Freitagspredigt

Hutba – Der gute Charakter

22. Oktober 2010

Verehrte Muslime,

ein guter Charakter (Achlâk) ist die Grundlage des Islams, sie ist seine Essenz. Wesentlich für einen guten Achlâk ist die Bemühung, Gutes zu tun und sich von Schlechtem fernzuhalten. Ein guter Muslim zu sein führt über den einen guten Charakter. Und die Grundlagen eines guten Charakters können dem Koran und der Sunna Muhammads (saw) entnommen werden. Das heißt, die Quelle eines guten Achlâk ist für den Muslim seine Religion (Dîn). Sein Vorbild und Lehrer ist und war schon immer der Gesandte Gottes, also derjenige, der den Koran am besten verstanden und gelebt hat. Denn es ist Allah, der ihn der Menschheit gesandt und zum Wegweiser erwählt hat. Im Koran heißt es: „Und du bist fürwahr von edler Natur.“ (Sure Kalam, [68:4]) und der Prophet sagte über sich selbst: Ich bin gesandt worden, um die moralischen Prinzipien zu vervollständigen. (Ibni Hanbal, Musnad, II, 381) Dem Koran und der Sunna entnehmen wir also, dass uns Gott den Propheten als nachahmenswertes Vorbild mit einem beispielhaften Charakter vorstellt. Er wünscht von den Muslimen, sich an diesem Vorbild zu orientieren, damit sie sein Wohlgefallen erlangen.

Verehrte Geschwister,

im Koran und in der Sunna werden moralische Prinzipien genannt, die zu einem guten Charakter gehören. An erster Stelle dieser Prinzipien steht das Bewusstsein des Menschen über seine Verantwortung. Der Mensch soll sein Leben dieser Verantwortlichkeit entsprechend gestalten und führen. Gottesfurcht (Takwâ) und die Befolgung der Gebote Gottes sind Zeichen dafür, dass der Mensch, sich seiner Aufgabe bewusst ist. Dem Bewusstwerden seiner persönlichen Verantwortlichkeit folgt die Barmherzigkeit und Gerechtigkeit gegenüber seinen Mitmenschen, die Solidarität mit Bedürftigen und Benachteiligten und der Achtung der Eltern, der Jungen und Alten. Ferner sollte ein Muslim mit einem guten Charakter Herr seiner Emotionen sein, Bescheidenheit an den Tag legen und sich von Hochmut und Stolz fernhalten. Sein Charakter sollte geprägt sein von Geduld, Anstand und Nachsicht. Alles, was das gesellschaftliche Zusammenleben stört oder beeinträchtigt, sollte vermieden werden.

Verehrte Muslime,

ein Mensch, der sich um einen guten Charakter bemüht, sichert nicht nur seine Zukunft im Diesseits und Jenseits (Âchira), er ist auch eine Stütze der Gesellschaft. Denn ein Mensch, der sich nicht vor Gott fürchtet, sich nicht um sein Wohlwollen bemüht, der gefährdet nicht nur seine Zukunft, sondern auch die Gesellschaft, in der er lebt. Ein Sprichwort besagt, „Fürchte dich vor dem, der sich nicht vor Gott fürchtet.“ Die Verbrechen, Unrechtmäßigkeiten, Streitereien und unmoralischen Beziehungen, von denen wir tagtäglich hören, geschehen, weil es an einem guten Charakter mangelt. Dem einzelnen Menschen und der Gesellschaft wäre geholfen, wenn die moralischen, von denen die meisten von allen monotheistischen Religionen verfochten werden, beachtet werden würden. So haben sich auch die ersten Muslime zur Zeit des Gesandten Gottes durch ihren aufrichtigen Charakter ausgezeichnet. Viele Menschen ließen und lassen sich von ihnen leiten und inspirieren. Also sollten wir uns gute Charaktereigenschaften wie „Respekt, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Tugend“ zueigen machen, um das Wohlgefallen Allahs zu gewinnen. Wir sollten uns von schlechten Eigenschaften wie Lüge, Lästerung, Fluch, Neid, Hass, Geiz und Spott“ fernhalten. So können wir nicht nur uns, sondern der gesamten Gesellschaft helfen.

 

IGMG-Irschadabteilung