dass hier an erster Stelle vom Wissen gesprochen wird; erst danach kommt der Glauben (İmân). Denn wer kein Wissen von Allah hat, der hat auch keinen festen Glauben.

Verehrte Geschwister,

genauso wie es Pflicht ist, die Gottesdienste (pl. Ibâdât) zu verrichten, so hat auch jeder Muslim die Aufgabe, sich Wissen anzueignen. Denn der Gesandte Gottes hat gesagt: „Sich Wissen anzueignen, ist die Pflicht jeden Muslims.“ (Ibni Mâdscha, Mukaddima, 17) Dem Hadîth ist zu entnehmen, dass jeder Muslim – gemäß seinen Möglichkeiten – dazu verpflichtet ist, sich Wissen anzueignen. In einem anderen Hadîth heißt es: „Sei entweder der Lehrer, der Schüler, der Zuhörer oder der Förderer; vermeide es auf jeden Fall der Fünfte zu sein.“ (Kaschful Chafâ, 1, 149-150) Es ist notwendig, nicht nur zu glauben, sondern auch Wissen darüber zu besitzen, wie der Glauben gelebt bzw. die Gottesdienste verrichtet werden sollen. Genauso ist es erforderlich zu wissen, was nicht zum Glauben gehört oder ihm sogar schaden könnte, um sich davon fernzuhalten. Folglich sollte man also wissen, woran man glaubt, weshalb man daran glaubt und weshalb man die vorgesehenen Gottesdienste verrichtet. Dies ist aber nur möglich, wenn man bereit ist, dazuzulernen. Schließlich hat Muhammad (saw) gesagt: „Strebt nach Wissen von der Wiege bis zum Grab.“ Ein Muslim soll also bis zu seinem Tod stets nach neuem Wissen streben. Nicht zuletzt muss an folgenden Hadîth erinnert werden: „Derjenige, dessen Tag dem anderen gleicht, ist im Nachteil.“ (Tamjizut Tajjib minal Hadîth, S. 162)

Verehrte Muslime,

sogar in Zeiten des Krieges darf der Erwerb von Wissen nicht vernachlässigt werden. Im Koran heißt es dazu: „Die Gläubigen sollen aber nicht allesamt gleichzeitig ausrücken. Von jeder ihrer Abteilungen soll eine Gruppe nicht ausrücken, um einander in der Religion zu belehren. So können sie ihren Leuten nach ihrer Heimkehr helfen, vor dem Bösen auf der Hut zu sein.“ [9:122] Der Gedanke, der dahinter steckt, ist, dass ein gefallener Soldat ersetzt werden kann, wohingegen es nicht immer einen Ersatz für einen Gelehrten gibt. Aufgrund all dieser Gründe, liebe Geschwister, sollten wir versuchen, uns zu bilden und zumindest zu den Förderern des Wissens gehören.

IGMG – Irschadabteilung