Freitagspredigt

Hutba – Der aufrichtige Gottesdienst

19. Dezember 2008

Verehrte Muslime,

im Koran heißt es: „Und die Dschinn und die Menschen habe Ich nur dazu erschaffen, dass sie Mir dienen. (Sure Zârijât, [51:56]) Das Ziel ist es also, Allah zu dienen. In unserer Hutba möchten wir auf etwas aufmerksam machen, ohne das der Gottesdienst (Ibâda) keinen Wert hat; nämlich die Aufrichtigkeit (Ichlâs). Ichlâs bedeutet etwas in einen reinen, einfachen Zustand zu versetzen. Mit diesem Begriff wird die Reinigung des Herzens von allem Schlechten ausgedrückt. Ichlâs bedeutet, nicht den eigenen Vorteil anzustreben, nicht zu prahlen und ehrlich zu handeln. Im religiösen Sinne ist mit Ichlâs das Fernhalten von allem gemeint, das zu einer Zurschaustellung eines Gottesdienstes oder einer anderen Handlung führen könnte. Anders gesagt: Ichlâs heißt, nur um Gottes Willen zu handeln und die Gottesdienste ausschließlich zu verrichten, um Allahs Zufriedenheit (Rizâ) zu erlangen.

Verehrte Geschwister,

der Wert einer Handlung oder eines Gottesdienstes bemisst sich an der Aufrichtigkeit des Menschen. Im Koran werden diesen Menschen folgende Worte in den Mund gelegt: „…Wir haben unsere Werke, und ihr habt euere Werke (zu verantworten), und Ihm sind wir aufrichtig ergeben. (Sure Bakara, [2:139]) Der Vers verdeutlicht, dass nur aufrichtige Gottesdienste einen Wert besitzen und nur diejenigen Menschen das Wohlwollen Allahs erlangen können, die ihren Gottesdiensten in dieser Weise nachkommen.

Ichlâs ist aber auch ein Schild gegen alles Schlechte. So wird im Koran vom Propheten Jûsuf (as) berichtet, der sich nur aufgrund seiner Aufrichtigkeit vor den Verführungen der Zuleyha schützen konnte: „…Dies (geschah), um Schlechtigkeit und Schändlichkeit von ihm abzuwehren. Er war ja einer Unserer aufrichtigen Diener. (Sure Jûsuf, [12:24]) Es gehört also auch zur Aufrichtigkeit, sich von verbotenen Dingen fernzuhalten.

Verehrte Muslime,

Ichlâs ist das, was die Gottesdienste ausmacht. Ohne die Aufrichtigkeit hat der Teufel leichtes Spiel mit den Menschen. Denn auch wenn die Menschen ihre Gottesdienste verrichten, werden sie den Verführungen des Teufels erliegen, weil ihnen die Aufrichtigkeit fehlt. Unser Herr warnt uns im Koran vor diesen Fallen des Teufels: Er (der Teufel) sprach: Mein Herr! Du hast mich abirren lassen; so will ich ihnen jetzt auf Erden (das Böse) anziehend machen und sie allesamt verführen, außer Deinen auserwählten Dienern unter ihnen.(Sure Hidschr, [15:40]; Sure Sâd, [38:83]) Aus diesem Grund müssen diejenigen, die zwar ihre Gottesdienste verrichten, stets darauf bedacht sein, dies auch nur um das Wohlwollen Allahs und nichts anderes zu tun.

Der bekannte Mystiker Fudajl bin Ijâd sagte diesbezüglich: Für das gemeine Volk ist das Versäumnis der Gottesdienste nichts als Stolz und die Verrichtung der Gottesdienste nichts als Polytheismus (Schirk). Ichlâs ist, wenn dich Allah vor diesen zwei Dingen bewahrt.Abû Bakr (ra) sagte in einer Hutba: „Wie ihr wisst, bemühen wir uns Tag und Nacht um das Diesseits. Doch nichts, was nicht um Allahs Willen gesagt wird, ist gut. Nichts, das nicht um Allahs Willen ausgegeben wird, ist gut. So wie es nichts gutes an Besserwissern und Prahlern gibt, so gibt es auch nichts gutes, an denen, die sich vor den Menschen ziehmen, wenn sie etwas tun, was sie um Allahs Willen tun.“

Deshalb, meine verehrten Geschwister,

müssen wir bei all unseren Handungen stets das Wohlwollen Allahs vor Augen haben. Wenn wir unsere Gottesdienste verrichten, damit die Menschen uns loben und uns unsere Gottesdienste nicht vor Schändlichem und Verwerflichem bewahren, wir also Dinge tun, die nicht zu uns passen, stürzen wir uns selbst ins Verderben. Deshalb dürfen wir niemals von Aufrichtgkeit und Ehrlichkeit ablassen. Insbesondere da wir in Europa den Islam repräsentieren, obliegt uns eine größere Veratwortung. Folgende Worte des Gesandten Gottes sollten wir niemals vergessen: „Ohne Zweifel, akzeptiert Allah keine Gottesdienste, außer denen, die um seines Willen und um seiner Zufriedenheit willen verrichtet werden.“ (Nasâî, Dschihâd, 24)

IGMG-Irschadabteilung

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